Ani­mier­te Iden­ti­ty für Axis Mun­di

Für das neu ge­grün­de­te Bran­ding­stu­dio Axis Mun­di aus Brigh­ton ent­wi­ckel­te Ne­jc Prah ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Iden­ti­ty, die eben­so spie­le­risch wie so­phis­ti­ca­ted ist

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Für das neu ge­grün­de­te bri­ti­sche Bran­ding­stu­dio Axis Mun­di schuf Ne­jc Prah ein un­ge­wöhn­li­ches Cor­po­ra­te De­sign – das auch noch gu­te Lau­ne macht

● In ei­ner him­mel­blau­en Ku­lis­se wab­belt ein Teig­klum­pen vor sich hin, wäh­rend ei­ne grü­ne Ba­na­ne auf ei­nem Mi­ka­do­st­äb­chen kreist. Gleich­zei­tig dreht sich ei­ne mond­för­mi­ge Holz­schei­be im Uhr­zei­ger­sinn, ein St­ein­bro­cken ro­tiert um sich selbst. Ein Hau­fen Pul­ver liegt re­gungs­los da­ne­ben, gra­fi­sche Ele­men­te in Oran­ge, Bor­deaux­und To­ma­ten­rot sind eben­falls Teil der Sze­ne­rie. Wo sind wir hier ge­lan­det? Und was ha­ben all die­se Ob­jek­te zu be­deu­ten?

Mo­men­te leich­ter Ver­wir­rung oder, noch bes­ser, Neu­gier sind durch­aus er­wünscht – ge­nau dies soll­te die neue Iden­ti­ty von Axis Mun­di aus Brigh­ton aus­lö­sen. Die Bran­ding­ex­per­ten Ro­sa­mund Pic­ton und Kou­ro­sh New­man­zand grün­de­ten das Stu­dio im Ja­nu­ar 2018 und spe­zia­li­sier­ten sich auf Se­mio­tik: Mit ei­nem be­son­de­rem Au­gen­merk auf Zei­chen und de­ren Be­deu­tung re­cher­chie­ren sie für ih­re Auf­trag­ge­ber ak­tu­el­le Trends und de­fi­nie­ren, wie die­se sich auf ei­ne Mar­ke aus­wir­ken. Um die­sen Fo­kus in ih­rem Er­schei­nungs­bild zum Aus­druck zu brin­gen, en­ga­gier­ten die bei­den den in New York le­ben­den slo­we­ni­schen Gra­fik­de­si­gner Ne­jc Prah, des­sen fluo­res­zie­rend­bun­ter Stil sie be­geis­ter­te.

Ver­steckt sym­bol­träch­tig

Bei der Kon­zep­ti­on des Auf­tritts be­schäf­tig­te sich Necj Prah zu­nächst mit der Me­ta­ebe­ne, die durch die Aus­rich­tung des Stu­di­os ent­steht. Wie fin­det man ein Lo­go für Se­mio­tik, die Wis­sen­schaft, die sich mit der Theo­rie und Funk­ti­ons­wei­se von Zei­chen(sys­te­men) be­fasst? Was ist das ge­eig­ne­te Sym­bol für ein Sym­bol? »Ich fand es sehr pas­send, die Iden­ti­ty nicht um ein gra­fi­sches Lo­go auf­zu­bau­en, son­dern auf Fo­tos ba­sie­ren zu las­sen«, sagt der De­si­gner. Ei­ne über­ra­schen­de Lö­sung, die gleich die nächs­te Fra­ge auf­warf: Was soll­ten die­se Fo­tos ab­bil­den?

