Ge­mein­sam stark

In­ter­ac­tion De­sign und an­spruchs­vol­le Il­lus­tra­ti­on fin­den hier­zu­lan­de im­mer noch auf ver­schie­de­nen Pla­ne­ten statt. Das soll­te sich dringend än­dern!

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Schon merk­wür­dig, dass die Be­rüh­rungs­ängs­te zwi­schen In­ter­ac­tion­de si­gnern und Il­lus­tra­to­ren nach wie vor so groß sind – ins­be­son­de­re in Deutsch­land. Die Zeich­ner be­schrän­ken sich dar­auf, schö­ne Ma­ga­zi­ne oder bi­blio­phi­le Bü­cher zu be­bil­dern, und selbst wenn ih­re Tech­nik weit­ge­hend di­gi­tal ist, scheint das Netz trotz sei­nes gi­gan­ti­schen Bild­hun­gers für sie als Ar­beits­sphä­re noch »Neu­land« zu sein (um mal die Kanz­le­rin zu zi­tie­ren). Die Di­gi­ta­l­agen­tu­ren wie­der­um ha­ben die Po­wer und Viel­sei­tig­keit von gu­ter Il­lus­tra­ti­on of­fen­sicht­lich noch nicht recht ver­stan­den. Der Be­griff Art Buy­ing scheint ih­nen un­be­kannt – ge­schwei­ge denn, dass sol­che Spe­zia­lis­ten Teil des Teams wä­ren. Und so be­schränkt man sich meist auf die ty­pi­sche vek­tor­ba­sier­te Bild­spra­che, die man seit Jah­ren aus der Welt von Start­ups und Apps kennt. Auf Dau­er ist das nicht all­zu in­spi­rie­rend. Wir ver­mis­sen groß an­ge­leg­te in­ter­ak­ti­ve Pro­jek­te mit Il­lus­tra­to­ren, bei de­nen nicht nur ab und zu mal lus­ti­ge Cha­rac­ters als De­ko die­nen, son­dern in de­nen Il­lus­tra­ti­on in­te­gra­ler Be­stand­teil des Kon­zepts ist.

Sport­platz mit App

Um gran­dio­se Krea­tio­nen die­ser Art zu fin­den, muss man ziem­lich weit nach Os­ten schau­en – zum Bei­spiel zu den aus ei­ner Ko­ope­ra­ti­on von Goog­le und Ni­ke her­vor­ge­gan­ge­nen Hy­per Courts, High­techS­port­plät­ze auf den Phil­ip­pi­nen. »Bas­ket­ball ist dort der po­pu­lärs­te Sport, auf der Welt­rang­lis­te steht das Land aber nur auf Platz 31«, er­klärt Sid Tu­li von der Agen­tur BBH Sin­ga­po­re. »Da­mit auch we­ni­ger wohl­ha­ben­de Ju­gend­li­che die Chan­ce er­hal­ten, ih­re Skills zu ver­bes­sern, ha­ben wir fünf öf­fent­li­che Bas­ket­ball­plät­ze in Manila mit gi­gan­ti­schen Por­träts von Ido­len des Sports ver­se­hen und dort Wlan­zu­gang zu ei­ner App mit um­fang­rei­chem Trai­nings­ma­te­ri­al ein­ge­rich­tet.« Bis auf die Trai­nings­vi­de­os ist die An­wen­dung kom­plett il­lus­triert, aber so­gar dort tau­chen wit­zi­ge Mi­ni­il­lus auf.

Die Bil­der lie­fer­te Ar­turo Tor­res aus Dal­las, der ein Best­sel­ler­buch über Bas­ket­ball il­lus­trier­te und selbst ab­so­lu­ter Fan des Sports ist – wie üb­ri­gens auch Sid Tu­li. »Nur auf tech­ni­scher Ba­sis hät­te das Pro­jekt nicht funk­tio­niert, wir brauch­ten ei­ne auf­re­gen­de Bild­spra­che für un­se­re ju­gend­li­che Ziel­grup­pe«, er­klärt Sid Tu­li. »Ar­turos Stil ge­fiel uns be­son­ders gut, weil er Bas­ket­bal­ler und an­de­re Iko­nen der Pop­kul­tur fast wie Su­per­hel­den por­trä­tiert. Sei­ne mit­rei­ßen­den Bil­der strah­len Mut, Spaß und das für die Bas­ket­ball­kul­tur ty­pi­sche, fast schon ein we­nig an­ge­be­ri­sche Selbst­be­wusst­sein aus.« Über 450 Il­lus­tra­tio­nen ent­stan­den für die Kam­pa­gne, 90 Pro­zent da­von fer­tig­te Ar­turo Tor­res an. Der phil­ip­pi­ni­sche Il­lus­tra­tor AJ Di­ma­ru­cot sorg­te vor al­lem für die klei­nen ge­zeich­ne­ten Ele­men­te in den Trai­nings­vi­de­os. Ei­ne für Adres­sa­ten und Auf­trag­ge­ber ge­lun­ge­ne Sa­che, bis in die De­tails lie­be­voll um­ge­setzt. Man merkt das Herz­blut der Ma­cher.

