Mit­re­gie­ren ge­gen Links

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Erste Seite - Jörg Rie­bartsch zum Eier­tanz der Thü­rin­ger CDU

Dass die Thü­rin­ger CDU Zeit brau­chen wird, um ih­re kra­chen­de Nie­der­la­ge bei den Land­tags­wah­len zu ver­ar­bei­ten, war klar. Klar auch, dass sich die Par­tei an ih­rem Vor­sit­zen­den Mi­ke Mohring ab­ar­bei­tet. Die Par­tei, die maß­geb­lich für den Auf­bau des Lan­des Thü­rin­gen steht, hat es mit ihm nur auf den drit­ten Platz der Par­tei­en ge­schafft. Das ist pein­lich.

Zwei maß­geb­li­che Feh­ler sind da­für ver­ant­wort­lich. Zum ei­nen fragt man sich, wer Mohring bei des­sen mi­se­ra­blen Um­fra­ge­wer­ten ge­ra­ten hat, sich al­lein am be­lieb­ten Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Bo­do Ra­me­low ab­ar­bei­ten zu wol­len? Zum an­de­ren hat die in­halts­lee­re Wahl­kampf­rhe­to­rik von der „po­li­ti­schen Mit­te“un­ent­schlos­se­ne Wäh­ler noch wei­ter in die of­fe­nen Ar­me der AfD ge­trie­ben.

Wenn die CDU ver­hin­dern will, dass Rot-Rot-Grün die kom­men­den fünf Jah­re als Min­der­heit er­geb­nis­los vor sich hin­wurs­telt, hat sie nur zwei Mög­lich­kei­ten. Ent­we­der sie folgt der Mehr­heit der Be­völ­ke­rung und lässt sich mit ei­nem kla­ren Ko­ali­ti­ons­ver­trag als Part­ner an der Sei­te der Lin­ken auf ei­ne Re­gie­rung mit Ra­me­low ein. Oder man geht Ri­si­ko und stellt Mohring oder ei­nen an­de­ren Christ­de­mo­kra­ten ge­gen Ra­me­low zur Mi­nis­ter­prä­si­den­ten­wahl. Das kann zu­sätz­lich auch AfD-Füh­rer Björn Hö­cke ma­chen. Zum drit­ten Wahl­gang, bei dem die ein­fa­che Mehr­heit zur Wahl ei­nes Mi­nis­ter­prä­si­den­ten reicht, könn­te Hö­cke zu­rück­zie­hen und Mohring mit Se­gen der AfD zum Re­gie­rungs­chef ge­wählt wer­den.

Das Ri­si­ko des Schei­terns ist auch für Ra­me­low da. Der blen­det in sei­nem Rausch des Wahl­ge­winns das Pro­blem der mög­li­chen Nie­der­la­ge fröh­lich aus. Hat er im drit­ten Wahl­gang ei­nen Ge­gen­kan­di­da­ten, muss er mit dem Schlimms­ten rech­nen. Er wä­re ja nicht der ers­te Mi­nis­ter­prä­si­dent, der nach ei­nem Wah­l­er­folg sein Amt ver­liert. Sei­ner Amts­vor­gän­ge­rin Chris­ti­ne Lie­ber­knecht er­ging es eben­so.

Wenn die CDU bei ih­rem Wahl­ziel bleibt, die rot-rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung ab­zu­lö­sen, muss sie selbst in ei­ne Lan­des­re­gie­rung.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.