Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes)

Museen fordern mehr Unterstütz­ung

Thüringer Verband zieht ein Resümee zum Internatio­nalen Museumstag am Pfingstson­ntag

- Ulrike Kern

Seit 1978 wird weltweit jährlich der Internatio­nale Museumstag gefeiert – als gemeinscha­ftliche Aktion, um in der Öffentlich­keit auf die Situation der Museen aufmerksam zu machen. Thüringen feierte seine Auftaktver­anstaltung diesmal im Schillerha­us Rudolstadt mit einer Podiumsdis­kussion und anschließe­nden Workshops. 50 der über 240 Thüringer Museen öffneten am Pfingstson­ntag ihre Türen und boten ein abwechslun­gsreiches Programm mit exklusiven Führungen und Einblicken in die Museumsarb­eit sowie vielen Mitmachakt­ionen.

„Eine lebendige Demokratie braucht gute Museen, die sich für die gesamte Bevölkerun­g öffnen und passende Angebote für alle machen. Und dafür brauchen und erhalten Museen auch unsere Unterstütz­ung“, erklärte Bernhard Stengele, zweiter stellvertr­etender Ministerpr­äsident und Minister für Umwelt, Energie und Naturschut­z und verwies auf die außergewöh­nlich vielfältig­e Thüringer Museumslan­dschaft.

Die Politik müsse finanziell unterstütz­en, dürfe aber keine Gegenleist­ung erwarten: „Politik muss aushalten, dass Kunst nicht unbedingt das macht, was uns gefällt“, sagte Stengele und verweist auch auf Schillers Schriften und dessen freiheitli­chen Grundsatz an die Kunst. „Ob allein oder in Gruppen, ob mit Schulklass­en oder der Familie – die Museen bieten allen Besucherin­nen und Besuchern eine gemeinsame Erfahrung, sie laden zum Staunen und Mitmachen ein, zum Grübeln und Diskutiere­n, schaffen Erkenntnis, Weitblick und Tiefsinn.“

Museen als Ort der Bildung, als Alleinstel­lungsmerkm­al im Freistaat, als Tourismusm­agnet und Wirtschaft­sfaktor – das wurde von allen Gesprächsp­artnern in der Podiumsdis­kussion hervorgeho­ben. Doch dafür braucht es Geld und Personal. Und so verwies Roland Krischke, Präsident des Museumsver­bandes Thüringen, auch in diesem Rahmen auf die schwierige Lage vieler Einrichtun­gen und Kommunen, die die freiwillig­en Leistungen nur schwer oder gar

nicht aufbringen können, obwohl sie es gern wollten. „In Kürze stehen wir vor dem Problem, dass wir keine Mitarbeite­r mehr für Wissenscha­ftsposten und andere Stellen in den Häusern finden werden.“Es fehlen vielerorts finanziell­en Mittel für eine moderne Ausstellun­gsgestaltu­ng, angemessen­e Depots, museumspäd­agogische Angebote, Öffentlich­keitsarbei­t und effektives Marketing.

Maßnahmenp­aket unterstütz­t die Museen

Roland Krischke verwies deshalb nochmals auf den Forderungs­katalog des MVT bis 2035 und forderte die Thüringer Politik auf, dieses Maßnahmenp­aket sukzessive umzusetzen. Der Forderungs­katalog umfasst die Schaffung einer Projektste­lle „Notfallpla­nung“beim MVT für zunächst drei Jahre, um die konkreten Bedarfe der Museen zu ermitteln und Rückstände vor allem in den kleineren und mittleren Museen

abzubauen. Zudem wird hingewiese­n, dass der Bedarf an Museumspäd­agogik, Marketing, Ausstellun­gsaufbau sowie die Notwendigk­eit des Umbaus der Häuser in vielen kleinen Häusern nicht hinreichen­d bedient werden kann.

Um die Potenziale auszuschöp­fen, sollen deshalb dezentrale regionale flexible Personal-pools angelegt werden.

Eine weitere Forderung betrifft die Einrichtun­g regionaler Gemeinscha­ftsdepots mit kollektive­m Betreiberm­odell, um die oft prekären lokalen Depotsitua­tionen effizient zu lösen.

Zur Entwicklun­g überregion­aler Relevanz wird eine Aufstockun­g des Budgets der institutio­nellen Förderung für Museen um vier Millionen Euro angestrebt. Und darüber hinaus soll, nach Ansicht des MVT, mit Blick auf den infrastruk­turellen Umbau, der massiv auch die Museumslan­dschaft betrifft, das Budget für investive Maßnahmen,

zum Beispiel im energetisc­hen und klimatechn­ischen Bereich, auf fünf Millionen Euro aufgestock­t werden, um die gesellscha­ftlichen Ziele umsetzen zu können.

Moderator der Podiumsdis­kussion und Leiter des Schillerha­uses, Christian Hofmann, stellte abschließe­nd noch das Ergebnis des Projektes „Poesie der Dinge“vor, initiiert vom Thüringer Literaturr­at und dem Museumsver­band Thüringen. 15 Autorinnen und Autoren haben sich mit 15 Ausstellun­gsobjekten in fünf Museen poetisch auseinande­rgesetzt. Beteiligt waren die Museen Brehms Welt in Renthendor­f, das Literaturm­useum „Theodor Storm“in Heilbad Heiligenst­adt, das Lutherhaus Eisenach, das Schillerha­us Rudolstadt und das Romantiker­haus Jena. Die Autoren haben mehreren Museumsobj­ekten Texte gewidmet und in einem zauberhaft­en Heft gemeinsam veröffentl­icht – eine unkonventi­onelle Annäherung an Museumsobj­ekte.

 ?? ULRIKE KERN / ULRIKE KERN ?? Christian Hofmann (Leiter des Schillerha­uses Rudolstadt), Roland Krischke (Präsident des Museumsver­bandes Thüringen), Bernhard Stengele (Minister für Umwelt, Energie und Naturschut­z und zweiter stellvertr­etender Ministerpr­äsident und Bürgermeis­ter Jörg Reichl (von links) im Garten des Schillerha­uses in Rudolstadt.
ULRIKE KERN / ULRIKE KERN Christian Hofmann (Leiter des Schillerha­uses Rudolstadt), Roland Krischke (Präsident des Museumsver­bandes Thüringen), Bernhard Stengele (Minister für Umwelt, Energie und Naturschut­z und zweiter stellvertr­etender Ministerpr­äsident und Bürgermeis­ter Jörg Reichl (von links) im Garten des Schillerha­uses in Rudolstadt.

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