De­sign ver­ste­hen – mit Il­lus­tra­tio­nen

Aus Asi­en stammt auch ein an­de­res Pro­jekt, das zeigt, was aus dem Zu­sam­men­spiel von Il­lus­tra­ti­on und In­ter­ac­tion De­sign her­aus­zu­ho­len ist: die In­stal­la­ti­on »New De­sign Eco­lo­gy of Chi­na«, noch bis 3. Ju­ni im spek­ta­ku­lä­ren neu­en Sea World Cul­tu­re and Arts Cen­ter in Shen­zhen zu se­hen (falls Sie zu­fäl­lig dort sind). Auf 16 mal 4 Me­tern wird in ei­ner fu­tu­ris­ti­schen Stadt­land­schaft das gan­ze Pan­ora­ma di­gi­ta­len De­signs aus­ge­brei­tet, vom Cloud Com­pu­ting übers In­ter­net der Din­ge bis zur Sprach­er­ken­nung.

Was all das ist, wem es nützt und wel­che Rol­le De­si­gner da­bei spie­len, soll die Vi­deo­wall Lai­en ver­ständ­lich ma­chen – mit 23 in­ter­ak­ti­ven ani­mier­ten Sze­nen, die sich über drei Touch­screen­ter­mi­nals an­steu­ern las­sen. Ein Jahr ar­bei­te­te Stu­dio LXU aus Pe­king an dem Pro­jekt. Le­ad­il­lus­tra­to­rin war Ei­leen Yao Yu, die nach Stu­di­um und Ar­beit in den USA fest zum Team ge­hört, un­ter­stützt von ei­nem wei­te­ren Zeich­ner. Über 300 klei­ne Cha­rak­te­re sind in den bun­ten Mi­nia­tur­wel­ten ins­ge­samt un­ter­wegs.

»Je­der hat sein un­ab­hän­gi­ges Sto­ry­sys­tem, die De­ve­l­oper ha­ben aber so vie­le Va­ria­blen ein­ge­baut, dass je­de Fi­gur wie ei­ne ech­te Per­son in ih­rem Mo­dul zu le­ben und zu ar­bei­ten scheint«, er­klärt Pro­jekt­ma­na­ge­rin Liz Liu. »Das Sys­tem mit al­len Da­ten pro­gram­mier­ten wir in JSON und im­por­tier­ten es in Uni­ty, ei­gent­lich ja ei­ne Ga­me­ent­wick­lungs­um­ge­bung. « Der tech­ni­sche Hin­ter­grund ist kom­plex, die Be­su­cher aber be­kom­men ei­ne spie­le­risch an­mu­ten­de Ober­flä­che zu se­hen, die dank char­man­ter Il­lus­tra­ti­on die oft sehr abs­trak­ten Be­grif­fe ver­an­schau­licht, die die De­si­gn­bran­che heu­te be­schäf­ti­gen.

Dass chi­ne­si­sche Il­lus­tra­to­ren grund­sätz­lich nicht mehr so stark den ana­lo­gen Me­di­en an­haf­ten, führt Liz Liu auf die stark di­gi­tal aus­ge­rich­te­te Aus­bil­dung an den Kunst­und De­si­gn­hoch­schu­len zu­rück. »In Eu­ro­pa spie­len im Stu­di­um ana­lo­ge Druck­und Mal­tech­ni­ken noch ei­ne viel stär­ke­re Rol­le als in Chi­na. Man kann das nicht ver­glei­chen und sa­gen, was bes­ser ist. Es ist ein­fach sehr un­ter­schied­lich.«

In­ter­ak­ti­ve Il­lus­tra­tio­nen. Die Links zu den im Ar­ti­kel er­wähn­ten Pro­jek­ten, Agen­tu­ren und Il­lus­tra­to­ren fin­den Sie un­ter ↗ www.page-on­line.de/ il­lus­tra­ti­on-in­ter­ak­tiv

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