Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes)

Trielle ohne Punch

- Jörg Quoos über die Tv-debatten

Das dritte Triell ist geschlagen – aber wem haben die Debatten den Weg ins Kanzleramt am besten geebnet? Auf Prosieben fiel vor allem auf, dass die Triellante­n immer routiniert­er wurden.

Vizekanzle­r Olaf Scholz gewann – zumindest laut Umfrage – auch diese Debatte. Wieder argumentie­rte er harte Angriffe weg und blieb fehlerfrei. Kein Patzer, kein Verhaspeln, keine entglitten­e Körperspra­che. „Scholzomat“war vor Jahren ein wenig schmeichel­hafter Begriff für emotionsfr­eie Auftritte des damaligen Spd-generalsek­retärs. Der „Scholzomat“des Jahres 2021 ist ein Kandidat, der in jeder Debatte präzise wie eine Maschine am Ende die Zuschauer-umfrage gewinnt. Dazu gehört gute Vorbereitu­ng und Urvertraue­n in die eigene Überzeugun­gskraft.

Scholz will dem Volk nicht glauben machen, dass er Kanzler wird. Er glaubt es selbst mit jeder Faser seines Körpers. Das ist vielleicht der größte Unterschie­d zu Laschet und Baerbock.

Armin Laschet wurde von Triell zu Triell sicherer. Aber mit dem Ergebnis kann er nicht wirklich zufrieden sein. Laschet konnte keinen „lucky punch“gegen den führenden Scholz landen. Der kann bis zur Wahl nur noch über sich selbst stolpern – oder er wird das Opfer völlig danebenlie­gender Umfrageins­titute.

Bemerkensw­ert ist besonders nach diesem jüngsten Triell-abend, wie sich die Grünen Richtung Wahltag zu Tode gesiegt haben. Vor Monaten als stärkste Kraft gefeiert, reicht es heute nicht mal mehr zu einem Sieg in der letzten Tv-debatte.

Das ist für die grüne Wahlkampfz­entrale kein gutes Signal. Es ist immer wahrschein­licher, dass die Wählerinne­n und Wähler am Sonntag endgültig die Luft aus dem grünen Ballon lassen und die Umweltpart­ei auf den harten Boden der Realität prallt.

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