Der ver­hin­der­te Me­di­zin­stu­dent Mi­ke Mohring

Als er drei Jah­re zur Ar­mee ge­zwun­gen wer­den soll, sucht er ei­nen Aus­weg. Nach dem Abitur 1990 geht er an­de­re We­ge

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Thüringen - Von Ger­lin­de Som­mer

„Ich hät­te ger­ne Me­di­zin stu­diert … durf­te aber nicht.“Nicht erst in der Wahl­bei­la­ge der CDU zwei Ta­ge vor der Land­tags­wahl äu­ßert sich Mi­ke Mohring so. Das sorgt in­so­fern für Ir­ri­ta­tio­nen, da Mohring, ge­bo­ren im De­zem­ber 1971, zu Zei­ten der fried­li­chen Re­vo­lu­ti­on ge­ra­de mal 17 und ab De­zem­ber 1989 18 Jah­re alt war. Die Ober­schu­le ab­ge­schlos­sen hat­te er da noch nicht. In sei­ner Vi­ta auf sei­ner In­ter­net-Sei­te mi­ke­mohring.de steht, dass er erst 1990 Abitur mach­te. Und da­mit stan­den ihm – wie al­len an­de­ren Abitu­ri­en­ten seit der fried­li­chen Re­vo­lu­ti­on – al­le Stu­di­en­gän­ge of­fen. Ab­ge­se­hen von Zu­gangs­be­schrän­kun­gen, die der Nu­me­rus clau­sus (NC) mit sich bringt. Wenn der Abitur­schnitt nicht reicht, gibt es Aus­weich­mög­lich­kei­ten, War­te­se­mes­ter, Kla­ge oder Aus­lands­stu­di­um. Hier ist Ös­ter­reich be­liebt. Mohrings Ein­las­sung, dass er nicht Me­di­zin stu­die­ren durf­te, kann sich so ge­se­hen nur auf die Zeit vor dem Mau­er­fall und der fried­li­chen Re­vo­lu­ti­on be­zie­hen. In ei­nem Por­trät, das im Ma­ga­zin Ci­ce­ro zu Jah­res­be­ginn 2015 un­ter dem Ti­tel „Der Un­ge­dul­di­ge“ver­öf­fent­licht wur­de, wird dies deut­lich: Zu DDR-Zei­ten wä­re von Mohring als An­wär­ter auf ei­nen Me­di­zin­stu­di­en­platz er­war­tet wor­den, dass er sich schon als Schü­ler zu drei Jah­ren NVA ver­pflich­tet hät­te. Das woll­te er nicht. Mohring schil­dert, dass je­des Jahr wie­der ver­sucht wor­den sei, ihn für die Ar­mee zu ver­pflich­ten. In dem Por­trät wird auch be­rich­tet, dass Mohring hoff­te, durch 1000 St­un­den frei­wil­li­gen Pfle­ge­dienst im Kran­ken­haus Apol­da die lan­ge Ar­mee­zeit als Vor­aus­set­zung für das Me­di­zin­stu­di­um um­ge­hen zu kön­nen. „Der Ab­leh­nungs­be­scheid für das Me­di­zin­stu­di­um kommt trotz­dem. Oh­ne Be­grün­dung.“Aber je­der weiß, dass es an der Wei­ge­rung lag, drei Jah­re bei der NVA zu die­nen. Was ist, als sich die Welt für Mi­ke Mohring öff­ne­te, aus sei­nem Wunsch ge­wor­den, Me­di­zin zu stu­die­ren? „Als nach dem Abitur die Mög­lich­keit be­stan­den hät­te, sich even­tu­ell auf ei­nen Me­di­zin­stu­di­en­platz zu be­wer­ben, hat­te sich die Le­bens­pla­nung nach der Ab­sa­ge zu DDR-Zei­ten ge­wan­delt“, teilt auf An­fra­ge ein Spre­cher mit.

FO­TO: GER­LIN­DE SOM­MER

mi­ke mohring hät­te ger­ne me­di­zin stu­diert. als er 1990 abitur mach­te, wä­re es end­lich mög­lich ge­we­sen...

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