CSU

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Politik - Von Jan Jessen

Ber­lin.

Die Christ­lich-So­zia­le Uni­on in Bay­ern e. V. (CSU) ist mit gut 140.000 Mit­glie­dern die dritt­größ­te Par­tei in Deutsch­land und do­mi­niert als Lan­des­par­tei die baye­ri­sche Politik. Ge­grün­det wur­de die Par­tei 1945. Drei Grund­wer­te sind in al­len Grund­satz­pro­gram­men zu fin­den: die kon­ser­va­ti­ve Grund­hal­tung, die christ­li­che Aus­rich­tung und die Be­to­nung des Fö­de­ra­lis­mus. In der In­nen­po­li­tik setzt die CSU auf ei­nen star­ken Staat, der Recht und Frei­heit der Bür­ger zu schüt­zen hat. Seit 1957 stellt sie den baye­ri­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Mit der CDU bil­det die CSU im Bun­des­tag ei­ne Frak­ti­ons­ge­mein­schaft. Sie tritt bun­des­weit nicht bei Wah­len an, die CDU um­ge­kehrt nicht in Bay­ern. (zrb)

Ba­darash.

Er­schöpft sitzt Gha­zia Di­bo Mo­ham­med auf dem Be­ton­bo­den in dem pro­vi­so­ri­schen Zelt, das ei­gent­lich nur ei­ne Plas­tik­pla­ne ist. Ih­re vier klei­nen Kin­dern wir­ken ver­stört und mü­de, ihr Ehe­mann Ab­dul­rah­man Had­schi Dar­wesh ist eher em­pört. In der Nacht sind sie hier im Camp Ba­darash, rund 30 Ki­lo­me­ter ent­fernt von der Groß­stadt Mos­sul, in der kur­di­schen Au­to­no­mie­re­gi­on im Nord­irak an­ge­kom­men. Sie sind die ers­ten Flücht­lin­ge aus den sy­ri­schen Kur­den­ge­bie­ten. In den nächs­ten Ta­gen wer­den hier Zehn­tau­sen­de, wenn nicht Hun­dert­tau­sen­de wei­te­re er­war­tet, soll­te der Waf­fen­still­stand zwi­schen der Tür­kei und den kur­di­schen Kämp­fern nicht hal­ten.

Ab­dul­rah­man Had­schi Dar­wesh ist 35, er und sei­ne Fa­mi­lie stam­men aus Qa­mish­li, der ers­ten gro­ßen kur­di­schen Stadt hin­ter der sy­ri­schen Gren­ze. Der schnauz­bär­ti­ge jun­ge Mann mit den Tä­to­wie­run­gen auf den Ar­men ist Kur­de, in Qa­mish­li hat er Mo­tor­rä­der ver­kauft und re­pa­riert. Bis die Ra­ke­ten und Gra­na­ten aus der Tür­kei ein­schlu­gen. „Es gab Krieg, da muss­ten wir flie­hen.“Zwei Ta­gen wa­ren sie un­ter­wegs, größ­ten­teils zu Fuß, mit­ge­nom­men ha­ben sie nur ein we­nig Klei­dung. „Wir muss­ten den Schlep­pern 2800 Dol­lar zah­len, sie ha­ben uns dann nachts rü­ber­ge­bracht.“ Irak zu über­que­ren. Die Sor­ge: Wenn die Kur­den aus dem Nor­den Sy­ri­ens flie­hen, hat es der tür­ki­sche Prä­si­dent Er­do­gan leich­ter, sei­nen Plan von der An­sied­lung von zwei Mil­lio­nen ara­bi­schen Flücht­lin­gen in die Tat um­zu­set­zen. Des­we­gen, aber auch aus Angst vor tür­ki­schen Luft­an­grif­fen kom­men die Men­schen wie Abuld­rah­man und sei­ne Fa­mi­lie nachts.

