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Dr. Clau­dia Ger­des über Cre­di­bi­li­ty und Van­da­lis­mus

PAGE - - Editorial -

● Sich ganz lieb öf­fent­lich zu ent­schul­di­gen ist ja zur­zeit mo­dern. Mark Zu­cker­berg tut es am lau­fen­den Me­ter, auch H&M zeig­te auf Twit­ter mehr­fach Reue. Erst war da der klei­ne schwar­ze Jun­ge und der Hoo­die mit der Auf­schrift »Coo­lest Mon­key in the Jung­le«. In Süd­afri­ka wur­den Lä­den der Ket­te ver­wüs­tet, jetzt ma­chen die dor­ti­gen Mit­ar­bei­ter Work­shops bei ei­nem An­ti­ras­sis­mus­netz­werk.

Im März flat­ter­te der eh kri­seln­den Fir­ma dann ei­ne Un­ter­las­sungs­er­klä­rung ins Haus, weil man ein Graf­fi­ti von Us­street­ar­tist Re­vok un­er­laubt als Hin­ter­grund für ein Mo­deshoo­ting be­nutz­te. Die Schwe­den hol­ten die Rie­sen­keu­le raus und klag­ten ih­rer­seits ge­gen Re­vok. Ei­ne New Yor­ker Be­hör­de ha­be das Graf­fi­ti auf vor­he­ri­ge An­fra­ge als Van­da­lis­mus be­zeich­net, es ge­be al­so kein Co­py­right. Wä­re dar­aus ein Prä­ze­denz­fall ge­wor­den, könn­ten sich Mar­ken fort­an lus­tig bei der Street Art be­die­nen.

Doch hopp­la, man hat­te »sich mit der fal­schen Com­mu­ni­ty an­ge­legt«, wie ei­ner der vie­len On­li­neKom­men­ta­to­ren be­merk­te. Die Hash­tags #fuckhm und #boy­cotthm boom­ten nicht nur im Netz, son­dern »zier­ten« in rie­si­gen Let­tern auch die Fas­sa­den di­ver­ser H&m­fi­lia­len in den USA. We­gen der Fas­tFa­shion­pro­duk­ti­ons­me­tho­den hat es noch nie so mas­si­ve Pro­tes­te ge­ge­ben.

Recht­lich ist die An­ge­le­gen­heit tri­cky. Die ei­nen sa­gen, Kunst ha­be im­mer ein Co­py­right, egal, wo sie ent­steht. Die Mei­nun­gen dar­über, was Kunst ist und was weg­kann, sind aber be­kannt­lich ge­teilt . . . Die an­de­ren fin­den Street Art zwar cool ge­nug für ih­re coo­le Wer­bung, aber zu van­da­lisch, um Ur­he­ber­rech­te zu re­spek­tie­ren. Letz­te­res ist wohl eher ein mora­li­sches als ein recht­li­ches Pro­blem.

Ließ H&M die Kla­ge ge­gen Re­vok fal­len, da man nun doch »die Krea­ti­vi­tät und Ein­zig­ar­tig­keit von Kunst re­spek­tiert«, wie es in der Twit­ter­ent­schul­di­gung heißt? Oder beug­te man sich nur dem Shits­torm? Der Mo­de­gi­gant häuft gera­de un­ver­kauf­te Wa­re für 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro an. Ein schwe­di­sches Ört­chen wird an­geb­lich durch die Ver­bren­nung von Ton­nen neu­er Kla­mot­ten mit Strom ver­sorgt. Um noch mehr Stress zu ver­mei­den, soll­te H&M wohl bes­ser Street Art von De­si­gnern faken las­sen, wie es längst vie­le ma­chen. Die Cre­di­bi­li­ty ist eh hin­über.

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