Sank­tio­nen ja, aber mil­der

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Erste Seite - Jörg Rie­bartsch zu ei­nem Ur­teil, das nach­denk­lich macht

Ar­beits­lo­sen Be­zie­hern von Hartz IV darf wei­ter die Leis­tung ge­kürzt wer­den, wenn sie sich er­kenn­bar da­vor drü­cken wol­len, wie­der ei­nen Job an­zu­neh­men. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat mit sei­ner Ent­schei­dung von ges­tern deut­lich ge­macht, dass die­se Kür­zung nicht da­zu füh­ren darf, dass das Ein­kom­men un­ter das Exis­tenz­mi­ni­mum des Hartz-ivemp­fän­gers rutscht. Als Richt­zahl wird ei­ne ma­xi­ma­le Kür­zung um 30 Pro­zent ge­nannt. Ein kom­plet­ter Ent­zug der Leis­tung oder ei­ne Kür­zung um 60 Pro­zent ist nach Auf­fas­sung der Rich­ter nicht mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Den Ver­fas­sungs­rich­tern geht es al­so nur um die Hö­he der Kür­zung, nicht um Kür­zun­gen an sich. In der Ur­teils­be­grün­dung be­fas­sen sich die Rich­ter so­gar sehr aus­führ­lich mit den Sank­tio­nen, er­klä­ren die­se mehr­fach aus­drück­lich für ver­fas­sungs­kon­form.

Es bleibt da­mit beim le­gi­ti­men Ziel, Men­schen wie­der in Ar­beit zu brin­gen. Und da­bei sol­len Ar­beits­lo­se ak­tiv mit­wir­ken. Sie müs­sen da­bei be­reit sein, ge­rin­ger­wer­ti­ge Tä­tig­kei­ten an­zu­neh­men. Da­zu dür­fen die Job­cen­ter Ar­beits­su­chen­de be­las­ten. Das Ver­fas­sungs­ge­richt sieht dies als Mo­ti­va­ti­on an. Dau­er­haf­ter oder zu star­ker Ent­zug von Leis­tun­gen aber wie­der­um wirkt de­mo­ti­vie­rend.

Im Grun­de be­kla­gen die Ver­fas­sungs­hü­ter star­re Re­ge­lun­gen, wün­schen sich mehr Krea­ti­vi­tät in der Fra­ge, wie man Men­schen in Ar­beit bringt. Auch die Po­li­tik soll aus ih­ren Ge­set­zen ler­nen. Ein Ur­teil, das nach­denk­lich macht.

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