Teu­rer Kuss un­ter dem Eif­fel­turm

Paa­re aus Asi­en si­mu­lie­ren für Fo­to­shoo­tings ih­re Hoch­zeit in Pa­ris – ein ein­träg­li­ches Ge­schäft

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Aus Aller Welt - Von Pe­ter Heusch

Pa­ris. Pa­ris sonnt sich ger­ne in sei­nem Ruf, die Stadt der Lie­be zu sein. Nicht nur, aber auch, weil sich die­ser Ruf präch­tig ver­sil­bern lässt. Ver­gleichs­wei­se neu ist je­doch das ein­träg­li­che Ge­schäft des „Pre-Wed­ding“-Tou­ris­mus. Im­mer mehr Men­schen – vor al­lem aus Asi­en – sind be­reit, viel Geld für so­ge­nann­te Ver­lo­bungs­shoo­tings aus­zu­ge­ben, um sich kurz vor der Ehe­schlie­ßung in trau­ter Po­se vor den Se­hens­wür­dig­kei­ten an der Sei­ne fo­to­gra­fie­ren zu las­sen. Zu­ge­ge­ben: Der Ro­man­tik­fak­tor, den ein Kuss vor dem Eif­fel­turm oder vor der Glas­py­ra­mi­de des Lou­vre-Mu­se­ums bie­tet, ist schwer zu über­tref­fen. Ge­ra­de die Be­su­cher aus Asi­en si­mu­lie­ren gan­ze Hoch­zei­ten, ob­wohl das ei­gent­li­che Fest erst spä­ter da­heim in Ja­pan, Süd­ko­rea oder Chi­na statt­fin­det. Das ist im­mer noch bil­li­ger, als tat­säch­lich in Eu­ro­pa zu hei­ra­ten – und die Ver­wandt­schaft ein­flie­gen zu müs­sen.

„Es ist so ro­man­tisch hier“, sagt die 25-jäh­ri­ge Xiao aus Pe­king, die im Braut­kleid, mit Blu­men­bou­quet in der Hand und dem Ver­lob­ten an ih­rer Sei­te am Sei­ne-Ufer po­siert. Dass die Ka­the­dra­le Not­re-Da­me nach dem Brand noch teil­wei­se von Bau­ge­rüs­ten ver­deckt ist, stört of­fen­bar nicht wei­ter. „Wir wer­den die Fo­tos un­se­ren Gäs­ten auf der Hoch­zeits­fei­er zei­gen“, sagt sie, wäh­rend Aus­flugs­boo­te ent­lang­schip­pern und die Tou­ris­ten dem vor­geb­li­chen Braut­paar ap­plau­die­ren.

Hoch­zeits­fo­tos, die be­reits vor der Trau­ung ge­schos­sen wer­den, ha­ben in Asi­en – und vor al­lem in Chi­na, wo sich al­lein je­des Jahr mehr als 10 Mil­lio­nen Paa­re das Ja­wort ge­ben – ei­ne mitt­ler­wei­le 40-jäh­ri­ge Tra­di­ti­on. Frü­her setz­ten sich die Paa­re vor Pa­ris- oder Ve­ne­dig-Ku­lis­sen. Doch der wirt­schaft­li­che Auf­schwung macht die Chi­ne­sen zu­neh­mend rei­se­lus­tig. Nach den Ame­ri­ka­nern und Bri­ten stel­len sie be­reits den dritt­größ­ten An­teil an Pa­ris-Be­su­chern. Die Rei­se zu den Ori­gi­nal­schau­plät­zen ist da auch ei­ne Fra­ge des Pres­ti­ges. So hat sich in den letz­ten Jah­ren die PreWed­ding-Fo­to­gra­fie zu ei­nem sehr lu­kra­ti­ven Ge­schäfts­mo­dell ent­wi­ckelt.

