Pat­tern Li­bra­ry für New Rea­li­ties

Auch wie Mar­ken in vir­tu­el­len Wel­ten er­leb­bar sind, soll­te man in ei­ner Pat­tern Li­bra­ry er­fas­sen. Die Ber­li­ner Bran­ding-ex­per­ten von think mo­to ha­ben hier Neu­land be­schrit­ten

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● Neue Tech­no­lo­gi­en wie VR, AR und dem­nächst si­cher auch Voice-an­wen­dun­gen fin­den ge­ra­de ih­ren Nie­der­schlag in der Mar­ken­kom­mu­ni­ka­ti­on. »Für er­folg­reich eta­blier­te Brands be­deu­tet dies, dass sie recht­zei­tig Richt­li­ni­en eta­blie­ren müs­sen, wenn sie ih­ren Auf­trit­ten im vir­tu­el­len Raum ei­ne ein­heit­li­che Form ge­ben wol­len«, sagt Mar­co Spies, Part­ner von think mo­to, Stu­dio für In­no­va­ti­on und De­sign in Ber­lin. Der Bran­ding-ex­per­te hat be­reits den Auf­bau von Pat­tern Li­bra­ries bei vie­len in­ter­na­tio­na­len Kon­zer­nen stra­te­gisch be­glei­tet und be­schäf­tig­te sich nun das ers­te Mal im Auf­trag ei­nes Au­to­mo­bil­kon­zerns mit ei­ner Bi­b­lio­thek für VR- und Ar-an­wen­dun­gen. Die­se soll künf­tig ei­ne kon­sis­ten­te, mar­ken­spe­zi­fi­sche User Ex­pe­ri­ence und De­sign­spra­che für New Rea­li­ties ge­währ­leis­ten und Agen­tu­ren welt­weit als Weg­wei­ser die­nen, um auf die­se Wei­se Ent­wick­lungs­kos­ten zu sen­ken und die Time-to-mar­ket für neue An­wen­dun­gen ver­kür­zen.

Nach wel­chen Ka­te­go­ri­en ei­ne sol­che Pat­tern Li­bra­ry auf­zu­bau­en ist, dar­über hat das Team aus Bran­ding­ex­per- ten, Bu­si­ness­spe­zia­lis­ten und De­si­gnern bei think mo­to ein­ge­hend nach­ge­dacht. Schließ­lich ent­schie­den sie sich für die Stra­te­gie, ei­ne ein­lei­ten­de Er­klä­rung der ty­pi­schen Ei­gen­hei­ten von Touch­screen, Head­set, Con­trol­ler so­wie Ges­ten- und Blick­steue­rung vor­aus­zu­schi­cken, denn die Aus­ga­be­ge­rä­te für VR und AR sind noch nicht über­all in Ge­brauch. Skiz­zen zei­gen die Per­spek­ti­ve des Users und ver­an­schau­li­chen, wo die Kom­fort­zo­ne, die bes­te Sicht­bar­keit und Les­bar­keit lie­gen. Richt­li­ni­en zur Usa­bi­li­ty un­ter­wei­sen Krea­ti­ve, dass mul­ti­sen­so­ri­sches Feed­back mit Vi­su­als, Sound und Hap­tik die Nut­zer­ori­en­tie­rung un­ter­stützt und Ver­trau­en schafft. Zu­dem for­dern sie Qua­li­tät ein, um be­son­ders am Point of Sa­le mit vie­len Erst­nut­zern Mo­ti­on Sick­ness zu ver­mei­den.

Neu­ar­ti­ge In­ter­ak­tio­nen sicht­bar ma­chen

Ne­ben sol­chen Grund­satz­über­le­gun­gen zur Usa­bi­li­ty kon­zep­tio­nier­te das think-mo­to-team neue De­si­gnele­men­te wie pul­sie­ren­de, leuch­ten­de Rin­ge, die In­ter­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten im vir- tu­el­len Raum si­gna­li­sie­ren. An die­se sol­len sich Ent­wick­ler künf­ti­ger Vir­tu­al-rea­li­ty- oder Ar-apps hal­ten, da­mit die Mar­ken­kon­sis­tenz ge­währ­leis­tet ist. Die für New Rea­li­ties cha­rak­te­ris­ti­schen But­tons sol­len beim Nut­zer den Im­puls aus­lö­sen, den Con­trol­ler zu be­die­nen, mit dem Fin­ger auf den Ge­gen­stand zu zei­gen oder ein­fach den Kopf in die Rich­tung zu dre­hen.

