Was E-Au­tos noch fehlt

Es man­gelt an La­de­sta­tio­nen und ein­fa­chen Be­zahl­sys­te­men. Die Bun­des­re­gie­rung will mit ei­nem Mas­ter­plan die Schwie­rig­kei­ten be­sei­ti­gen

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Debatte - Von Han­nes Koch

Es ist ein Hen­ne-Ei-Pro­blem. Weil La­de­säu­len feh­len, fah­ren bis­her so we­ni­ge E-Au­tos. Weil nicht ge­nug Elek­tro­fahr­zeu­ge un­ter­wegs sind, bau­en Fir­men nur ei­ne klei­ne Zahl neu­er Strom­tank­stel­len. Die­sen Kreis will die Bun­des­re­gie­rung nun durch­bre­chen. Ihr neu­er „Mas­ter­plan Lad­ein­fra­struk­tur“stand am Mon­tag­abend beim Tref­fen mit der Au­to­in­dus­trie und der Ge­werk­schaft zur Dis­kus­si­on. „Ei­ne Mil­li­on öf­fent­lich zu­gäng­li­cher La­de­punk­te“soll dem­nach bis 2030 für rund zehn Mil­lio­nen E-Fahr­zeu­ge zur Ver­fü­gung ste­hen. 2021, 2022 und 2023 wer­den min­des­tens je­weils ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro För­der­mit­tel zu­sätz­lich aus­ge­lobt. Wel­che sind die größ­ten Bau­stel­len bei der Er­rich­tung des Au­to­strom­net­zes?

Zu we­ni­ge e-tank­stel­len

In ganz Deutsch­land gibt es laut Bun­des­netz­agen­tur au­gen­blick­lich nur gut 21.000 öf­fent­li­che La­de­punk­te – für ca. 200.000 Fahr­zeu­ge. Soll die Zahl der E-Au­tos deut­lich stei­gen, muss es auch we­sent­lich mehr La­de­sta­tio­nen ge­ben. Das gilt so­wohl für die Schnell­la­de­sta­tio­nen, die die Au­to­mo­bil­her­stel­ler bis­her für die Au­to­bah­nen zu­ge­sagt ha­ben, als auch die Über-Nach­tZapf­säu­len in den Städ­ten. Bis­her je­doch er­rich­ten Stadt­wer­ke, Strom­ver­sor­ger und an­de­re Fir­men zu we­nig An­la­gen, weil ih­re Kos­ten zu hoch und die Ein­nah­men zu nied­rig sind. Wäh­rend der­zeit durch­schnitt­lich zehn Fahr­zeu­ge pro Tag an je­der Zapf­säu­le hal­ten, müss­ten es min­des­tens 100 sein, um die Ge­rä­te zu fi­nan­zie­ren. Al­so sagt Ka­the­ri­na Rei­che, die Ge­schäfts­füh­re­rin des Ver­ban­des kom­mu­na­ler Un­ter­neh­men (VKU): „Um künf­tig mehr La­de­säu­len auf­zu­stel­len, ist auf ab­seh­ba­re Zeit noch ei­ne staat­li­che För­de­rung nö­tig.“

Das sieht auch die Po­li­tik so. „Da­her ist es not­wen­dig, dass die Bun­des­re­gie­rung ei­nen zu­nächst über­pro­por­tio­na­len Auf­bau von Lad­ein­fra­struk­tur er­mög­licht“, heißt im Mas­ter­plan. Und teil­wei­se sei auch „ei­ne Fi­nan­zie­rung durch die öf­fent­li­che Hand not­wen­dig“. Zu­dem sol­len die Rast­stät­ten an den Au­to­bah­nen je­weils „min­des­tens vier La­de­punk­te vor­hal­ten“. Und für „al­le Tank­stel­len in Deutsch­land“peilt man ei­ne „Ver­sor­gungs­auf­la­ge“an. Strom­zapf­säu­len wer­den da­mit zur Pflicht.

steck­do­sen für Wohn­ge­bie­te

In Ein­fa­mi­li­en­häu­sern ist es kein Pro­blem. Die meis­ten Men­schen le­ben al­ler­dings in ge­sta­pel­ten Woh­nun­gen. Dort ist es schwie­rig, ein EAu­to zu la­den: Man kann nicht ein­fach ein Ka­bel aus dem Fens­ter hän­gen. Des­halb soll das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um noch in die­sem Jahr ei­nen Ge­setz­ent­wurf zur Än­de­rung des Miet- und Woh­nungs­ei­gen­tums­rechts vor­le­gen. Mie­ter und Be­sit­zer von Ei­gen­tums­woh­nun­gen wer­den dann den An­spruch auf ei­nen Strom­an­schluss er­hal­ten, auch wenn die Ver­mie­ter oder an­de­ren Ei­gen­tü­mer das ab­leh­nen.

Kom­pli­zier­te Zapf­säu­len

Bei ih­rem „La­de­säu­len­check“stell­te die Strom­fir­ma Licht­blick in die­sem Som­mer fest, dass es kei­ne voll­stän­di­ge Kar­te gibt, auf der die Fah­rer al­le ver­füg­ba­ren Sta­tio­nen fin­den. So sei auch die In­for­ma­ti­on, ob ei­ne An­la­ge ge­ra­de frei oder be­setzt sei, schwer oder gar nicht zu re­cher­chie­ren. Künf­tig müs­sen Be­trei­ber Schnitt­stel­len für In­ter­net-Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­bau­en. Au­ßer­dem for­dert Kers­tin Mey­er, Pro­jekt­lei­te­rin beim In­sti­tut Ago­ra, ein­fa­che­re Zu­gangs-und Be­zahl­sys­te­me. Pas­send da­zu klagt der grü­ne Ver­kehrs­po­li­ti­ker Oli­ver Kri­scher: „Ich fah­re selbst ein Elek­tro­au­to und be­sit­ze sechs ver­schie­de­ne Abrech­nungs­kar­ten und zehn Apps, um im Rhein­land mit mei­nem Elek­tro­au­to halb­wegs mo­bil zu sein.“Dass es hier ein Pro­blem gibt, scheint die Re­gie­rung zu se­hen. Sie „strebt an, Au­then­ti­fi­zie­rung, Be­zahl­sys­te­me und Roa­ming bes­ser im Sin­ne des Ver­brau­chers zu re­geln“.

mehr Öko­en­er­gie

Wind-, Son­nen- und Bio­mas­se­kraft­wer­ke lie­fern ein Drit­tel des Stroms. Kom­men Mil­lio­nen E-Au­tos hin­zu, muss die Pro­duk­ti­on stark zu­neh­men, da­mit es ei­nen Öko­vor­teil gibt. Für Pho­to­vol­ta­ik­zel­len gibt es noch Platz auf den Dä­chern der Städ­te. Aber Wind­rä­der auf den Fel­dern und im Wald? Der Pro­test nimmt zu. Zu die­ser Bau­stel­le fällt der Re­gie­rung nicht viel ein.

FO­TO: DPA PA

in ganz deutsch­land gibt es laut Bun­des­netz­agen­tur im mo­ment rund 21.000 öf­fent­li­che La­de­punk­te, ei­ne mil­li­on sol­len es bis 2030 wer­den.

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