Ne­jc Prah über­leg­te sich, di­ver­se Ob­jek­te zu fo­to­gra­fie­ren, die ver­kör­pern, wo­für Axis Mun­di steht. So sind die bei­den Stu­dio­grün­der stets ei­nen Schritt vor­aus: »Wenn ich ein Stück Holz se­he, lo­dert bei ih­nen schon das Feu­er. Die­se Fä­hig­keit, Mög­lich­kei­ten zu er­ken­nen, woll­te ich mit Ob­jek­ten aus­drü­cken«, er­klärt er. Und zwar mit Teig, Ba­na­ne, Holz, St­ein und Pul­ver. »Ich ha­be die­se fünf Ge­gen­stän­de ge­wählt, weil sie ge­wöhn­lich wir­ken und nicht of­fen­sicht­lich sym­bol­träch­tig sind«, so Prah. »Doch sie tra­gen al­le das Po­ten­zi­al in sich, zu wach­sen, sich zu ver­wan­deln oder nütz­lich zu sein: Die Ba­na­ne reift, mit St­ei­nen wird ge­baut, bren­nen­des Holz er­zeugt Wär­me und Ener­gie, aus Teig backt man Brot. Das Pul­ver ist mehr­deu­tig, es könn­te al­les sein – Me­di­zin, ein Hau­fen Ze­ment, Pig­men­te oder Zu­cker.«

Das Gan­ze und sei­ne Tei­le

Im Zen­trum der Iden­ti­ty steht ein Vi­su­al mit al­len fünf Ob­jek­ten, das zu­gleich das Lo­go dar­stellt. Di­gi­tal kommt es auch in ani­mier­ter Form zum Ein­satz. Au­ßer­dem ver­wen­det Axis Mun­di die Ge­gen­stän­de ein­zeln: in sta­ti­scher Form zum Bei­spiel als Teil des Brief­kopfs oder in Pdf­do­ku­men­ten, als Ani­ma­ti­on in den So­ci­al Me­dia – und in den Po­wer­poin­tPrä­sen­ta­tio­nen, die das am häu­figs­ten ge­nutz­te Me­di­um des Stu­di­os sind, da es da­mit den Auf­trag­ge­bern die Er­geb­nis­se sei­ner Ana­ly­sen und Ide­en vor­stellt. Dem­nächst wer­den die Ani­ma­tio­nen auch auf der Axis­mun­di­web­site auf­tau­chen.

Bei der fo­to­gra­fi­schen Um­set­zung ar­bei­te­te Prah mit ei­nem Freund zu­sam­men, Kle­men Il­o­var, der

wie er selbst Teil des De­si­gn­kol­lek­tivs An­sam­bel ist ( http://an­sam­bel.org ). Die­ses be­steht aus sie­ben be­freun­de­ten De­si­gnern aus Slo­we­ni­en, die sich teil­wei­se seit der Schul­zeit ken­nen. Drei von ih­nen le­ben noch in Ljublja­na, die an­de­ren in Mün­chen, Ams­ter­dam, Eind­ho­ven und New York. Ge­mein­sam set­zen sie im­mer mal wie­der krea­ti­ve Pro­jek­te im Be­reich Fo­to­gra­fie, Il­lus­tra­ti­on und In­ter­ac­tion De­sign um.

Das Shoo­ting fand in Ljublja­na statt, und et­li­che Freun­de und Fa­mi­li­en­mit­glie­der wa­ren in­vol­viert: Den Brot­teig rühr­te Kle­men Il­o­vars Groß­mut­ter an. Prahs Va­ter hat das Holz­stück ge­fun­den, das dann ein Zim­mer­mann mit ei­ner Rie­sen­sä­ge be­ar­bei­te­te, die wäh­rend­des­sen aus un­er­klär­li­chen Grün­den ka­putt­ging. Die Ba­na­ne stamm­te von ei­nem Händ­ler vor Ort, der auch der »Kö­nig der Ba­na­nen« ge­nannt wird. Als die Fo­tos stan­den, schick­te An­sam­bel­mit­glied Dan Ad­lešič den un­ver­derb­li­chen Teil der Ob­jek­te nach Ber­lin, weil Ti­len Se­pič sie wie­der­um dort für die Pro­duk­ti­on der Ani­ma­tio­nen be­nö­tig­te. Ba­na­ne und Teig be­sorg­te er sich frisch aus dem Su­per­markt. Nach­dem er die ein­zel­nen Ge­gen­stän­de ge­filmt hat­te, nahm er das Re­tou­ch­ing der Vi­de­os in Pho­to­shop vor, um dann in Ado­be Pre­mie­re Pro und Af­ter Ef­fects al­les zu ei­ner Ge­sam­t­ani­ma­ti­on zu­sam­men­zu­set­zen und schließ­lich auf­ein­an­der ab­zu­stim­men.

