An­ge­klag­ter sorg­te sich um Nach­ba­rin

Pro­zess nach Mord an Jena­er Rent­ne­rin

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Thüringen - Von Ti­no Zip­pel

Ge­ra. Im Pro­zess um den Tod ei­ner Rent­ne­rin in Je­na hat das Land­ge­richt Ge­ra am Mitt­woch zwei Freun­de des An­ge­klag­ten ver­nom­men. Die Po­li­zei hat­te sie zu­nächst auch fest­ge­nom­men. Der Ver­dacht ei­ner Tat­be­tei­li­gung zer­streu­te sich je­doch schnell.

Ei­ner der Freun­de be­rich­te­te, dass ihn der nun An­ge­klag­te in Erfurt be­sucht ha­be. Dort ha­be er sich be­sorgt über das Ver­schwin­den sei­ner Nach­ba­rin ge­äu­ßert. Er ha­be ihm dar­auf­hin an­ge­bo­ten, am nächs­ten Tag mit ihm nach Je­na zu fah­ren und bei der Po­li­zei zu fra­gen, ob sie viel­leicht er­krankt sei und in der Kli­nik lie­ge.

Am nächs­ten Mor­gen sei­en sie zu­nächst zum Ein­kauf in ei­nen Su­per­markt ge­gan­gen. „Beim Ver­las­sen ha­ben uns Po­li­zis­ten fest­ge­nom­men“, be­rich­tet der Zeu­ge. Spä­ter ha­be ihn sein Freund ein­mal aus dem Ge­fäng­nis an­ge­ru­fen und ge­sagt, dass er un­schul­dig sei.

Schlüs­sig konn­te der jun­ge Mann nicht er­klä­ren, wie sei­ne Gen­spu­ren an den Griff des Kof­fers ka­men, in dem die to­te Rent­ne­rin lag. Er kön­ne nur mut­ma­ßen, dass er je­nen bei ei­nem Be­such in der Woh­nung sei­nes Kum­pels be­rührt ha­be. Je­doch wis­se er nicht, ob sein Kum­pel ei­nen sol­chen Kof­fer be­sit­ze.

Bei der Aus­sa­ge des zwei­ten Freun­des zeig­te sich ei­ne gro­ße Dis­kre­panz. Je­ner sag­te, dass we­ni­ge Ta­ge vorm Tod der Rent­ne­rin der Cou­sin des An­ge­klag­ten aus Dä­ne­mark zu Be­such ge­we­sen sei. Der an­de­re Freund sag­te, die­ser Be­such ha­be meh­re­re Wo­chen oder gar Mo­na­te zu­rück­ge­le­gen.

Ein Ex­per­te des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes Sach­sen hat mit gro­ßem Auf­wand ver­mes­sen, in wel­che Mo­bil­funk­zel­le sich Han­dys in wel­cher Woh­nung des Ap­par­te­ment­hau­ses in Je­na-win­zer­la, dem ver­mu­te­ten Tat­ort, be­vor­zugt ein­log­gen. Dem­nach ist ein öst­lich ste­hen­der Mo­bil­funk­sen­der in der Woh­nung der Rent­ne­rin gut er­reich­bar, nicht aber aus der Woh­nung des An­ge­klag­ten.

Im Tat­zeit­raum am 10. Ja­nu­ar war das Mo­bil­te­le­fon des An­ge­klag­ten laut Ver­kehrs­da­ten zwi­schen 12.35 und 13.53 Uhr in die­ser Zel­le ein­ge­loggt. Al­ler­dings ist un­klar, wann ge­nau Kon­takt zur Funk­zel­le be­stand. Die bei Mo­bil­funk­be­trei­bern ge­spei­cher­ten Da­ten er­fas­sen die Zei­t­räu­me nur grob. Und: Falls das Han­dy kei­nen für die Ver­kehrs­da­ten re­le­van­ten Kon­takt hat­te, wer­den auch kurz­fris­ti­ge Zell­wech­sel nicht er­fasst. Der Schluss, dass sich der An­ge­klag­te über den kom­plet­ten Zei­t­raum im Ein­strahl­ge­biet des ei­nen Sen­ders auf­ge­hal­ten hat, ist dem Tech­ni­ker zu­fol­ge nicht zu zie­hen. Das stand am En­de der neun­stün­di­gen Sit­zung fest.

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