...Köl­nisch Was­ser

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Zuhause -

Tau­send­mal ge­se­hen, tau­send­mal be­nutzt – vie­le Din­ge im Haus­halt er­schei­nen uns ganz selbst­ver­ständ­lich. Doch es lohnt sich, sie ein­mal ge­nau­er zu be­trach­ten.

Wie der Na­me schon sagt, wur­de Eau de Co­lo­gne in Köln er­fun­den. Die Stadt war An­fang des 18. Jahr­hun­derts ei­ne pul­sie­ren­de, al­ler­dings fürch­ter­lich stin­ken­de Me­tro­po­le. Für das olfak­to­ri­sche Ge­gen­mit­tel sorg­te 1709 der ita­lie­nisch­stäm­mi­ge Zu­wan­de­rer und Par­fü­meur Jo­hann Ma­ria Fa­ri­na. Stolz schrieb er sei­nem Bru­der: „Ich ha­be ei­nen Duft ge­fun­den, der mich an ei­nen ita­lie­ni­schen Früh­lings­mor­gen er­in­nert, kurz nach dem Re­gen. Er er­frischt mich, stärkt mei­ne Sin­ne und Fan­ta­sie.“

Fa­ri­nas Duft­was­ser wur­de ein Kas­sen­schla­ger – und fand vie­le Nach­ah­mer in der Dom­stadt. Rich­tig er­folg­reich war aber nur der Köl­ner Un­ter­neh­mer Wil­helm Mül­hens, der das Ge­heim­re­zept an­läss­lich sei­ner Hoch­zeit im Jahr 1792 ge­schenkt be­kam – und zwar von dem Mönch Franz Ma­ria Fa­ri­na, ei­nem Ver­wand­ten des Duft­was­ser­er­fin­ders. Mül­hens und sei­ne Nach­kom­men führ­ten Blau und Gold als Un­ter­neh­mens­far­ben ein. er­rich­te­ten ein pracht­vol­les Stamm­haus in der Köl­ner Glo­cken­gas­se und be nann­ten das Eli­xier im Jahr 1804 ein­fach nach der Haus­num­mer: 4711. Das „Eau de Co­lo­gne 4711“wur­de zum Hit – Goe­the, Zar Ni­ko­laus II., Na­po­le­on, Mo­zart, Wins­ton Chur­chill und der Schah von Per­si­en be­nutz­ten es. Über die Jah­re aber er­warb das Wäs­ser­chen ein eher bür­ger­li­ches bis groß­müt­ter­li­ches Image. Da­bei er­frischt es ef­fek­tiv – und zwar nicht nur äu­ßer­lich, son­dern auch in­ner­lich. Es ent­hält haupt­säch­lich Al­ko­hol. ( jh)

FO­TO: PICTURE ALIANCE/CHRIS­TOPH HARDT/GEISLER-FOTOPRESS

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