TDC New York 2018

In ei­nem Meer von schwarz­wei­ßen Ar­bei­ten, die der New Yor­ker Ty­pe Di­rec­tors Club die­ses Jahr prä­mier­te, fie­len die­se bei­den auf. Nicht nur, aber auch durch ih­re Far­big­keit

PAGE - - Editorial -

Viel Schwarz­weiß und et­was Far­be: die in­spi­rie­rends­ten Ar­bei­ten­des Komm uni­kat ions de­sign wett­be­werbs

● Zwei Din­ge sta­chen mir beim An­schau­en der dies­jäh­ri­gen Tdc­art­works ins Au­ge: Ei­ne Viel­zahl war schwarz­weiß, ganz gleich, ob es sich um Schrift­prä­sen­ta­tio­nen, Edi­to­ri­al De­signs oder Thea­ter­pla­ka­te han­del­te. Aus­druck ei­nes düs­te­ren Blicks auf ei­ne mo­men­tan sehr fra­gil wir­ken­de Welt? Viel­leicht. Viel­leicht aber auch die Ab­kehr von Gestal­tun­gen im psy­che­de­li­schen Far­b­rausch und die Hin­wen­dung zu ei­ner neu­en Re­duk­ti­on.

Eben­falls auf­fäl­lig hoch war die Zahl prä­mier­ter Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den – um den krea­ti­ven Nach­wuchs müs­sen wir uns al­so kei­ne Sor­gen ma­chen. Wie im­mer gut ver­tre­ten war die New Yor­ker School of Vi­su­al Arts, aber auch an­de­re Hoch­schu­len, dar­un­ter die Uni­ver­si­ty of Wa­shing­ton oder das Art­cen­ter Col­le­ge of De­sign in Pa­sa­de­na, wur­den mehr­fach aus­ge­zeich­net. Ein Award ging so­gar an die Uni­ver­si­ta­tea Na­tio­na­la de Ar­te in Bu­ka­rest.

Zu mei­nen Lieb­lings­pro­jek­ten ge­hört die Ty­po­In­stal­la­ti­on »Al­ter­na­ti­ve Facts«. Gar nicht nor­mal, son­dern auf­se­hen­er­re­gend ist, was Stu­dio Nor­mal aus Chi­ca­go (https://the­nor­mal­stu­dio.com) mit Zi­ta­ten der Künst­le­rin Jen­ny Hol­zer mach­ten. De­ren »Tru­is­ms«, ei­ne Se­rie von Ein­zei­lern, die ge­sell­schaft­li­che und po­li­ti­sche Fra­gen the­ma­ti­sie­ren, kom­bi­nier­ten die De­si­gner Re­na­ta Graw, Ale­xa Vi­sci­us und Crys­tal Za­pa­ta mit Tweets und Zi­ta­ten von Do­nald Trump. Ge­zeigt wur­de die In­stal­la­ti­on bei der jähr­lich in Chi­ca­go statt­fin­den­den Kon­fe­renz Ty­pe­force, Jen­ny Hol­zers Zi­ta­te leuch­te­ten rot, die von Trump blau. Über­ein­an­der­ge­legt spie­geln sie so die Zer­ris­sen­heit der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wi­der und be­wei­sen, dass auch mehr als ein Jahr nach Trumps Amts­über­nah­me längst nicht je­der zur Ta­ges­ord­nung über­ge­gan­gen ist. »Al­ter­na­ti­ve Facts« hät­te de­fi­ni­tiv ei­ne grö­ße­re Büh­ne ver­dient. ant