»Im Sin­ne der Mar­ken­kon­for­mi­tät soll­ten die­se Pat­terns die Sty­les und Far­ben des Cor­po­ra­te De­signs auf­neh­men, aber auch die Vir­tua­li­tät wi­der­spie­geln«, er­läu­tert Mar­co Spies. »Für den vir­tu­el­len Raum bie­ten sich leuch­ten­de Far­ben und ge­ne­ra­ti­ve For­men an.« Bei­spiels­wei­se wer­den Hots­pots, hin­ter de­nen sich Ak­tio­nen ver­ber­gen, als leuch­ten­des Re­ti­kel an­ge­zeigt, al­so ei­ne Art Fa­den­kreuz. Für die bes­se­re Er­kenn­bar­keit von In­hal­ten und UserIn­ter­face-ele­men­ten wähl­te think mo­to halb­trans­pa­ren­te Lay­er, durch die die Um­ge­bung sicht­bar bleibt, um das Ein­tau­chen in den vir­tu­el­len Raum zu un­ter­stüt­zen.

Ne­ben der Vi­sua­li­tät gibt die Pat­tern Li­bra­ry auch das Ver­hal­ten der in­ter­ak­ti­ven Ele­men­te vor. Aus die­sem Grund ent­hält sie ei­nen Über­blick über die Zu­stän­de, die mit Bil­dern den De­fault-, Ho­ver- und Ac­tive-zu­stand dar­stellt, so­wie die Tran­si­ti­ons, die dem User zum Bei­spiel den Über­gang von der Au­ßen- zur In­nen­sicht ei­nes Au­tos er­leich­tern. Da Vir­tu­al und Aug­men­ted Rea­li­ty noch ver­hält­nis­mä­ßig neue Me­di­en sind, muss man die User bei Pro­dukt­prä­sen­ta­tio­nen die­ser Art an die Hand neh­men. »Will man In­ter­ak­tio­nen so ein­deu­tig wie mög­lich ge­stal­ten, soll­te man ge­son­der­te Tool­bars für al­le Steue­rungs­mög­lich­kei­ten kon­zi­pie­ren und ver­bind­lich fest­schrei­ben«, emp­fiehlt Mar­co Spies. Sei­ner An­sicht nach er­füllt ei­ne Pat­tern Li­bra­ry für VRund Ar-ap­pli­ka­tio­nen al­so erst dann ih­re Auf­ga­be, wenn sie das Ver­hal­ten in­ter­ak­ti­ver Pat­terns fein säu­ber­lich nach Con­trol­ler-, Sicht- oder Ges­ten­steue­rung ord­net. Auf die­se Wei­se prä­zi­siert sie die In­ter­ak­ti­on mit dem Ob­jekt – in die­sem Fal­le dem Au­to – und stellt al­les mit­tels Bild­ma­te­ri­al de­tail­liert nach­voll­zieh­bar dar.

erst das ge­sam­te De­sign ha­ben, die­ses in­ven­ta­ri­sie­ren und die Pat­terns ab­lei­ten, um sie in die Bi­b­lio­thek zu über­füh­ren. »Am ef­fek­tivs­ten ist es, wenn man re­gel­mä­ßig ei­ne In­ter­face-in­ven­tur durch­führt«, rät Al­la Khol­ma­to­va, denn selbst wenn ein ver­ant­wort­li­ches Team die Pat­tern Li­bra­ry ver­wal­tet, ent­ste­hen im­mer mal neue Mus­ter, die in das Sys­tem ein­flie­ßen soll­ten.

Chan­cen für Bran­ding-agen­tu­ren

Die Um­set­zung der Pat­tern Li­bra­ries ha­ben Vor­rei­ter wie Airb­nb, Mail­chimp, Sho­pi­fy und Goog­le, aber auch deut­sche Un­ter­neh­men wie Ot­to, VW, Au­di oder BMW selbst in die Hand ge­nom­men. Da ge­hört die Zuständigkeit zwar letzt­lich auch hin, doch fehlt es vie­len Cor­po­ra­teDe­sign-agen­tu­ren schlicht an di­gi­ta­ler Kom­pe­tenz, um Kun­den beim Auf­bau ei­ner Pat­tern Li­bra­ry zu­min­dest zu be­ra­ten. Oft ge­nug ent­wi­ckeln sie Sty­le­gui­des noch in ei­ner sta­ti­schen Pdf-da­tei, die eher als Vor­la­ge dient, denn als Tool zur Pro­zess­op­ti­mie­rung. »Doch di­gi­ta­le Pro­duk­te wer­den auch bei tra­di­tio­nel­len Un­ter­neh­men im­mer mehr zum zen­tra­len Mar­ken­er­leb­nis. Da­mit ist die Di­gi­tal­kom­pe­tenz auch für De­si­gnagen­tu­ren un­er­läss­lich«, er­klärt Burk­hard Mül­ler.

