Die Stadt Fa­lun ist schwe­di­sche Na­tio­nal-ro­man­tik pur: Hier ent­steht die tra­di­tio­nel­le Far­be Skan­di­na­vi­ens und be­gehr­tes Ge­bäck. Die Mitt­som­mer­fes­te sind un­be­schwert

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Fernsehen Am Sonntag -

er aus ei­nem Win­ter­sport-Land wie Thü­rin­gen kommt, dem ist die Stadt Fa­lun in der schwe­di­schen Pro­vinz Dalar­na schon ein­mal un­ter­ge­kom­men. Auf den Lug­net-Schan­zen hat der Thü­rin­ger Hans-Ge­org Aschen­bach zwei Welt­meis­ter­ti­tel für die DDR ge­holt. Fa­lun ist Sitz des schwe­di­schen Ski­ver­ban­des. Ei­ne Au­to­stun­de west­lich liegt die Kle­in­stadt Mo­ra, die Aus­tra­gungs­ort für den Wa­s­a­lauf ist. Fa­lun ist aber auch die Stadt, aus der das tra­di­tio­nel­le Schwe­den­rot stammt. Mit die­ser Far­be wer­den seit dem 16. Jahr­hun­dert die Holz­häu­ser ge­stri­chen, die uns heu­te so lieb­lich er­schei­nen: Die Far­be ist Teil der schwe­di­schen Na­tio­nal­ro­man­tik. Da­bei ist die Far­be, die heu­te als Fa­lu Röd­färg ein ein­ge­tra­ge­nes Mar­ken­zei­chen ist, nur ein Ne­ben­pro­dukt – ein Pig­ment, das aus dem Ab­raum der Fa­lu­ner Kup­fer­berg­wer­ke ge­won­nen wur­de. Bis 1992 wur­de hier ge­ar­bei­tet, seit 2001 gilt die Mi­ne als Unesco-Welt­kul­tur­er­be. Na­tür­lich kann sie in ge­führ­ten Tou­ren be­sich­tigt wer­den. Als Be­su­cher er­hält man ei­nen Helm und ei­nen oran­ge­far­be­nen, was­ser­dich­ten Um­hang, dann geht es mit dem Fahr­stuhl 67 Me­ter und 400 Stu­fen un­ter Ta­ge. In rie­si­gen Höh­len wur­de hier Kup­fer ge­för­dert. Das Was­ser aus dem Berg ist röt­lich ge­färbt. So kann es pas­sie­ren, dass beim Ver­las­sen des Berg­wer­kes die Schuh­soh­len auf ein­mal schwe­den­rot sind. Na­tür­lich kann man im Mu­se­ums­shop auch Do­sen mit der ech­ten Far­be kau­fen. (www.fa­lug­ru­va.se).

Oh­ne­hin gilt die Pro­vinz Dalar­na als „Schwe­den im Mi­nia­tur­for­mat“. Ei­ne hal­be St­un­de süd­lich von Fa­lun liegt die Sto­ra Sked­vi. Ein Ort mit 2500 Ein­woh­nern, der aber jähr­lich von mehr als 700.000 Men­schen be­sucht wird. Denn von hier stammt ein wei­te­res Pro­dukt, das zur schwe­di­schen Na­tio­nal­ro­man­tik da­zu­ge­hört, das Knä­cke­brot. In der Bä­cke­rei Sked­vi Bröd ent­steht in zwölf Holz­öfen das hand­ge­fer­tig­te, ty­pisch run­de Knä­cke­brot – ei­ne mehr als 300 Jah­re wäh­ren­de Tra­di­ti­on. Mit­ar­bei­te­rin Ri­i­na Myr­sell er­zählt beim Rund­gang nicht nur, wie das Knä­cke­brot her­ge­stellt wird, son­dern auch ei­ne un­glaub­li­che Er­folgs­ge­schich­te. Im Jah­re 2013 wur­de die Bä­cke­rei ge­schlos­sen. Die Schwe­den wa­ren auf­ge­schreckt. „Ein äl­te­rer Mann, der nicht oh­ne das Knä­cke­brot sein woll­te, mit dem er auf­ge­wach­sen ist, hat kurz vor der Schlie­ßung noch ei­ne Groß­be­stel­lung auf­ge­ge­ben. Er hat aus­ge­rech­net, wie lange er ver­mut­lich noch le­ben wird und wie vie­le Kar­tons Knä­cke­brot er bis da­hin noch braucht“, be­rich­tet Ri­i­na Myr­sell.