Ein Grau und vie­le Far­ben

»Bei der Fo­to­gra­fie ha­ben wir uns für ei­nen sehr sim­plen Stil ent­schie­den, mit ei­nem leich­ten Schat­ten und ei­nem hell­grau­en Hin­ter­grund. Die Bil­der soll­ten frisch und glän­zend wir­ken«, so Ne­jc Prah. Bei der Nach­be­ar­bei­tung in Pho­to­shop ach­te­ten sie dar­auf, dass die­se zwar sub­til er­folg­te, da­bei aber ei­nen sehr in­ten­si­ven Look er­ziel­te. Be­son­ders gut ist das beim nä­he­ren Be­trach­ten der Ba­na­ne er­kenn­bar, die fast un­na­tür­lich grün leuch­tet und trotz­dem ein paar der üb­li­chen brau­nen Stel­len hat. Da­mit der Gr­au­ton des Hin­ter­grunds, ins­be­son­de­re in ge­druck­ter Form, nicht zu kühl wirkt, ent­wi­ckel­te Prah ihn oh­ne ei­nen Schwar­zan­teil nur aus Cyan, Ma­gen­ta und Yel­low. Bei Still­li­fe­auf­nah­men kön­ne ein wei­ßer Hin­ter­grund die Mo­ti­ve et­was bil­lig wir­ken las­sen, er­klärt er. Prah hat Axis Mun­di des­halb emp­foh­len, die Fo­tos und Ani­ma­tio­nen stets auf die­sem Grau zu ver­wen­den.

Er­gän­zend zu den bis auf die Ba­na­ne eher blas­sen Ge­gen­stän­den stell­te der Gestal­ter dann ein Farb­kon­zept zu­sam­men, das ge­deck­te, fri­sche, pas­tel­li­ge und knal­li­ge Tö­ne ver­eint: Schwarz, Ma­ri­ne, Him­mel­blau, Bor­deaux­und Feu­er­rot, Knall­gelb, Flie­der, Kau­gum­mi­ro­sa und Oran­ge. Aus die­ser Pa­let­te de­fi­nier­te er Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten für zwei, drei und vier Tö­ne so­wie Ver­läu­fe. All die­se Far­ben wird Axis Mun­di dann zum Bei­spiel für die Po­wer­Po­int­fo­li­en der Kun­den­prä­sen­ta­tio­nen nut­zen, und sie sind eben­falls auf der von dem bri­ti­schen Di­gi­tal

De­si­gner Lu­ke Gre­en­way ( http://lg­kall­day.co.uk ) ge­stal­te­ten und rea­li­sier­ten Stu­dio­web­site zu se­hen.

Launch vor dem Launch

Be­vor die Site En­de April li­ve ging, dreh­ten sich zwei Mo­na­te lang als Platz­hal­ter Ba­na­ne, St­ein und Co – ein ki­ne­ti­sches Pos­ter. Ne­jc Prah ge­stal­te­te es auf den Vor­schlag der bei­den Grün­der von Axis Mun­di hin, den Soft Launch des Stu­di­os nicht Schritt für Schritt zu voll­zie­hen, son­dern zu­nächst nur mit ei­nem Vi­su­al und we­nig Text, um noch nicht zu viel von dem Stu­dio und des­sen Aus­rich­tung zu ver­ra­ten. »Das ani­mier­te Pos­ter soll­te den­noch be­reits die Far­ben, sämt­li­che gra­fi­schen Ele­men­te so­wie die Ty­po der Iden­ti­ty ent­hal­ten – und das schon Wo­chen vor de­ren Fer­tig­stel­lung. Ich muss­te al­so im Nach­hin­ein ei­nen Weg fin­den, die­sen Ent­wurf in das fer­ti­ge Er­schei­nungs­bild über­ge­hen zu las­sen.« Das klapp­te gut. Denn die fünf Ob­jek­te stan­den schon fest, als er das ki­ne­ti­sche Pla­kat ge­stal­te­te, so­dass es am En­de nicht wei­ter auf­fiel, dass ein paar der Ele­men­te, wie et­wa das Mi­ka­do­St­äb­chen, nicht mehr auf­tau­chen.

