Cha­os auf dem Schreib­tisch

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Stellen -

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Wel­che Schreib­tisch-Ty­pen gibt es?

Es gibt zum ei­nen Leu­te, die ei­ne ste­ri­le Ord­nung hal­ten, ent­we­der, weil sie es selbst so wol­len, oder weil es in der Fir­ma ei­ne Cle­an-Desk-Re­ge­lung gibt, bei der der Tisch am Abend sau­ber sein muss, weil am nächs­ten Tag mög­li­cher­wei­se je­mand an­de­res dar­an sitzt. Dann gibt es die Chao­ten, die sich schnell ver­zet­teln, an ver­schie­de­nen Din­gen gleich­zei­tig ar­bei­ten und oft et­was su­chen müs­sen. Und zu­letzt ist da das struk­tu­rier­te Cha­os, das sein Ur­he­ber je­der­zeit durch­schaut. Wenn er al­ler­dings krank oder im Ur­laub ist, fin­det nie­mand an­de­res et­was. Manch­mal täuscht auch der op­ti­sche Ein­druck. Ich ha­be Zim­mer in staat­li­chen Be­hör­den ge­se­hen, wo man durch ei­nen Tram­pel­pfad an Ak­ten­sta­peln vor­bei lau­fen muss­te. Die Sta­pel wa­ren aber sehr sorg­fäl­tig sor­tiert.

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Kann Cha­os nicht auch krea­tiv sein oder Krea­ti­vi­tät er­zeu­gen?

Die Krea­ti­vi­tät wird grund­sätz­lich sti­mu­liert, wenn man et­was aus ei­nem an­de­ren Blick­win­kel be­trach­tet oder wenn neue Ge­dan­ken­gän­ge durch op­ti­sche Rei­ze wie ei­nen Wer­be­pro­spekt, Brief­köp­fe oder ei­nen Blick aus dem Fens­ter aus­ge­löst wer­den. Al­so kann Un­ord­nung die Fan­ta­sie durch­aus an­re­gen. Da­zu braucht man al­ler­dings nicht das Cha­os auf dem Schreib­tisch. Wich­tig ist, die Wahr­neh­mung für Ge­dan­ken zu öff­nen, die durch Ge­wohn­heit ver­lo­ren ge­gan­gen sind.

FO­TO: HO

Sieg­fried Prei­ser, Rek­tor der Psy­cho­lo­gi­schen Hoch­schu­le Ber­lin.

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