Der Mo­tor­rad­händ­ler ist wü­tend: „Es sind im­mer die Tür­ken und die Ara­ber, die uns un­ter­drü­cken.“Wie das Le­ben un­ter der kur­di­schen Selbst­ver­wal­tung war? „Wir hat­ten ein gu­tes Le­ben“, sagt er. Sei­ne Frau Gha­zia ruft: „Das war ein Le­ben wie im Pa­ra­dies.“Nach der In­va­si­on ha­ben die Kur­den ein Bünd­nis mit der sy­ri­schen Re­gie­rung ge­schlos­sen, Re­gime­trup­pen sind in den Nor­den ein­ge­rückt. Was er tun wird, wenn die Region wie­der von Da­mas­kus kon­trol­liert wird? „Dann ge­he ich zu­rück“, sagt Ab­dul­rah­man. „Ich wür­de auch für As­sad kämp­fen. Das ist doch mei­ne Re­gie­rung. Und sie ist bes­ser als Daesh (das ara­bi­sche Wort für den IS) oder die Tür­kei.“

Auch in die Nach­bar­zel­te der Fa­mi­lie sind El­tern mit Kin­dern ein­ge­zo­gen. Es herrscht hek­ti­sches Trei­ben im Camp. Lkw mit Le­bens­mit­teln kom­men an und wir­beln Staub auf, vie­ler­orts wird ge­baut. Et­li­che Mit­ar­bei­ter des UN-Flücht­lings­hilfs­werks spre­chen mit den lo­ka­len Hel­fern, te­le­fo­nie­ren, lot­sen die Flücht­lin­ge zur Re­gis­trie­rung. In ei­ner Hal­le vor der Re­gis­trie­rungs­stel­le sit­zen Dut­zen­de Men­schen auf ei­nem grü­nen Filz­tep­pich. Die Neu­an­kömm­lin­ge be­kom­men ei­ne Por­ti­on Reis und Was­ser. „Wir be­kom­men hier so vie­le Leute rein. Wir wis­sen nicht, wie wir sie un­ter­brin­gen sol­len“, er­zählt Sa­lar Ab­dul­ma­jid Aziz, der jun­ge Cam­plei­ter. „Wir ha­ben sehr viel Stress. Ges­tern bin ich erst um vier Uhr mor­gens ins Bett ge­kom­men.“Im­mer wie­der te­le­fo­niert er. „Wir sind da­bei, das hier Schritt für Schritt zu or­ga­ni­sie­ren.“Für 2300 Men­schen reicht der Platz in Ba­darash. „Wenn es mehr wer­den, be­kom­men wir ein rie­si­ges Pro­blem mit Ab­was­ser und Müll.“Und die Le­bens­mit­tel sind knapp. Nach An­ga­ben des Ro­ja­va In­for­ma­ti­on Cen­ter und des Kur­di­schen Ro­ten Halb­monds sind ak­tu­ell rund 300.000 Men­schen vor den Kämp­fen auf der Flucht. Sie sam­meln sich vor al­lem in alHas­akah und der Kle­in­stadt Tell Ta­mer, ei­ni­ge Ki­lo­me­ter süd­lich der Kampf­ge­bie­te, wo sie bei Ver­wand­ten, in Schu­len und in Ge­mein­de­zen­tren Un­ter­schlupf fin­den. Die Ver­sor­gungs­la­ge soll pre­kär sein, auch weil sich na­he­zu al­le aus­län­di­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen aus dem Nor­den Sy­ri­ens zu­rück­ge­zo­gen ha­ben.

Für den Nord­irak ist es die vier­te gro­ße Flücht­lings­wel­le, die in jüngs­ter Zeit in die kur­di­sche Au­to­no­mie­re­gi­on rollt. „Für uns Kur­den wie­der­holt sich die Ge­schich­te im­mer wie­der“, sagt Shaw­kat Ber­biha­ry, der Kom­man­dant am Grenz­über­gang Se­malk. Im Camp fährt am spä­ten Nach­mit­tag wie­der ei­ne klei­ne Ko­lon­ne Bus­se los. Ihr Ziel: die Gren­ze. Sie wer­den auch in die­ser Nacht Hun­der­te Men­schen nach Ba­darash brin­gen. Trotz ih­rer schlich­ten Un­ter­brin­gung sind Ab­dul­rah­man und sei­ne Frau froh, dass sie es hier­her ge­schafft ha­ben. „Un­se­re Kin­der sind jetzt in Si­cher­heit. Ih­nen geht es bes­ser, seit wir hier sind.“

Reis und Was­ser für die Neu­an­kömm­lin­ge

Vie­le Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen sind ab­ge­zo­gen

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