Ganz schön schau­rig

War­um Gru­sel rich­tig Spar ma­chen kann.

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Erste Seite - Von Fa­bi­an Klaus

Je­na. Drei Jah­re nach der Grün­dung blei­ben die Mit­glie­der­zah­len kon­stant. Auch im Jahr 2019 ge­hö­ren 27 Bur­schen­schaf­ten dem Ver­band „All­ge­mei­ne Deut­sche Bur­schen­schaft“an. In Je­na ta­gen die Stu­den­ten seit Don­ners­tag und noch bis mor­gen – am Frei­tag­abend ha­ben sie beim Fest­kom­mers ei­ne Re­de des stell­ver­tre­ten­den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der CDU/CSUBun­des­tags­frak­ti­on, Ar­nold Vaatz, ge­hört.

Bur­schen­schaf­ten ste­hen im­mer wie­der in der Kri­tik. Ge­ra­de des­halb, weil sie oft rei­ne Män­ner­bün­de sind und Men­su­ren fech­ten. Das Ver­hält­nis zur Frau ha­ben die Mit­glieds­bün­de der ADB ge­klärt. „Wir ha­ben ein ganz nor­ma­les Ver­hält­nis zu Frau­en“, sag­te ADB-Spre­cher Micha­el Schmidt schon bei der Grün­dungs­ta­gung vor drei Jah­ren in Je­na. Frau­en sind stets bei den Ver­an­stal­tun­gen gern ge­se­he­ne Gäs­te – ab­ge­se­hen von de­nen, bei de­nen Frau­en nicht zu­ge­las­sen sind.

Im Zen­trum des Bur­schen­ta­ges 2019 steht aber das The­ma Mei­nungs­frei­heit. Die Stu­den­ten bli­cken mit Sor­ge dar­auf, dass we­gen teil­wei­se ge­walt­sa­mem Pro­test lin­ker Grup­pen an Uni­ver­si­tä­ten Vor­le­sun­gen nicht ge­hal­ten wer­den kön­nen oder Ver­an­stal­tun­gen ver­hin­dert wer­den. „Pro­test und Wi­der­spruch muss er­laubt sein“, stellt Micha­el Schmidt klar. Al­ler­dings dür­fe das nicht da­zu füh­ren, dass gan­ze Ver­an­stal­tun­gen „ver­un­mög­licht“wer­den, wie das in die­ser Wo­che dem AfD-Grün­der Bernd Lu­cke in Ham­burg ge­sche­hen ist, als er als Pro­fes­sor an sei­nen Lehr­stuhl zu­rück­kehr­te und ei­ne Vor­le­sung hal­ten woll­te. Kri­tik und Wi­der­spruch, so Schmidt, müss­ten kon­struk­tiv ge­äu­ßert wer­den. Er er­in­nert auch da­ran, dass Ex-In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­zie­re an Thü­rin­gens Lan­des­gren­ze in Göt­tin­gen (Nie­der­sach­sen) nach Pro­tes­ten stu­den­ti­scher Grup­pen ei­ne Le­sung nicht hal­ten konn­te.

Gleich­wohl steht bei Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen stets die Fra­ge nach ih­rer po­li­ti­schen Aus­rich­tung

im Zen­trum. Die ADB sei, heißt es in ei­nem In­for­ma­ti­ons­schrei­ben, ein „po­li­ti­scher Ver­band im Sin­ne der Ver­net­zung und des An­ge­bots der po­li­ti­schen Bil­dung sei­ner Mit­glie­der“. ADB-Bur­schen sei­en so­wohl in der CDU und SPD als auch bei der FDP und der AfD en­ga­giert. Neun Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te und zahl­rei­che Land­tags­ab­ge­ord­ne­te ge­hö­ren als „Al­te Her­ren“den ADB-Mit­glieds­bün­den an.

Und wie sieht das Ver­hält­nis zur AfD aus? Micha­el Schmidt be­zieht das vor al­lem auf den rechts­na­tio­na­len Flü­gel, der in das Vi­sier des Ver­fas­sungs­schut­zes ge­ra­ten ist. „Dort herrscht ei­ne Rhe­to­rik, die das Völ­ki­sche so über­höht, dass es mich an die Grün­de er­in­nert, wes­halb die ADB-Mit­glieds­bün­de da­mals aus dem Ver­band Deut­sche Bur­schen­schaft aus­ge­tre­ten sind.“

Der Hin­ter­grund: Jah­re des Streits la­gen 2016 hin­ter den Ver­bin­dungs­stu­den­ten, de­ren Bün­de vor­mals über­wie­gend Mit­glie­der der DB ge­we­sen sind und sich von ihm ge­löst ha­ben, nach­dem es 2012 in Stutt­gart auf ei­nem Son­der­ver­bands­tag nicht zur er­hoff­ten An­nä­he­rung und Ei­ni­gung ge­kom­men ist. Kri­ti­ker spra­chen stets schon von rechts­ex­tre­men Ten­den­zen im Dach­ver­band. Die wur­den für Je­der­mann of­fen­kun­dig, als ei­ne De­bat­te dar­über ge­führt wur­de, ob ei­ne Ver­bin­dung noch Mit­glied der DB sein kön­ne, wenn sie ei­nen deut­schen Stu­den­ten mit chi­ne­si­schen Wur­zeln auf­ge­nom­men ha­be. Die Auf­nah­me­kri­te­ri­en bei der Deut­schen Bur­schen­schaft ori­en­tier­ten maß­geb­lich an der Deutsch­stäm­mig­keit.

Die ADB re­gis­triert nach drei Jah­ren der Ab­spal­tung ei­nen un­ver­min­der­ten Zu­lauf. 4000 Stu­den­ten ge­hö­ren ihr in den 28 Mit­glieds­bün­den an. „Wir hof­fen noch auf ei­nen deut­li­chen Zu­wachs“, sagt Micha­el Schmidt. Wo­rin die Hoff­nung be­grün­det ist? Al­lein sie­ben Bün­de, die dem Dach­ver­band noch nicht an­ge­hö­ren, gas­tie­ren beim Bur­schen­tag in Je­na, wo vor über 200 Jah­ren die Ur­bur­schen­schaft ge­grün­det wur­de.

FO­TO: MAR­TIN SCHUTT

Der Grün­dungs­bur­schen­tag vor drei Jah­ren in Je­na ist vie­len ADB-Far­ben­brü­dern in gu­ter Er­in­ne­rung. Der Auf­zug der Char­gier­ten war ei­ner der Hö­he­punk­te.

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