Ostthüringer Zeitung (Stadtroda)

Geheimniss­en der Bockmühle auf der Spur

T-M (2): In Schreibmül­lers Mühle im Zeitzgrund gibt es eine spannende Baustelle

- Von Ute Flamich Wegweiser zur Bockmühle

Schleifrei­sen. Kater „Bienchen“liegt auf der faulen Haut. In der Sonne hat er es sich auf dem Hof der Bockmühle bequem gemacht. Allerdings erst, nachdem er in aller Ruhe um die Stuhlbeine von Frauchen Steffi Schreibmül­ler strich und sich ein paar Streichele­inheiten abgeholt hatte. Seit 2013 betreibt die 58-Jährige, die aus Sachsen stammt, das etwa fünf Hektar große Anwesen der Bockmühle im Zeitzgrund bei Schleifrei­sen – und wohnt auch dort. „Ich bin hier am für mich richtigen Ort angekommen. Denn: Was wäre eine Schreibmül­ler ohne Mühle? Das steckt doch schon in meinem Namen drin!“, sagt sie und lacht.

Die Mühle, die alten Unterlagen zufolge im Jahr 1351 zum ersten Mal erwähnt wurde, ist im Juli 1911 bis auf die Grundmauer­n abgebrannt. „Sie ist nie wieder so aufgebaut worden, wie sie einmal war“, erzählt Schreibmül­ler. Nur ein paar alte Bilder und ein Mahlstein seien erhalten geblieben.

„Weil wir keinerlei Dokumente darüber haben, rätseln wir zum Beispiel auch immer noch, welches das älteste Gebäude der Bockmühle ist.“Sicher aber ist, dass es der erste Müller der Mühle war, der dieser seinen Namen verlieh – nämlich

Bock.

„Auf unserem Grundstück und zu Veranstalt­ungen spielen wir gern mit dem Namen. Bei uns gibt es eine Bockoase, wir haben natürlich ‚Bock auf unsere Gäste‘ und haben auch schon ans Bockfeuer eingeladen.“

Das Ensemble der einstigen Bockmühle will Steffi Schreibmül­ler gern „urig“belassen. „Ein Prachtbau soll hier nicht entstehen. Ganz nach dem Motto: Unser Prinzip ist die Einfachhei­t, unser Luxus die Natur“, sagt sie: „Weitere Sanierungs­fortschrit­te werden schon bald zu sehen sein.“Gemeinsam im Team mit „Neu-Müller“Frank, ihrem Sohn, will sie der Bockmühle ein neues Gesicht verleihen. Bisher ist zum Beispiel neben dem Wanderloka­l eine private Zimmerverm­ietung etabliert. Zurzeit ist das Ferienhaus der Bockmühle eine Baustelle – allerdings eine ganz spannende. „Unsere Mühle hat ein Geheimnis, das jetzt Stück für Stück freigelegt werden könnte“, erzählen die MühlenBetr­eiber. Lange Zeit wunderte man sich hier, warum das Gemäuer des Ferienhaus­es stetig feucht war. „Im Herbst 2017 hatten wir begonnen, um das Gemäuer herum frei zu schachten. Wir wollten das Haus trockenleg­en und wieder in die Vermietung nehmen, da passierte es. Wir hatten geschaufel­t und geschaufel­t, und auf einmal war die Schaufel weg. Verschwund­en in einem Hohlraum voller Wasser“, sagt Steffi Schreibmül­ler. Ein „wunderschö­nes“Gewölbe zeigte sich den Entdeckern, und wie nicht anders zu erwarten, war es bis zur Decke geflutet. „Eventuell haben wir eine noch sprudelnde Quelle aufgetan. Vielleicht war dort einst der Mühlgraben und dann mit Sicherheit auch das lange vermisste Mühlrad? Noch wissen wir es nicht.“

Solche Erlebnisse lassen das Herz der Mühlen-Betreiberi­n höher schlagen. „Das geht mir immer so, wenn wir etwas auftun, das vielleicht an die einstige Mühle erinnern lässt.“

Solange das Ferienhaus noch Baustelle ist, so lange stehen Roma und Hera noch auf der Wiese ein wenig abseits der Besucher. Dabei sind die zwei Ziegen „schmusende Rasenmäher“und begleiten auch vorbeikomm­ende Wanderer gern mal ein Stück.

Ab Herbst soll das Rasenmäher­Team durch drei Muli-Damen verstärkt werden, informiert Steffi Schreibmül­ler. Bis alle tierischen Mitbewohne­r der Bockmühle dann (nicht nur) von Kindern gefüttert und gestreiche­lt werden können, wird es aber noch etwas dauern. Das gemeinsame Domizil beziehen sie dann im vorderen Bereich des Mühlenanwe­sens.

Ein Hauch von Kunst und Kultur liegt in der Bockmühle auch in der Luft. So hat der Jenaer Künstler Wolfgang Scheer nicht nur das Fachwerk ans Ferienhaus gemalt, sondern gleich noch ein Fenster und einen Ziegenbock, nicht zu verwechsel­n mit einem Esel. Zwei Skulpturen ziehen die Blicke ebenso auf sich und sind Dauerleihg­aben des Stadtrodae­r Künstlers Klaus Langmann. Regelmäßig probt die Schleifrei­sener Band „Die Latenz“in der Mühle und hat hier ein kostengüns­tiges Quartier gefunden. Steffi Schreibmül­ler selbst nimmt auch gern Pinsel und Farben zur Hand, übernimmt mit Vorliebe das Kreative und Gestalteri­sche rund ums Mühlen-Ensemble.

„Das Leben als Mühlen-Betreiberi­n gibt mir unheimlich viel Freiheit und Selbststän­digkeit und einfach das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Ich habe diesen Platz gefunden und bin und bleibe hier.“

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Seit  betreibt Steffi Schreibmül­ler das fünf Hektar große Anwesen der Bockmühle bei Schleifrei­sen – und wohnt auch dort. Herzstück der Anlage ist das urige Wanderloka­l.Fotos: Ute Flamich
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