„Für mei­nen Traum­job ha­be ich das No­ma­den­le­ben auf­ge­ge­ben“

In lo­cke­rer Fol­ge ge­ben wir Gestal­tern das Wort, die in der De­si­gnab­tei­lung ei­nes be­kann­ten Un­ter­neh­mens ar­bei­ten. Dies­mal be­rich­tet Jen­ni­fer Brook von ih­rem Job als Le­ad De­sign Re­se­arch bei Drop­box in San Fran­cis­co

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● Ei­gent­lich konn­te ich mir nie vor­stel­len, fest für ein Un­ter­neh­men zu ar­bei­ten. Ich bin noch nicht sehr lan­ge für Drop­box tä­tig und ar­bei­te erst seit 2017 in­hou­se für das Un­ter­neh­men. Vor­her be­treu­te ich in mei­ner ei­ge­nen Be­ra­tungs­agen­tur Fir­men im Be­reich User Ex­pe­ri­ence und be­trieb für sie User Re­se­arch. Ich bin sehr frei­heits­lie­bend und war nach mei­nem Stu­di­um der Psy­cho­lo­gie und Kunst viel auf Rei­sen und nie lan­ge am sel­ben Ort – bis Drop­box mich an­heu­er­te, seit­dem le­be ich in San Fran­cis­co. Al­ler­dings bin ich auch als Le­ad De­sign Re­se­arch viel un­ter­wegs.

In der De­si­gn­bran­che wur­de ich vor al­lem durch mein In­ter­ac­tion De­sign für ver­schie­de­ne Apps der »New York Ti­mes« und mei­ne Büh­nen­prä­sen­ta­ti­on wäh­rend ei­ner App­le-pres­se­kon­fe­renz im Jahr 2010 be­kannt. Nach­dem ich vom De­sign in die Ux-be­ra­tung mit ei­ge­ner Fir­ma ge­wech­selt war, konn­te ich mir mei­ne Pro­jek­te prak­tisch selbst aus­su­chen, war au­ßer für die »New York Ti­mes« und App­le un­ter an­de­rem für die Un­ter­neh­men Vice, O’reil­ly oder Or­ga­ni­sa­tio­nen wie Art+fe­mi­nism tä­tig. Pha­sen­wei­se ha­be ich auch mal gar nicht ge­ar­bei­tet – ganz so, wie es mir ge­ra­de ge­passt hat.

Ir­gend­wann kam dann Drop­box auf mich zu und bot mir ei­ne Voll­zeit­stel­le als Be­ra­te­rin an. Das war im ers­ten Mo­ment ab­so­lut nicht vor­stell­bar für mich. Je mehr ich mich aber mit dem Un­ter­neh­men, der Ar­beits­wei­se des Re­se­arch-teams so­wie der Fir­men­men­ta­li­tät aus­ein­an­der­setz­te, des­to mehr Lust be­kam ich schließ­lich, dort zu ar­bei­ten.

Bei Drop­box dreht sich al­les dar­um, an­de­ren die Ar­beit durch das Tei­len und La­gern von Da­ten zu er­leich­tern. Mein Job ist es, kurz ge­sagt, her­aus­zu­fin­den, wie die Nut­zer ti­cken und was sie in ih­rem Ar­beits­all­tag brau­chen. Ich stel­le mir Fra­gen wie »Wie kön­nen wir die Pro­zes­se im Um­gang mit Drop­box noch ein­fa­cher ge­stal­ten?« oder »Wel­che Pro­ble­me ha­ben die User in der An­wen­dung?«. Je­der Job stellt an­de­re An­for­de­run­gen an un­ser Pro­dukt – das macht es so span­nend. Ich tau­che tief in den Ar­beits­all­tag un­se­rer Pro­ban­den ein, manch­mal kom­me ich mir vor, als hät­te ich sehr vie­le ver­schie­de­ne Jobs – das macht mei­ne Ar­beit so ab­wechs­lungs­reich.

Be­son­ders span­nend fin­de ich den Co- Crea­ti­onAn­satz, den wir bei Drop­box in un­se­rer Re­se­ar­chAr­beit ver­fol­gen. Das war üb­ri­gens auch ein Punkt, der mich da­von über­zeug­te, bei Drop­box an­zu­fan­gen, denn ich kann­te die­ses Vor­ge­hen vor­her nicht und ler­ne im­mer noch sehr viel dar­aus. Es geht in die­ser Me­tho­de dar­um, den User von An­fang an mit ein­zu­be­zie­hen, er ist qua­si an der Pro­dukt­ent­wick­lung be­tei­ligt. Da­zu nut­zen wir klas­si­sche Me­tho­den aus der So­zi­al­for­schung oder der Psy­cho­lo­gie, wie zum Bei­spiel die des In­ter­views. Wir den­ken uns aber auch di­ver­se ei­ge­ne Me­tho­den aus, bei­spiels­wei­se ha­ben wir Usern ei­ne Aus­wahl ver­schie­de­ner Icons vor­ge­legt, die sie dann zu ih­rer idea­len Be­nut­zer­ober­flä­che zu­sam­men­puz­zeln muss­ten – so fin­den wir her­aus, wie wir die User Ex­pe­ri­ence von Drop­box noch ver­bes­sern kön­nen. Das ist nur ein Bei­spiel von vie­len.

