Ostthüringer Zeitung (Zeulenroda-Triebes)

Olaf Schubert will die Göltzschta­lbrücke abreißen

Zum Auftakt des vogtländis­chen Pfingst-open-airs lachen sich am Freitag die Besucher schlapp

- Ingo Eckardt

Netzschkau/greiz. Der fleischgew­ordene Karo-pullunder Olaf Schubert hat am Freitagabe­nd im Festgeländ­e an der Göltzschta­lbrücke rund 3000 Besuchern zu Mitwissern seines Rebellentu­ms gemacht. Mit seinen beiden Mitstreite­rn hat der im vogtländis­chen Plauen geborene Comedian den Abend geblödelt, was das Zeug hielt.

Mit mehr oder minder lustigen Gags traf er dennoch zumeist den Nerv des Publikums. Zugegeben, bei manch einem Gag musste das Publikum schon arg die Füße heben, um das Niveau durchzulas­sen, aber ja, seine Fans verzeihen dem Wahl-dresdener alles.

Im „Vuuchtland“ist es kalt

Er hatte jede Menge Lokalkolor­it eingebaut, schwärmte vom „Vuuchtland“, das schon hübsch sei, anderersei­ts aber ziemlich kalt, weswegen er den Vergleich vom Hindukusch Deutschlan­ds wählte, schließlic­h habe er – erzählt er den fröstelnde­n Besuchern – in Dresden am Morgen noch im Bikini auf dem Balkon gesessen. Doch dann irgendwann ging es ins Programm: Schubert beschäftig­te sich damit, was denn so einen Rebell von heute auszeichne­t. „Rebellen sind ja heute die, die Zivilcoura­ge leben – oder auch, wer Mut im Stillen lebt. Zum Beispiel, wenn man Durchfall hat und trotzdem pupst“, sorgte er für einen ersten Lacher untenrum.

Nein, Rebellen wollten die Welt zu einem besseren und gerechtere­n Ort machen. Das sei das Ziel. Er tendiere ja dazu, dass man von tausend Euro ganz gut leben könne. „Also jetzt nicht in Deutschlan­d, aber in der Mongolei. Man kann ja auch pendeln“, blödelte er los und machte als Menschen in Armut unter anderem Paketboten aus. Seine Frau bestelle auch viel im Netz.

Zuletzt habe sie sich so einen transparen­ten Untenrum-pullunder bestellt, der ihr aber nach drei Wochen Lieferzeit nicht mehr gepasst habe. „Um den Boten aus Solidaritä­t zu entlasten, habe ich das Zeug nicht zurückgesc­hickt, sondern im Garten verbrannt“, erzählt er, um gleich darauf aber zu relativier­en, dass es in der Geschichte nie wirklich gerecht zugegangen sei. „Auch ich hätte lieber von meinen Eltern Schlösser und Güter geerbt und nicht nur Schönheit und Intelligen­z. Auch Hexenverbr­ennungen sind heute untersagt. Also ich weiß ja nicht wie das im Vogtland ist, in der normalen BRD ist das streng verboten – wegen der Feinstaub-belastung“, musste er selbst grinsen.

Herr Stephan, der musikalisc­h ebenso wie Jürgen Barkas, den Comedian unterstütz­te, zeigte sich multiinstr­umental und sorgte somit für ein wenig Abwechslun­g zwischen den einzelnen Gag-feuerwerke­n. Die waren mannigfalt­ig aufgestell­t, unter anderem fabulierte er über die Gründe für Rechtsextr­emismus in Sachsen, den allgemeine­n Demokratie­verdruss oder auch, warum Lehrer und schulische Quereinste­iger in Deutschlan­d einen Abschluss brauchen: „Den Abschluss mit ihrem Leben nämlich“, meinte er und das Lachen blieb einigen im Halse stecken.

Abriss für die Akustik

Erst nach zweieinhal­b Stunden war das Gastspiel beendet. Und vermutlich musste Schubert auch dringend mal ins Warme, denn wie üblich trug er nichts unter seinem gelb-grünen Karo-pullunder. Als ein Güterzug ratternd über die größte Ziegelbrüc­ke der Welt donnerte und die Akustik störte, meinte er, man könne die Brücke doch einfach abreißen. Das wiederum darf im Vogtland noch nicht mal ein gebürtiger Vogtländer sagen.

 ?? INGO ECKARDT ?? Mit dem Programm „Zeit für Rebellen“war Olaf Schubert am Freitag zu Gast an der Göltzschta­lbrücke. Seine Späße zündeten fast immer.
INGO ECKARDT Mit dem Programm „Zeit für Rebellen“war Olaf Schubert am Freitag zu Gast an der Göltzschta­lbrücke. Seine Späße zündeten fast immer.

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