Ra­me­low ge­winnt und ver­liert Mehr­heit

Wäh­rend die CDU hef­ti­ge Nie­der­la­ge ein­steckt, ge­winnt die AfD deut­lich. Schwie­ri­ge Re­gie­rungs­bil­dung steht be­vor

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Erste Seite - Von Ti­no Zip­pel

Die Link­s­par­tei ju­belt über das bes­te Er­geb­nis in Thü­rin­gen. Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low schaff­te es mit der Lin­ken, erst­mals die meis­ten Stim­men in ei­nem Bun­des­land zu sam­meln. Den­noch ist sei­ne rot-rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung auf­grund der Schwä­che von SPD und Grü­nen ab­ge­wählt. Die Mehr­heits­bil­dung wird sich äu­ßerst schwie­rig ge­stal­ten.

„Die gu­te Ar­beit der Lan­des­re­gie­rung spie­gelt sich nicht glei­cher­ma­ßen im Wah­l­er­geb­nis wi­der“, sag­te Ra­me­low und lob­te die Part­ner von SPD und Grü­nen. Aus dem Er­geb­nis lei­te­te er ei­nen kla­ren Auf­trag zur Re­gie­rungs­bil­dung ab.

Kla­rer Wahl­ver­lie­rer ist die CDU, die mit dem his­to­risch schwächs­ten Er­geb­nis ab­schnei­det und so­gar hin­ter die AfD zu­rück­fällt. Da­mit büßt Spit­zen­kan­di­dat Mi­ke Mohring, der Mi­nis­ter­prä­si­dent wer­den woll­te, sehr wahr­schein­lich so­gar die Op­po­si­ti­ons­füh­rer­schaft an den AfD-Spit­zen­kan­di­da­ten Björn Hö­cke ein. Im Vor­feld der Wahl hat­te Mohring ein Bünd­nis so­wohl mit der Lin­ken als auch mit der AfD aus­ge­schlos­sen.

Der Co-Vor­sit­zen­de der Thü­rin­ger AfD, Stefan Möl­ler, sieht sei­ne Par­tei als den „ein­zig ech­ten Wahl­sie­ger“in Thü­rin­gen. Die CDU müs­se sich nun ent­schei­den, ob sie „ei­ne bür­ger­li­che Ko­ali­ti­on mit der AfD ein­geht oder die In­ter­es­sen ih­rer Wäh­ler ver­rät“. Die Par­tei hat ih­re Hoch­bur­gen in Ost­thü­rin­gen und sam­mel­te meh­re­re Di­rekt­man­da­te.

Die SPD rutsch­te nach dem be­reits schwa­chen Er­geb­nis von 2014 in den ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich ab. Spit­zen­kan­di­dat und Wirt­schafts­mi­nis­ter Wolf­gang Tie­fen­see, der in sei­nem Ge­ra­er Wahl­kreis nicht über den drit­ten Platz hin­aus­kam, streck­te be­reits die Füh­ler aus und bot sei­ne Par­tei als Re­gie­rungs­part­ner an.

Um­welt­mi­nis­te­rin An­ja Sie­ges­mund (Grü­ne), die ei­nen Ach­tungs­er­folg mit Platz zwei in ih­rem Wahl­kreis in Je­na er­reich­te, si­gna­li­sier­te Ge­sprächs­be­reit­schaft mit al­len Par­tei­en au­ßer der AfD. Ziel sei, ei­ne star­ke De­mo­kra­tie und mehr Kli­ma­schutz durch­zu­set­zen. Al­ler­dings war es ein span­nen­der Abend für die Grü­nen. Lan­ge Zeit la­gen sie bei den aus­ge­zähl­ten Stim­men un­ter der Fünf-Pro­zent-Hür­de,

so­dass der Ein­zug in den Land­tag wie bei der FDP frag­lich war.

De­ren Spit­zen­kan­di­dat Tho­mas L. Kem­me­rich will sich vor al­lem der Po­li­tik in den Fel­dern

Bil­dung, Wirt­schaft und Fi­nan­zen wid­men und die In­fra­struk­tur des Frei­staa­tes ver­bes­sern, kün­dig­te er an.

Auf­fäl­lig ist, dass vie­le Wäh­ler ih­re Stim­men stra­te­gisch zwi­schen Erst- und Zweit­stim­me ver­teilt ha­ben. Ein Bei­spiel aus dem Saa­le-Holz­land-Kreis of­fen­bart: Wahl­kreis­kan­di­dat Ma­rio Voigt (CDU) schnitt um zehn Pro­zent­punk­te bes­ser als sei­ne Par­tei ab und zog als Erst­stim­men­sie­ger in den Land­tag ein. Das zeigt, dass die Bür­ger durch­aus das En­ga­ge­ment für die Re­gi­on in der ab­ge­lau­fe­nen Wahl­pe­ri­ode wür­di­gen.

In Je­na gab es am Abend ei­ne Spontan­de­mons­tra­ti­on der An­ti­fa ge­gen die AfD. Et­wa 40 Per­so­nen zo­gen laut­stark über den Holz­markt.

„Ich war­ne da­vor, das Er­geb­nis der AfD als rei­ne Pro­test­hal­tung oder po­li­ti­sche Un­rei­fe ab­zu­tun“, sag­te Fried­rich Kra­mer, Lan­des­bi­schof der Evan­ge­li­schen Kir­che in Mit­tel­deutsch­land, in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on. „Es han­delt sich hier um ma­ni­fes­te po­li­ti­sche Grund­über­zeu­gun­gen. Wo­hin sol­che Über­zeu­gun­gen in ei­nem Kli­ma von ge­walt­sa­mer Spra­che und Hass füh­ren kön­nen, ha­ben uns die Er­eig­nis­se in Hal­le ge­zeigt.“

FO­TO: AN­NE­GRET HILSE/REU­TERS

Auf Thü­rin­gens Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Lin­ke) war­tet ei­ne äu­ßerst schwie­ri­ge Re­gie­rungs­bil­dung.

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