Kein Broi­ler mit sechs Bei­nen

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Aus Der Region -

Der Ge­dan­ke, wie sich un­se­re Er­näh­rung in Zu­kunft ent­wi­ckeln könn­te ist span­nend. Denn wie bei al­lem an­de­ren in der Ge­schich­te ist auch da nichts in St­ein ge­mei­ßelt. Wenn Sie jetzt sa­gen: „Von we­gen In­sek­ten. Ich blei­be lie­ber beim Bra­ten mit Klö­ßen“, dann ist das Ihr gu­tes Recht. Ist mir auch lie­ber. Aber man soll­te nicht ver­ges­sen, dass die Auf­nah­me neu­er Pro­duk­te und Zu­be­rei­tun­gen ein nor­ma­ler Teil der Ess­kul­tur ist. So ist es nur schwer vor­stell­bar, dass et­wa die Kar­tof­fel erst ab dem 16. Jahr­hun­dert ih­ren tri­um­pha­len Ein­zug in Eu­ro­pa hielt. Heu­te ist sie qua­si das deut­sches­te al­ler Ge­mü­se, wird von uns aber meist als „Sät­ti­gungs­bei­la­ge“her­ab­ge­wür­digt.

Wäh­rend US-Sol­da­ten die Deut­schen im Zwei­ten Welt­krieg häu­fig „Krauts“nann­ten – hier ist wohl ein ver­mu­tet ho­her Sau­er­kraut­kon­sum als Ste­reo­typ aus­schlag­ge­bend – soll es heu­te in Deutsch­land Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ge­ben, die den Be­griff „Kar­tof­fel“ähn­lich nut­zen. Aber ich schwei­fe ab.

Ess­kul­tu­ren un­ter­lie­gen wech­seln­den Ein­flüs­sen und Trends. Ich zäh­le ein­mal auf: Dö­ner, Tofu, Su­shi. Al­les Din­ge, die auch noch nicht so lan­ge Teil un­se­res Er­näh­rungs­all­tags sind. Und ge­gen­über ro­hem Fisch et­wa hat­ten an­fangs auch vie­le Vor­be­hal­te. Des­halb soll­te man sich auch den In­sek­ten und ih­rem Po­ten­zi­al ge­gen­über nicht kom­plett ver­schlie­ßen. Das heißt aber nicht, dass ich jetzt gro­ßer In­sek­ten-Fan bin. Die klei­nen Din­ger sind eben kein Broi­ler mit sechs Bei­nen.

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