Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes)

Voller Saal bei Höcke – Medien bleiben draußen

Am Greizer „Reißberg 04“protestier­en am Freitagabe­nd gut 130 Gegendemon­stranten gegen die Afd-veranstalt­ung

- Ingo Eckardt

Greiz. Rund 100 Teilnehmer einer bunten Gegendemon­stration hatten Aufstellun­g genommen gegenüber dem Eingang der Gaststätte „Reißberg 04“in Greiz. Der Grund: Thüringens Afd-landeschef Björn Höcke, der auch in Greiz zur Landtagswa­hl antritt, hatte am Freitag zu einem „Bürgerdial­og“in das Gasthaus eingeladen, in dem regelmäßig auch andere Parteien und politische Gruppen tagen. Auf der Unterseite der Gaststätte hatten noch weitere Demonstran­ten Aufstellun­g genommen und skandierte­n ihren Unwillen, die AFD als normale Partei zu akzeptiere­n – teilweise auch mit etwas fragwürdig­em Vokabular. Laut tönten „Die Ärzte“aus den Boxen: „Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe, Deine Springerst­iefel sehnen sich nach Zärtlichke­it...“.

Nur genehme Medien finden Zugang zu Höcke-auftritt

Springerst­iefel hatten die Afd-anhänger jedoch gar nicht an. Mit rund 260 Personen waren Saal und Gaststätte hoffnungsl­os überfüllt. Eine Traube Sympathisa­nten der AFD, darunter auch Kandidaten der Wahllisten zur Kommunalwa­hl, mussten draußen bleiben. Auch das Ersuchen der OTZ auf Einlass wurde abschlägig behandelt, ebenso der Versuch eines Ard-kamerateam­s. Eine Security-dame in weißer Bluse verwies darauf, dass ihre Chefin den Saal geschlosse­n habe. Ein Vertreter der Afd-nahen Alternativ­medien hingegen schlüpfte ganz selbstvers­tändlich in den vollen Saal. Man wollte wohl unter sich bleiben. Unkontroll­ierte Medien und deren Berichters­tattung scheinen nicht so sehr das Ding der Partei zu sein.

Polizei sichert angemeldet­e Gegendemon­stration ab

Die Polizei sicherte mit einem Großaufgeb­ot von mindestens 50 Beamten die Veranstalt­ung der angemeldet­en Gegendemo des Bündnisses „Kolibri“ab, das binnen dreier Tage nach Polizeiang­aben rund 130 Menschen gegen die Afdveranst­altung mobilisier­t hatte – Veranstalt­ungsleiter Marcel Buhlmann (parteilose­r Stadtrat der Linken und zur Kommunalwa­hl Kandidat der Grünen) sprach von 150 Teilnehmer­n und wertete die Demonstrat­ion als Erfolg. Auch Ines Wartenberg, Bürgermeis­terkandida­tin von Spd/aktiv für Greiz, war unter den Demonstran­ten. Polizeiein­satzleiter Michael

Schrader sprach von einer angemessen­en Polizeiprä­senz und davon, dass es keine besonderen Vorfälle gegeben habe.

Riss bezüglich der AFD geht auch durch Familien

Unter jenen, die keinen Einlass zur Höcke-veranstalt­ung erhielten, war auch Heike Leipe aus Greiz. „Ich will mir selbst eine Meinung bilden, es ist schade, dass ich hier nicht reinkomme“, ärgert sich die Frau. Ihre Tochter steht derweil im Gegenprote­st auf der gegenüberl­iegenden

Straßensei­te. Sie kommt über die Straße und sagt zu ihrer Mutter: „Das kannst Du doch nicht machen.“„Und ob ich das kann“, gibt die Mutter zurück. Die junge Frau schüttelt den Kopf und reiht sich wieder in den Gegenprote­st ein. Die Sicht auf die AFD zerreißt wohl nicht nur die Gesellscha­ft, sondern auch Familien.

Höcke-rede im überfüllte­n Saal kommt scheinbar bestens an

Vor der „Reißberg 04“-Gaststätte stehen derweil immer noch rund

dreißig Menschen. Männer, Frauen, Jugendlich­e, Kinder. Am Einlass heißt es gegenüber dem Otz-vertreter: „Die Bürger werden ohnehin den Medien vorgezogen, Sie berichten ja nur, aber die Bürger sollen wählen.“So bleibt nur der Blick durch die Fenstersch­eiben. Höcke spricht augenschei­nlich, ist in Afdblaues Licht getaucht dabei. Durch die Fenster sieht man applaudier­ende und johlende Menschen, die meisten sind eher älteren Semesters – augenschei­nlich trifft die Rede den Nerv der Besucher. Eine Frau

kommt aus dem Saal: „Boah, da drin ist es heiß, wie in der Sauna.“Was gesprochen wird, bleibt unklar.

Marcel Buhlmann und seine Mitdemonst­ranten ziehen gegen 19.30 Uhr ab. „Wir haben gezeigt, dass wir für Demokratie und Menschenre­chte einstehen und nicht für Hass und Menschenfe­indlichkei­t, wie sie die AFD propagiert. Die rechte Szene des Kreises Greiz ist ja auch da. Das ist für mich der Beleg, wie anschlussf­ähig Höcke an die extreme Rechte ist“, so der Demoorgani­sator.

 ?? INGO ECKARDT (3) ?? Vor dem „Reißberg 04“stand eine Traube an Menschen und begehrte Einlass in den bereits überfüllte­n Saal. Auch ein Tv-team der ARD war vor Ort und sprach mit Demonstran­ten, Interessen­ten an der Afd-veranstalt­ung und der Polizei.
INGO ECKARDT (3) Vor dem „Reißberg 04“stand eine Traube an Menschen und begehrte Einlass in den bereits überfüllte­n Saal. Auch ein Tv-team der ARD war vor Ort und sprach mit Demonstran­ten, Interessen­ten an der Afd-veranstalt­ung und der Polizei.
 ?? ?? Heike Leipe aus Greiz (l.) wollte sich selbst ein Bild von Björn Höcke machen. Wie rund dreißig weitere Interessie­rte bekam sie jedoch keinen Einlass zum „Bürgerdial­og“am Freitag in Greiz.
Heike Leipe aus Greiz (l.) wollte sich selbst ein Bild von Björn Höcke machen. Wie rund dreißig weitere Interessie­rte bekam sie jedoch keinen Einlass zum „Bürgerdial­og“am Freitag in Greiz.
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Zwischen 130 und 150 Gegendemon­stranten folgten dem Aufruf des neu formierten Bündnisses „Kolibri“und wurden laut gegen die AFD und deren politische Agenda.

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