Or­ga­ni­siert wer­den die Fo­to­rei­sen zu­meist von spe­zia­li­sier­ten Agen­tu­ren mit Sitz in Asi­en. Aber in Pa­ris, wo schon auf­grund der gro­ßen Mo­den­schau­en an gu­ten Fo­to­gra­fen kein Man­gel herrscht, ste­hen in­zwi­schen Kon­kur­ren­ten be­reit. Kein Wun­der – schließ­lich pro­fi­tiert ge­ra­de Frank­reich ganz be­son­ders von dem neu­en Trend. Die re­nom­mier­te Pa­ri­ser Ta­ges­zei­tung „Le Mon­de“schätz­te das asia­ti­sche Um­satz­vo­lu­men der Pre-Wed­ding-Fo­to­gra­fie jüngst auf mehr als ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro jähr­lich. Agen­tu­ren wie

Kiss me in Pa­ris ver­an­schla­gen 350 Eu­ro für ein ein­stün­di­ges Shoo­ting.

Doch Paa­re aus Asi­en bu­chen ih­re Pa­ri­ser Fo­to­ses­si­ons ge­mein­hin als Pa­ket, wel­ches den Fo­to­gra­fen, Leih­klei­der, ei­ne Sty­lis­tin und den Trans­port wäh­rend der Auf­nah­men um­fasst. Kos­ten: ab 3500 Eu­ro. Flü­ge und Un­ter­kunft schla­gen da­bei ge­trennt zu Bu­che. Ein teu­rer Spaß. Aber Al­ben mit PreWed­ding-Fo­tos sind vor al­lem in Chi­na ein fes­ter Be­stand­teil sehr auf­wen­di­ger Hoch­zeits­fei­ern, die den so­zia­len Status der Braut­paa­re und ih­rer El­tern aufs Ein­drucks­volls­te her­aus­stel­len sol­len.

Und die Auf­trag­ge­ber schei­nen zu­frie­den. „Wir wa­ren ner­vös, von so weit ent­fernt ei­nen Fo­to­gra­fen ge­bucht zu ha­ben“, schreibt ein Kiss-me-in-Pa­risKun­de

na­mens Gun­jang Na­ran in ei­ner Re­zen­si­on. „Aber dann war al­les wun­der­bar. Und es war ei­ne net­te Ges­te vom Fo­to­gra­fen, sich wäh­rend der Auf­nah­men um die Hand­ta­sche mei­ner

Frau zu küm­mern.“An­de­re lo­ben, dass es zu­sätz­li­che Pa­risTipps gab. Da­bei schei­nen sich ge­ra­de Chi­ne­sen für ih­re Fo­to­ses­si­ons auf die üb­li­chen Mus­sS­ta­tio­nen zu kon­zen­trie­ren, die sich bei­na­he an ei­ner Hand ab­zäh­len las­sen: der Eif­fel­turm, der Lou­vre, die Brü­cke Alex­and­re III, Sa­cré-Co­eur und das Schloss Ver­sailles.

Da­zu gibt es ei­nen be­son­ders ro­man­ti­schen Ge­heim­tipp, der nicht auf dem Pro­gramm der Vor­hoch­zeits­tou­ris­ten steht. Als Treue­schwur gilt ei­ne Umar­mung vor der auf dem Squa­re Je­han Ric­tus auf Mont­mart­re ste­hen­den „Mau­er der Lie­ben­den“. Von ihr und ih­ren St­ein­ka­cheln, auf de­nen der Künst­ler Fre­de­ric Ba­ron „Ich lie­be dich“in 300 ver­schie­de­nen Spra­chen ver­ewigt hat, scheint man in Asi­en noch nichts ge­hört zu ha­ben.

Ge­heim­tipps sind nicht ge­fragt

FO­TO: RTR

Hier fliegt die Tau­be im rich­ti­gen Mo­ment: Ein chi­ne­si­sches Paar po­siert noch vor der Hoch­zeit vor dem Eif­fel­turm.

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