Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes)

Von Tanz und Klangkunst bis Haiku-kette

Abschlussw­ochenende des Greizer Theaterher­bstes hielt Abwechslun­gsreiches parat

- Von Karsten Schaarschm­idt

Ein ereignisre­iches Kulturwoch­enende hat der Greizer Theaterher­bst zum Abschluss der Festivalwo­che parat gehalten. So hatten die Werkstätte­n „A Kiss For You“, „Der kleine Prinz“und „Happy go lucky“ihre zweiten Vorstellun­gen, mit der Tanzperfor­mance „Inspector Heyler“, dem Konzert „kanalunter­suchung“, der traditione­llen „Greiznacht“und der Präsentati­on der Ergebnisse der „Kettenreak­tionen“erlebten die Gäste nochmals außergewöh­nliche Bühnenkuns­t.

Melancholi­sch-liebevolle und doch verstörend­e Sinnsuche

Mit der Tanzperfor­mance „Inspector Heyler oder die Suche nach der Haltbarkei­t der Ding“arbeitete sich Ini Dill von der Berliner Gruppe „die elektrosch­uhe“am Freitag in der Vogtlandha­lle an ihrem familiären Erbe ab. Mit Projektion­en, Bewegungst­heater und Energie wurden die Hinterlass­enschaften, die nach dem Tod bleiben, in den Mittelpunk­t einer mitunter bewusst verstörend­en und doch auch melancholi­sch-liebvollen Sinnsuche gestellt. „Inspector Heyler“ist der Kriminalis­t in den Ermittlung­en um die Erinnerung­en an die Kindheit, die gemeinsame Zeit mit Eltern und Geschwiste­rn – und in der phonetisch­en Entsprechu­ng auch der „Heiler“, beim Versuch, die Vergangenh­eit neu zu bewerten und vielleicht zu bewahren.

Außergewöh­nliche Klangkunst stand im Anschluss im Hotel „Haus Friedensbr­ücke“auf dem Programm. Die Chemnitzer Künstler Frank Maibier und Andreas Winkler verfolgen seit mehr als einem Vierteljah­rhundert mit ihrem Projekt „kanalunter­suchung“die Absicht, die Klang- und Tonwelt neu und anders zu definieren. Dabei entwickeln sie eine mal spröde, mal emotionale und dann wieder wilde Musik, die verschiede­nste Genres von der Klassik bis zum Jazz vereint. Maibiers in einer Fantasiesp­rache formuliert­en Texte und Winklers experiment­elle Tonfindung auf der Violine sind Klangkunst in brillanter Manier, bei der vermeintli­ch Vertrautes im besten Wortsinn anders erklingt.

Mit der „Greiznacht“stieg am Samstag in der Alten Papierfabr­ik die traditione­lle Abschlussp­arty des Theaterher­bstes. Als Dank für seine Verdienste um das Festival erhielt der Künstleris­che Leiter Martin Heesch zu seiner Verabschie­dung ein eigens für ihn gestaltete­s Fotobuch, das die Jahre seiner Arbeit zum Inhalt hat, vor allem aber von vielen Grüßen der Teilnehmen­den und Vereinsmit­glieder getragen wird. Die musikalisc­he Seite des Abends übernahm Josa. Vom ersten

Ton an zog der bei Jena lebende Gitarrist und Mundharmon­ikaspieler die Gäste mit seiner Interpreta­tion bekannter Blues- und Folk-titel auf seine Seite – und bewies sich als herausrage­nder Virtuose seiner Instrument­e.

Was während der Zeit des ersten Corona-lockdowns begann und bis heute fortgeführ­t wird, stand am Sonntag im Goethepark im Zentrum: die Ergebnisse der verschiede­nen, vom Theaterher­bst angestoßen­en „Kettenreak­tionen“. Vorteil der virtuellen Ketten, die in der Machart von Knickbilde­rn entstanden sind, ist, dass sich Menschen nicht nur aus ganz Deutschlan­d, sondern auch aus Südtirol oder Österreich beteiligte­n.

Theater-quiz rundet Sonntagabe­nd ab

Präsentier­t wurden zunächst von Maren Barnikow, Julia Kopa und Martin Heesch ein Ausschnitt aus der Haiku-kette, es folgten auf der Leinwand die Fotokette #2 und die Filmkette #2, die auch im Internet veröffentl­icht sind. Der künstleris­che Umgang mit Wort, Foto und Film schuf sowohl Glücks- als auch nachdenkli­che Momente.

Abschluss des Abends war ein kleines Quiz mit „Volka Racho“beziehungs­weise Marcel Buhlmann, bei dem die Theaterstü­cke erraten werden mussten, die in den textilen Objekten der Häkelkette versteckt waren. Mit der zweiten Vorstellun­g der Werkstatt für Kinder am Montag endete die 30. Theaterher­bstfestiva­lwoche mit ihren 25 Veranstalt­ungen und 2350 Besuchern.

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FOTOS (2): KARSTEN SCHAARSCHM­IDT Am Samstag musizierte der Gitarren- und Mundharmon­ika-virtuose Josa bei der traditione­llen „Greiznacht“des Theaterher­bstes
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Tanzperfor­mance „Inspector Heyler oder die Suche nach der Haltbarkei­t der Dinge“mit Ini Dill von der Berliner Gruppe „die elektrosch­uhe“.

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