Der frü­he­re Krea­tiv­di­rek­tor bei de­ep­blue net­works hat die Di­gi­ta­l­agen­tur ver­las­sen, um künf­tig un­ter dem Dach der Ham­bur­ger De­si­gnagen­tur Mu­ta­bor als He­ad of Di­gi­tal zu star­ten. Bis­her hät­ten Bran­ding-agen­tu­ren im klas­si­schen Was­ser­fall­ver­fah­ren die kon­zep­tio­nel­le Klam­mer für die Mar­ke ge­lie­fert, die Um­set­zung aber den Un­ter­neh­men selbst über­las­sen. Im Zu­ge der Di­gi­ta­li­sie­rung stel­len Un­ter­neh­men nun aber zu­neh­mend auf agi­le Pro­zes­se um. »Con­sul­ting-leis­tung und fle­xi­bles Lea­sing von Spe­zia­lis­ten ge­hört in deut­schen Agen­tu­ren aber noch sel­ten zum Ge­schäfts­mo­dell«, so Burk­hard Mül­ler, der auf die­sem Ge­biet Chan­cen sieht.

An­schluss­fä­hig für neue Tech­no­lo­gi­en

Wäh­rend die ei­nen noch nicht ein­mal an­ge­fan­gen ha­ben, kämp­fen an­de­re mit dem Auf­bau und der Sys­te­ma­tik der Pat­tern Li­bra­ry. Und dann gibt es die Pio­nie­re, die sich Ge­dan­ken ma­chen, wie Pat­tern Li­bra­ries für Tech­no­lo­gi­en wie VR-, AR- oder Voice-an­wen­dun­gen be­schaf­fen sein müs­sen. Wel­che Ka­te­go­ri­sie­run­gen grei­fen dort? Die Ber­li­ner Agen­tur think mo­to hat be­reits Pro­jek­te in die­sem Be­reich an Land ge­zo­gen. In der Er­wei­te­rung von Pat­tern Li­bra­ries um »New Rea­li­ties«-ele­men­te und -Richt­li­ni­en, wie think-mo­to-part­ner Mar­co Spies sie nennt (sie­he Sei­te 41), sieht die­ser ei­nen Trend: »Über kurz oder lang müs­sen al­le Un­ter­neh­men, die die­se Tech­no­lo­gie nut­zen, für Kon­sis­tenz sor­gen. Sonst ent­steht schnell Wild­wuchs, in dem die Mar­ke nicht mehr zu er­ken­nen ist.«

Für Mar­ko Hem­me­rich, Art Di­rec­tor Di­gi­tal bei der Di­gi­ta­l­agen­tur BOOM in Ham­burg, liegt je­des Un­ter­neh­men im Trend, das über­haupt ei­ne Pat­tern Li­bra­ry ein­setzt. Hem­me­rich denkt je­doch schon ei­nen Schritt wei­ter: Das Stan­dar­di­sie­ren von Web­sites und die Re­duk­ti­on auf ei­ne be­stimm­te An­zahl von Pat­terns sei nur ei­ne Vor­stu­fe zur kom­plet­ten Per­so­na­li­sie­rung des Lay­outs mit­tels künst­li­cher In­tel­li­genz (sie­he rech­te Sei­te). Da­bei wür­de ein Al­go­rith­mus auf Grund­la­ge von Kun­den­da­ten das Web­site-lay­out zu­sam­men­stel­len, das zum je­wei­li­gen Kun­den passt.

Dass es ir­gend­wann so weit kom­men wird, da­von ist auch Da­ni­el Kränz über­zeugt, auch wenn er die In­di­vi­dua­li­sie­reng des Lay­outs noch dis­kus­si­ons­wür­dig fin­det: »Wir kon­zen­trie­ren uns lie­ber auf die Per­so­na­li­sie­rung des Con­tents, denn da­für ver­fü­gen Auf­trag­ge­ber we­nigs­tens über ve­ri­ta­bles Da­ten­ma­te­ri­al von End­kun­den, auf das wir uns stüt­zen kön­nen.« Bis die Per­so­na­li­sie­rung des Lay­outs über­haupt ein The­ma wür­de, müss­ten erst ein­mal ge­nü­gend Un­ter­neh­men über ei­ne funk­tio­nie­ren­de Pat­tern Li­bra­ry ver­fü­gen. ae [5359]

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