In­ter­net­an­grif­fe scha­den mas­siv

Pro Jahr kos­tet Cy­ber­kri­mi­na­li­tät die deut­sche Wirt­schaft über 100 Mil­li­ar­den Eu­ro

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Wirtschaft - Von To­bi­as Kis­ling

Sie klau­en Pass­wör­ter, in­fi­zie­ren Sys­te­me mit Schad­soft­ware und le­gen Net­ze lahm: Kri­mi­nel­le ver­ur­sa­chen in der deut­schen Wirt­schaft jähr­li­che Schä­den von über 100 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr. Das ist das Er­geb­nis ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Stu­die des Di­gi­tal-bran­chen­ver­bands Bit­kom. „An­grif­fe auf Un­ter­neh­men sind nicht mehr die Aus­nah­me – son­dern die Re­gel“, sag­te Bit­kom-prä­si­dent Achim Berg.

In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren sei­en die An­grif­fe auf Un­ter­neh­men stark ge­stie­gen. Drei von vier Un­ter­neh­men ga­ben an, Da­ten­dieb­stahl, In­dus­trie­spio­na­ge oder Sa­bo­ta­ge er­lebt zu ha­ben, wei­te­re 13 Pro­zent der über 1000 be­frag­ten Fir­men sei­en ver­mut­lich be­trof­fen. 2017 be­rich­te­te le­dig­lich rund die Hälf­te der Un­ter­neh­men von Cy­ber­at­ta­cken.

Die In­ter­net­kri­mi­na­li­tät sorgt für ei­nen ho­hen Scha­den. Al­lein für Er­mitt­lun­gen und Er­satz­maß­nah­men zahl­ten Fir­men seit 2017 rund 36,5 Mil­li­ar­den Eu­ro, über 31 Mil­li­ar­den Eu­ro wur­den für Rechts­kos­ten fäl­lig. Ins­ge­samt sum­mier­ten sich die Schä­den in den letz­ten zwei Jah­ren auf 205,7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Laut Bit­kom kom­men die Tä­ter oft aus den ei­ge­nen Rei­hen der Un­ter­neh­men. Ein Drit­tel der An­grif­fe ge­he auf ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter zu­rück, die vor­sätz­lich Scha­den ver­ur­sa­chen wür­den. Doch auch ver­se­hent­li­che Schä­den kom­men vor: Je­der sieb­te Mit­ar­bei­ter wer­de oh­ne Ab­sicht zum Tä­ter. Ein Er­geb­nis der Stu­die, das vor al­lem dem Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz Sor­gen be­rei­tet, ist die zu­neh­men­de In­ter­net­kri­mi­na­li­tät, die von aus­län­di­schen Ge­heim­diens­ten aus­geht. 12 Pro­zent der Un­ter­neh­men ga­ben an, von sol­chen An­grif­fen be­trof­fen zu sein – ei­ne Stei­ge­rung um fünf Pro­zent im Ver­gleich zu 2017. „Die Zah­len muss man mit Vor­sicht ge­nie­ßen, denn es han­delt sich um Selbst­ein­schät­zun­gen der Un­ter­neh­men, und Ak­ti­vi­tä­ten aus­län­di­scher Ge­heim­diens­te sind nicht im­mer leicht nach­voll­zieh­bar. Aber die Ten­denz ist rich­tig, die kön­nen wir be­stä­ti­gen“, sag­te Micha­el Nie­mei­er, Vi­ze­prä­si­dent des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz.

Be­son­de­res häu­fig kä­men die An­grif­fe laut der Bit­kom-stu­die aus Ost­eu­ro­pa. 28 Pro­zent der Un­ter­neh­men ga­ben an, dass die kri­mi­nel­len Ak­ti­vi­tä­ten ost­eu­ro­päi­schen Ur­sprung hät­ten, wei­te­re 19 Pro­zent mach­ten rus­si­sche An­grei­fer für die Atta­cken ver­ant­wort­lich. Doch auch von Chi­na (27 Pro­zent) und den USA (17 Pro­zent) gin­ge Cy­ber­kri­mi­na­li­tät aus. Die meis­ten An­grif­fe kom­men al­ler­dings nach wie vor aus Deutsch­land mit 39 Pro­zent.

FOTO: DPA

Bit­kom-prä­si­dent Achim Berg warnt vor Cy­ber­kri­mi­na­li­tät.

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