Was wir fra­gen woll­ten

Axel Ho­edt, Fo­to­graf, Lon­don ↗ www.axel­ho­edt.com

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Im Sep­tem­ber soll Ihr Fo­to­band über No­ki er­schei­nen, der sich öf­fent­lich nur mit Mas­ken zeigt. Wer ist No­ki?

Axel Ho­edt: Ein Col­la­ge­künst­ler und Un­der­ground-mo­de­de­si­gner, der aus der Lon­do­ner Ra­ve-sze­ne kommt und Sports­we­ar mit viel kri­ti­schem Hu­mor zer­stü­ckelt – ei­ne Frag­men­tie­rung von Mar­ken­iden­ti­tät, die das Fa­shion-esta­blish­ment un­ter­gräbt. Im Lauf der Jah­re hat er Ko­s­tü­me für La­dy Ga­ga ge­macht, sei­ne Ar­bei­ten wa­ren in Mu­se­en zu se­hen, und in Lon­don ist er be­kannt wie ein bun­ter Hund.

Gleich­zei­tig be­gann er früh, Mo­de zu re­cy­clen.

No­ki selbst spricht da­bei von Mas­h­ups oder nennt sich rag collec­tor. Das ers­te Mal traf ich ihn 2007, als ich für das Ma­ga­zin »POP« ein Por­trät von ihm mach­te. Er trug ei­ne Mas­ke, sah da­mals aus wie der Ele­fan­ten­mensch oder wie ein vik­to­ria­ni­scher Alt­klei­der­samm­ler. In sei­nem un­glaub­lich un­auf­ge­räum­ten Ate­lier in Brigh­ton stan­den Din­ge wie Kis­ten vol­ler aus Stoff her­aus­ge­schnit­te­ner Mi­ckey-mou­se-au­gen her­um. Hin­ter sei­ner Ar­beit steckt die Ver wei­ge­rung ge­gen­über dem Kon­sum, die Ak­zep­tanz von An­ders­ar­tig­keit und ein ra­di­ka­les De­mo­kra­tie­ver­ständ­nis – da tref­fen wir uns. Bei der Vor­stel­lung sei­ner letz­ten Mo­de­kol­lek­ti­on er­klär­te er, die Ent­wür­fe nicht pro­du­zie­ren zu wol­len: Die Kids sol­len sie doch sel­ber ma­chen.

Seit 2007 ha­ben Sie im­mer wie­der zu­sam­men­ge­ar­bei­tet.

Ge­nau, auch bei Bil­dern zu ei­nem »Spex«-ar­ti­kel über die Band Go­ril­laz, de­ren Mit­glie­der nur als Co­mic­fi­gur auf­tre­ten. No­ki hat Band-t-shirts zer­schnit­ten und auf an­de­re Ma­te­ria­li­en auf­ge­tra­gen – bei den Shoo­tings wur­de dann viel aus­pro­biert. Es geht um Spaß, der nicht zu 100 Pro­zent kal­ku­lier­bar ist.

Im Steidl Ver­lag ha­ben Sie schon zwei Fo­to­bän­de über Fast­nachts­mas­ken ver­öf­fent­licht.

Die Be­geg­nung mit No­ki war da­mals der An­lass, mich mit der ale­man­ni­schen Fast­nacht zu be­fas­sen – auch mit Iso­la­ti­on und Sehn­süch­ten, für die Mas­ken ste­hen.

Im­mer wie­der prä­sen­tie­ren sich Leu­te nur mit Mas­ken, ob Mu­si­ker wie Daft Punk oder das Ham­bur­ger De­si­gner­duo Ro­cket & Wink.

So macht man deut­lich, dass es nicht um ei­nen selbst, son­dern um die Ar­bei­ten geht. Ei­ne Ver­wei­ge­rungs­hal­tung, die heu­te für vie­le at­trak­tiv ist.

Mas­ken­mann No­ki in sei­nem Stu­dio in Brigh­ton, im Out­fit von Go­ril­laz-sän­ger 2D und im In­di­en-look

Axel Ho­edt: No­ki. Lon­don (Art Pa­per Edi­ti­ons) 2018, 52 Sei­ten. 35 Eu­ro. 9789490800864. Die Spe­cial Edi­ti­on mit je ei­nem Bild aus dem Buch als si­gnier­ter Print in Ein­zel­auf­la­ge kos­tet 350 Eu­ro, https://art­pa­per edi­ti­ons.org

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