Was wir fra­gen woll­ten

Fran­zis­ka Mor­lok vom De­sign­stu­dio Ri­mi­ni Ber­lin ↗ www.ri­mi­ni-ber­lin.de

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Sie ge­hör­ten zur Ju­ry beim Wett­be­werb um die Schöns­ten Deut­schen Bü­cher. Wel­che Ti­tel ha­ben Sie am meis­ten be­geis­tert?

Fran­zis­ka Mor­lok: Zum Bei­spiel der Bild­band des Fo­to­gra­fen 4 Kent Klich mit Auf­nah­men aus Ga­za, mit bron­ze­far­be­nem Co­ver und schwar­zem Schnitt – groß­for­ma­tig, aber doch zu spar­sam im Look, um bloß ein Cof­fee Ta­ble Book zu wer­den. Herr­lich strin­gent durch­ge­stal­tet ist auch 5 »Manch­mal möch­te man wim­mern wie ein Kind«, das die Kriegs­ta­ge­bü­cher von Hein­rich Böll zeigt, je­weils mit An­mer­kun­gen zu je­der Dop­pel­sei­te ei­nes Ta­ge­buchs.

Wie sieht es mit Li­te­ra­tur­pu­bli­ka­tio­nen im en­ge­ren Sinn aus?

Für mich ei­ne schwie­ri­ge Ka­te­go­rie. Da ging es in der Ju­ry stark um Fein­ty­po­gra­fie und um die or­dent­li­che Her­stel­lung, was für mich nicht das In­ter­es­san­tes­te am Buch ist. Zu den Ju­ro­ren ge­hör­ten ne­ben zwei wei­te­ren 2 Gestal­tern auch drei Leu­te aus der Her­stel­lung und ei­ne Buch­händ­le­rin. Je­der ach­tet auf et­was an­de­res und es hat viel Spaß ge­macht, da von­ein­an­der zu ler­nen. Aber man weiß ja als De­si­gner oft aus dem Ar­beits­all­tag, dass bei de­mo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen mit vie­len Be­tei­lig­ten nicht im­mer die auf­re­gends­ten Er­geb­nis­se her­aus­kom­men.

Ei­ni­ge span­nen­de Ti­tel wur­den am En­de nicht preis­ge­krönt.

Da­für ha­be ich so­fort ei­ni­ge Bü­cher von der Short­list be­stellt. Dar­un­ter »Af­ter the Fact« über Pro­pa­gan­da im 21. Jahr­hun­dert, das auf ei­ner Aus­stel­lung im Len­bach­haus ba­siert und bei dem das De­si­gn­bü­ro stro­bo mit Af­fi­chen­pa­pier ar­bei­tet – al­so Pa­pier, das auch für Pro­pa­gan­da­pla­ka­te ver­wen­det wird. Oder das von Pa­rat ge­stal­te­te »Vi­bra­ti­on High­way« von Andrea Éva Gyö­ri aus der Edi­ti­on Tau­be, wo ein Neon­gelb sehr kraft­voll in Zeich­nun­gen zum The­ma Selbst­be­frie­di­gung ge­druckt ist. Die Ty­po wa­ckelt hier und da, vi­briert eben.

Hat man die­ses Jahr zu viel Main­stream aus­ge­zeich­net?

Nur Künst­le­ri­sches gel­ten zu las­sen, wie beim Wett­be­werb um die Schöns­ten Schwei­zer Bü­cher, und nie­mals Rat­ge­ber oder Koch­bü­cher, fän­de ich auch zu ni­schig. Aber die­ser tol­le Wett­be­werb soll­te als Gan­zes für In­no­va­ti­on ste­hen und das nicht nur dem 6 För­der­preis für jun­ge Buch­ge­stal­tung über­las­sen. Andrea Sick, Ma­ni­fes­tos and Di­gi­tal Cul­tu­re, ent­stan­den an der HFK Bre­men, De­sign von Sa­rah Käs­mayr und Cas­sia Vi­la – on­li­ne un­ter http://17.ma­ni­fes­tos.de Kat­ha­ri­na Schwarz: Nicht­sein. Über Sui­zi­de und mög­lich Ur­sa­chen. Mas­ter­ar­beit an der Uni­ver­si­tät der Küns­te, Ber­lin (sie­he hier­zu auch www.pa­ge-on­li­ne.de/mas­ter­ar­beit-nicht­sein)

Kent Klich: Ga­za Works. Ver­lag der Buch­hand­lung Walt­her Kö­nig, ge­stal­tet von Ban­ker Wes­sel, 978-3-96098-144-2 Hein­rich Böll: Man möch­te manch­mal wim­mern wie ein Kind. Kie­pen­heu­er & Witsch, ge­stal­tet von Do­ro­thea Roll, 978-3-46205020-2

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