Fal­scher Ort, fal­sche Zeit

Sport­lich ist die Pa­ra-wm der Leicht­ath­le­ten in Du­bai ei­ne wich­ti­ge Stand­ort­be­stim­mung für die Pa­ralym­pics 2020. Kri­tik gibt es aber von den Ath­le­ten

Ostthüringer Zeitung (Schmölln) - - Sport - Von Hol­ger Schmidt

Am fal­schen Ort und zur fal­schen Zeit star­ten am Frei­tag die Leicht­ath­le­tik-welt­meis­ter­schaf­ten der Pa­ra-ath­le­ten. So se­hen es zu­min­dest Sport­ler und Funk­tio­nä­re. Vie­le von ih­nen kri­ti­sie­ren so­wohl die Wahl des Aus­rich­ters Du­bai als auch die durch ihn nö­tig ge­wor­de­ne Ver­schie­bung in den No­vem­ber. Auch die Rück­kehr der seit 2016 ge­sperr­ten rus­si­schen Ath­le­ten zur wich­ti­gen Stand­ort-be­stim­mung neun Mo­na­te vor Be­ginn der Pa­ralym­pics in To­kio ruft Kri­tik her­vor.

Als be­son­ders un­pas­send er­ach­tet Fried­helm Ju­li­us Beu­cher aber die Tat­sa­che, dass die WM in Du­bai statt­fin­det. „Es gibt ei­nen gro­ßen

Drang der Golf­staa­ten nach Re­pu­ta­ti­on. Die Sport­ver­bän­de fol­gen die­sem be­reit­wil­lig und neh­men schlech­te Wett­kampf-be­din­gun­gen in Kauf“, sag­te der Prä­si­dent des Deut­schen Be­hin­der­ten­sport­ver­ban­des (DBS): „Ich hal­te die Golf­staa­ten für un­ge­eig­net für Spor­tf­rei­luft­ver­an­stal­tun­gen. Des­halb ha­be ich die Ipc-ent­schei­dung eben­so mit Kopf­schüt­teln kom­men­tiert wie die Ver­ga­be der Fuß­bal­lwm an Ka­tar.“

Auch Sport­ler kri­ti­sie­ren die Wahl des Aus­rich­ters. „Vor zwei Jah­ren in London hat­ten wir in ei­ner Wo­che 400.000 Zu­schau­er. Jetzt sind wir froh, wenn wir über die gan­ze Stre­cke 400 ha­ben wer­den“, sag­te Ni­ko Kap­pel, Ti­tel­ver­tei­di­ger im

Ku­gel­sto­ßen und ne­ben Weit­sprin­ger Mar­kus Rehm das Aus­hän­ge­schild der deut­schen Pa­ra-leicht­ath­le­tik: „Neu­lich in Bi­be­rach auf dem Markt­platz ha­ben wir vor 2000 Zu­schau­ern ge­sto­ßen. Und dann fährt man zur WM und das Sta­di­on wird leer sein.“

Des­halb kön­ne er „nicht nach­voll­zie­hen, dass man Welt­meis­ter­schaf­ten in ei­ner auf­stre­ben­den Sport­art an ein Land ver­gibt, in dem die Sport­kul­tur nur mä­ßig aus­ge­prägt ist“, sag­te Kap­pel: „Zu­mal wir 2015 in Ka­tar wa­ren und da­mit auch schon in die­ser Re­gi­on. Des­halb fra­ge ich mich: War­um müs­sen wir schon wie­der da hin­ge­hen?“

Die durch die Hit­ze nö­ti­ge Ver­schie­bung vom üb­li­chen Ter­min im Au­gust ma­che zu­dem „die ge­sam­te nächs­te Sai­son­pla­nung sehr schwie­rig“, mein­te Kap­pel: „Und das im Pa­ralym­pics-jahr. Und wenn man nach der WM ver­letzt ist, läuft ei­nem von der ers­ten Se­kun­de an die Zeit da­von.“Der DBS hat re­agiert und die WM als Ort für die

Nor­mer­fül­lung auf­ge­nom­men. Zu­dem be­deu­ten vier­te Plät­ze bei der WM ei­nen Quo­ten­platz für To­kio.

Doch mit vier­ten Plät­zen will sich der DBS nicht zu­frie­den ge­ben. „Ei­ne Vor­ga­be gibt es wie im­mer nicht. Aber wir fah­ren da­hin, um zu ge­win­nen“, sag­te Beu­cher, der aus fi­nan­zi­el­len Grün­den nicht vor Ort sein wird: „Die Kon­ti­nui­tät bei der Auf­stel­lung von Welt­re­kor­den do­ku­men­tiert die ho­he Klas­se un­se­rer Pa­ra-leicht­ath­le­ten.“Ne­ben Kap­pel hat­ten in die­sem Jahr auch Weit­sprin­ger Le­on Schä­fer und die Sprin­ter Irm­gard Ben­su­san und Jo­han­nes Floors Welt­re­kor­de auf­ge­stellt.

2017 hol­te der DBS mit 21 Ath­le­ten 22 Me­dail­len. Dies­mal mel­de­te er 29 Sport­ler. „Es ist ein be­son­ders er­freu­li­cher Aspekt, dass im­mer mehr von un­se­ren jun­gen Ath­le­ten be­gin­nen, kon­ti­nu­ier­lich die Welt­spit­ze auf­mi­schen“, be­ton­te Beu­cher. Hin­zu kom­men zwei Be­gleit­läu­fer, ei­ner von ih­nen ist der frü­he­re Sprin­ter Alex­an­der Ko­sen­kow.

Die Rück­kehr der Rus­sen, die we­gen Staats­do­pings von Au­gust 2016 bis März 2019 für in­ter­na­tio­na­le Wett­kämp­fe ge­sperrt wa­ren, er­schwert die Me­dail­len­jagd. „Wenn rus­si­sche Ath­le­ten da­bei sind, sind sie auch vor­ne da­bei“, sag­te Beu­cher und gab zu be­den­ken: „Das Un­ver­ständ­nis über die Teil­nah­me hat sich bei mir nicht ge­legt, da es nach wie vor Un­ge­reimt­hei­ten bei der Do­ping-be­kämp­fung gibt.“

FOTO: DPA

ku­gel­sto­ßer ni­ko kap­pel

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