Un­se­re Me­tho­den sind sehr agil, wir müs­sen fle­xi­bel im Den­ken sein und uns im­mer wie­der auf die je­wei­li­ge Nut­zer­grup­pe ein­stel­len. Das er­for­dert je­de Men­ge Krea­ti­vi­tät – da kommt mir na­tür­lich mein künst­le­ri­scher Back­ground sehr zu­gu­te. Frü­her hät­te ich nie ge­dacht, dass ich ein­mal in ei­nem Be­ruf ar­bei­ten wür­de, in dem mir mei­ne bei­den ehe­ma­li­gen Stu­di­en­fä­cher (Psy­cho­lo­gie und Kunst) der­art hilf­reich sind, aber nun ist es so.

In mei­ner Frei­zeit be­schäf­ti­ge ich mich oft mit künst­le­ri­schen Pro­jek­ten, be­son­ders hat es mir die Kunst des Buch­bin­dens an­ge­tan. Ich ha­be mich sehr viel mit der Her­stel­lung von Pa­pier, Buch­druck und zu­letzt auch mit der Ge­win­nung von Farb­pig­men­ten be­schäf­tigt. Ich se­he da ei­nen Zu­sam­men­hang zu mei­nem jet­zi­gen Job: Auch in der Ge­schich­te des Buch­drucks ging es dar­um, Men­schen die Ar­beit zu er­leich­tern – es muss­te nicht mehr al­les von Hand ab­ge­schrie­ben wer­den – und ih­nen Wis­sen zu­gäng­lich zu ma­chen. Nichts an­de­res ma­chen wir bei Drop­box, in­dem wir Leu­ten das Tei­len von Da­ten er­leich­tern. Mit mei­ner Ar­beit kann ich den Job an­de­rer Men­schen leich­ter ma­chen und ih­nen wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen für die Er­le­di­gung ih­rer Auf­ga­ben zu­kom­men las­sen. Das mo­ti­viert mich sehr. Ein wei­te­rer gro­ßer und her­aus­for­dern­der Teil mei­nes Be­rufs ist es, die Er­geb­nis­se un­se­rer User-re­se­arch zu streu­en. Bei Drop­box ar­bei­ten über 2000 Leu­te und es gibt dort Po­si­tio­nen, von de­nen ich vor­her noch nie ge­hört hat­te. Um ih­nen die Er­kennt­nis­se zu ver­mit­teln, muss ich über die ein­zel­nen Ab­tei­lun­gen und die Funk­tio­nen der Mit­ar­bei­ter gut Be­scheid wis­sen und ler­ne auch in die­sem Be­reich nie aus.

Ich hal­te vie­le Vor­trä­ge – bei Drop­box selbst und ex­tern, zum Bei­spiel um an­de­ren un­se­re Me­tho­de der Co- Crea­ti­ve Re­se­arch na­he­zu­brin­gen. Da­für rei­se ich häu­fig in der Welt um­her – kürz­lich war ich zum Bei­spiel für Vor­trä­ge in Pa­ris, Ham­burg und Rom. Das macht mir gro­ßen Spaß. Das Rei­sen ist mei­ne Quel­le der In­spi­ra­ti­on und sorgt da­für, dass mir die Ide­en nie aus­ge­hen. lle [5060]

Mit­hil­fe selbst ge­stal­te­ter Tool­kits fin­det Jen­ni­fer Brook her­aus, was Teams in ih­rer ge­mein­sa­men Ar­beit wich­tig ist und wie Te­am­work in den je­wei­li­gen Un­ter­neh­men funk­tio­niert

PAGE Sto­ry »Agen­tur oder Un­ter­neh­men?« Er­fah­rungs­be­rich­te, Ent­schei­dungs­tipps und Ge­halts­an­ga­ben von De­si­gnern, die in Un­ter­neh­men be­schäf­tigt sind, gibt’s in PAGE 05.17 ↗ www.page-on­li­ne.de/ PEPA1705 Wei­te­re Traum­job­S­to­rys aus un­se­rer Se­rie. Wie es ist, für AR­TE, das Ma­ga­zin »GOOD« oder We­trans­fer zu ar­bei­ten, le­sen Sie auf ↗ www.pa­ge­on­line.de/traum­jobs

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