Er­gän­zend zu dem fo­to­gra­fi­schen Lo­go ge­stal­te­te Ne­jc Prah noch ein ty­po­gra­fi­sches. Die Buch­sta­ben des Stu­dio­na­mens stat­te­te er da­für mit Strah­len aus, so­dass die Zei­chen wie un­ge­wöhn­li­che Sym­bo­le wir­ken und der Schrift­zug auch nicht so ganz ein­fach zu le­sen ist. Zu­dem gibt es die Short Ver­si­on AM. Die­se ty­po­gra­fi­schen Lo­go­va­ri­an­ten soll Axis Mun­di er­gän­zend zu den Fo­tos ein­set­zen, bei­spiels­wei­se in den Prä­sen­ta­tio­nen, um auf je­der Fo­lie ein de­zen­tes Mar­ken­zei­chen zu in­te­grie­ren.

Wäh­rend der aus­ge­schrie­be­ne Stu­dio­na­me nur in Schwarz und Weiß ge­nutzt wird, hat Prah für das ab­ge­kürz­te Lo­go zu­sätz­li­che Out­li­ne­ver­sio­nen ge­stal­tet, die er teil­wei­se mit ver­schie­de­nen Farb­tö­nen füll­te, je nach ak­tu­el­lem Ver­wen­dungs­zweck, Hin­ter­grund­far­be und pas­send zur de­fi­nier­ten Farb­pa­let­te. Und zur Jah­res­zeit. Auch wenn ei­ni­ge Tei­le der Iden­ti­ty eher auf Prahs In­tui­ti­on ba­sie­ren und er sehr ent­spannt wirkt – bei der Lo­go­va­ri­an­te in der som­mer­li­chen Ro­sa­flie­der­kom­bi­na­ti­on ist er stren­ger: Sie soll aus­schließ­lich zwi­schen dem 21. Ju­ni und dem 22. Sep­tem­ber ge­nutzt wer­den. lr [5205] PA­GE Sto­ry »Il­lus­tra­ti­on für On­li­ne und Bey­ond«. War­um (ani­mier­te) Il­lus­tra­tio­nen in di­gi­ta­len Me­di­en so gut funk­tio­nie­ren, le­sen (und se­hen) Sie in PA­GE 06.18 ↗ www.pa­ge-on­li­ne.de/pe­pa1806

PA­GE Sto­ry »Step by Step: Ar-pla­kat«. Der De­si­gner Josh Schaub zeigt in PA­GE 05.18, wie man ein Pla­kat als Ani­ma­ted GIF um­setzt und dar­aus ei­ne Aug­men­ted-rea­li­ty-an­wen­dung er­zeugt ↗ www.pa­ge-on­li­ne.de/pe­pa1805

Die fo­to­gra­fi­schen Grup­pen- und Ein­zel­mo­ti­ve sind so kon­zi­piert, dass sie im­mer recht groß sind und mit viel Platz um sich her­um wir­ken kön­nen. Des­we­gen nimmt je­der Ge­gen­stand auf ei­nem Brief­bo­gen das kom­plet­te obe­re Drit­tel ein

Ne­ben Schwarz, Weiß und ei­nem sehr hel­len Gr­au­ton leg­te Ne­jc Prah acht Farb­tö­ne für Axis Mun­di fest, die das Stu­dio für Prä­sen­ta­tio­nen und auf al­len wei­te­ren Ka­nä­len ver­wen­det. Au­ßer­dem plan­te er die Kom­bi­na­tio­nen von zwei, drei oder vier Far­ben und...

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