1 Durch­läs­sig. Bei der AGI Open, dem Kon­gress der Al­li­an­ce Gra­phi­que In­ter­na­tio­na­le, im Sep­tem­ber 2017 in Pa­ris dreh­te sich al­les um das The­ma Gren­zen. Die ty­po­gra­fi­sche Gestal­tung des ka­li­for­ni­schen De­si­gners Bob Au­ful­dish (http://auf­war.com) soll zei­gen, dass Gren­zen auch heu­te noch zu über­win­den sind. 2 Ge­gen den Hass. Sa­man­tha Spaeth, ein­ge­schrie­ben an der Uni­ver­si­ty of Wa­shing­ton, ge­stal­te­te ein Pla­kat zur Be­kämp­fung von Ha­te Speech, die ins­be­son­de­re un­ter der ge­gen­wär­ti­gen Us-re­gie­rung ein The­ma ist. 3 From Scan­di­na­via with Love. Ein freund­li­ches Knall­gelb wähl­te Wer­ner De­sign Werks aus Saint Paul in Min­ne­so­ta ( http://wdw.com ) für die Ge­schäfts­aus­stat­tung des Elek­tri­kers John Ole­son. Die­se ist be­wusst so of­fen an­ge­legt, dass sie sich auch auf an­de­re Ge­schäfts­zwei­ge – die John Ole­son künf­tig noch star­ten will – über­tra­gen lässt. Die lus­ti­gen Ak­zen­te er­in­nern an die skan­di­na­vi­sche Her­kunft des Fir­men­in­ha­bers. 4 HLM wie Sha­ke­speare. Die ko­rea­ni­sche Gra­fik­de­si­gne­rin Soo­min Jung (https://so­o­min­jung.net), die an der New Yor­ker School of Vi­su­al Arts stu­diert, ge­stal­te­te drei Buch­ti­tel für Sha­ke­speare-dra­men. Die je­weils ers­ten Buch­sta­ben (»Ham­let«, »King Le­ar«, »Mac­beth«) wur­den da­bei zu den Haupt­ak­teu­ren. Das macht die Co­ver wun­der­bar re­du­ziert – im Ge­gen­satz zu den Stü­cken selbst. 5 Ge­gen die Zen­sur. Auch Wei­xi Zeng stu­dier­te letz­tes Jahr an der School of Vi­su­al Arts, in­zwi­schen ist er fer­tig und ar­bei­tet als selbst­stän­di­ger Gestal­ter mit Schwer­punkt Mo­ti­on De­sign (http://wei­xi­zeng.com). In dem hier ge­zeig­ten Film geht es um Newspeak, die von der to­ta­li­tä­ren Re­gie­rung in Ge­or­ge Or­wells Ro­man »1984« ge­schaf­fe­ne Spra­che – die der Au­tor im An­hang sei­nes Bu­ches er­klär­te. In ei­ner Welt vol­ler Zen­sur durch Staats­mäch­te und end­lo­ser Lü­gen sei die­ser Leit­fa­den sehr re­le­vant. 6 Ed­le Düf­te. Pru­ne les fleurs heißt ein Sor­ti­ment lu­xu­riö­ser ka­na­di­scher Duft­ker­zen. Das Stu­dio Po­ly­gra­phe aus Qu­e­bec (http://po­ly­gra­phe.ca) ge­stal­te­te da­zu nicht nur die Ver­pa­ckun­gen, son­dern auch ei­nen Ka­ta­log und Pos­ter – schwarz­weiß, re­du­ziert und ty­po­gra­fisch. Wo­bei je­de Duft­no­te ei­nen ei­ge­nen ty­po­gra­fi­schen Auf­tritt er­hielt. Mal mit, mal oh­ne Se­ri­fen und min­des­tens so edel wie die Ker­zen selbst. 7 Ka­ta­log im Raum. Das Mu­se­um of Mo­dern Art ist für sei­ne groß­ar­ti­gen Aus­stel­lungs­de­signs be­kannt. Zum 150. Ge­burts­tag des Ar­chi­tek­ten Frank Lloyd Wright zeig­te es im ver­gan­ge­nen Jahr die Re­tro­spek­ti­ve »Frank Lloyd Wright at 150: Un­packing the Ar­chi­ve« mit über 400 Ob­jek­ten, dar­un­ter Zeich­nun­gen, Mo­del­le, Film­aus­schnit­te, Mö­bel und Skiz­zen­bü­cher. Das haus­ei­ge­ne De­sign­stu­dio des MOMA ( http://mo­ma­de­sign­stu­dio.org ) ent­wi­ckel­te ein Ex­hi­bi­ti­on De­sign, das auf In­di­zes und Ka­ta­lo­gi­sie­rung ba­siert. Be­gin­nend mit der Ti­tel­wand, die als the­ma­ti­sches Ver­zeich­nis fun­gier­te, kam das Sys­tem in Ga­le­rie­ti­teln, Sek­ti­ons­tex­ten, ei­ner Zeit­leis­te und in Vi­deo­s­tills zum Ein­satz. 8 Im Zei­chen des Dol­lars. Jef­fer­son Heu­er, Art­di­rek­tor aus Brook­lyn (www.jheu­er.com), hat schon für vie­le gro­ße Mar­ken ge­ar­bei­tet. Be­son­de­ren Spaß macht es ihm, Kla­mot­ten zu ge­stal­ten. Sei­ne Hoo­dies sind mit ei­nem S in ver­schie­de­nen Schrift­ty­pen be­druckt, die ex­tra lan­gen Bänd­sel las­sen dar­aus ein Dol­lar­zei­chen wer­den. Schö­ne Idee, die Pul­lis kann man für rund 65 Dol­lar kau­fen (www.jef­fer­son­heu­er.com). ant [4777]

Tdc-com­mu­ni­ca­ti­on-de­sign-ge­win­ner 2018. Noch viel mehr tol­le ty­po­gra­fi­sche Ar­bei­ten se­hen Sie auf un­se­rer Web­site un­ter ↗ www.page-on­line.de/tdc18

Tin­ten­sprit­zer The Si­de Pro­ject ist ein klei­nes Even­t­un­ter­neh­men in der Do­mi­ni­ka­ni­schen Re­pu­blik. Um ei­ne Rei­he von Un­der­groun­dMu­sik­par­tys zu pro­mo­ten, die sich um The­men wie Viel­falt, Kunst und Frei­heit dre­hen, ge­stal­te­te die eben­falls aus dem...

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.