Ehe­ma­li­ge Bä­cke­rei-Mit­ar­bei­ter und Men­schen aus der Ge­mein­de woll­ten sich da­mit nicht ab­fin­den. So sei mit Crowd­fun­ding Geld für ei­ne Wie­der­er­öff­nung ge­sam­melt wor­den. Über 60.000 Eu­ro ka­men so zu­sam­men, den Rest­be­trag gab Ben­ny An­der­son von ABBA hin­zu. Da­mit konn­ten In­ves­to­ren ge­fun­den wer­den. Im De­zem­ber 2014 wur­de die Bä­cke­rei, die heu­te wie­der sie­ben Bä­cker be­schäf­tigt, wie­der er­öff­net. Ne­ben dem Knä­cke­brot wer­den hier zahl­rei­che wei­te­re Pro­duk­te aus Rog­gen an­ge­bo­ten. Ge­plant sei jetzt so­gar ei­ne klei­ne Braue­rei, be­rich­tet Ri­i­na Myr­sell im Ge­spräch. Die Markt­hal­le und die Bä­cke­rei ha­ben von Di­ens­tag bis Frei­tag von 10 bis 16 Uhr ge­öff­net, am Sams­tag bis 14 Uhr (www.sked­vi­brod.se).

Wer noch mehr Ro­man­tik se­hen will, der kann das Dorf Sund­born, nur ein paar Ki­lo­me­ter von Fa­lun ent­fernt, ent­de­cken. Dort leb­te um die Wen­de vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert ei­ner der be­lieb­tes­ten schwe­di­schen Ma­ler: Carl Lars­son (1853 bis 1919). Er hat das Na­tio­nal­mu­se­um in Stock­holm mit rie­si­gen Wand­bil­dern so­wie die Kö­nig­li­che Oper aus­ge­stal­tet, doch be­kannt ist er für sei­ne pit­to­res­ken All­tags­dar­stel­lun­gen. Mitt­som­mer­fei­er, Ern­te, Weih­nach­ten, aber auch stil­le Mo­men­te in der Kü­che oder im Gar­ten. Die Sze­ne­ri­en aus dem Haus sind zum In­be­griff schwe­di­scher Raum­ge­stal­tung ge­wor­den. Lars­sons Schlaf­zim­mer dien­te spä­ter Ikea als In­spi­ra­ti­on für ei­ne ähn­li­che Mö­bel­se­rie. In Sund­born kann man das Wohn­haus mit Ate­lier be­su­chen oder im Dorf auf Mo­tiv­su­che ge­hen (www.carl­lars­son.se).

Na­tür­lich kommt man in der Pro­vinz Dalar­na nicht am Mitt­som­mer vor­bei. Wäh­rend das gan­ze Land an ei­nem Tag zwi­schen dem 20. und 26. Ju­ni fei­ert, wird zum Bei­spiel im Dorf Ols­näs zwei Wo­chen spä­ter das Fest be­gan­gen. Ei­ne klei­ne Grup­pe von Mu­si­kern mar­schiert zum Dorf­platz, wo der ge­schmück­te Mai­baum auf­ge­stellt wird. Dorf­be­woh­ner und Be­su­cher tan­zen im Rei­gen um den Baum und sin­gen Kin­der­lie­der. Nie­mand ist sich da­für zu scha­de, denn es ist ei­ne Tra­di­ti­on, die al­le ver­eint. Bei den Mitt­som­mer­fes­ten in Dalar­na kann man die­ses un­be­schwer­te Fei­ern er­le­ben – in je­dem Dorf und in je­der Stadt, und das nicht nur an ei­nem Tag, son­dern gan­ze drei Wo­chen lang.

FOTO: ISTOCK/RPBMEDIA

Na­tür­lich sind in Fa­lun die Häu­ser rot ge­stri­chen.

Zwi­schen dem 20. und 26. Ju­ni wird im Dorf Ols­näs Mitt­som­mer be­gan­gen – spä­ter als im üb­ri­gen Schwe­den.

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