NEW BAU­HAUS

Auf Initia­ti­ve von Ado­be ent­wi­ckeln fünf jun­ge Ty­pede­si­gner Ent­wür­fe von fünf Bau­haus-gestal­tern zu voll­stän­di­gen Schrif­ten. Das Pro­jekt ist voll im Gan­ge – wie die bei­den letz­ten Fonts ent­stan­den, zei­gen wir hier

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PRO­JEKT Ent­wick­lung zwei­er Schrif­ten auf Ba­sis von Bau­haus-ent­wür­fen im Rah­men der Ado­be-initia­ti­ve »Hid­den Tre­a­su­res – Bau­haus Des­sau« ↗ https://ado­behi­d­den­tre­a­su­res.com/de DE­SI­GNER Cé­li­ne Hur­ka, Gra­fik­de­sign­stu­den­tin an der Kö­nig­li­chen Aka­de­mie der Küns­te in Den Haag (Vor­la­ge: Al­f­red Arndt), und Elia Preuss, Stu­dent in der Fach­klas­se Ty­pede­sign der Hoch­schu­le für Gra­fik und Buch­kunst (Vor­la­gen: Rein­hold Ros­sig und Her­mann Wer­ner Kubsch) TOOLS Stift, Pa­pier, Li­ni­en­pa­pier, Scan­ner, Dru­cker, Gly­phs (Cé­li­ne Hur­ka); Blei­stift und Pa­pier, Dru­cker, Font­lab (Elia Preuss) ZEI­T­RAUM Ja­nu­ar bis Sep­tem­ber 2018 ● Ganz un­ter­schied­li­che Start­be­din­gun­gen hat­ten Cé­li­ne Hur­ka und Elia Preuss: Wäh­rend ihr le­dig­lich ein Pla­kat als Vor­la­ge dien­te, konn­te er auf ein kom­plet­tes Al­pha­bet mit Groß- und Klein­buch­sta­ben zu­rück­grei­fen. Die Schrift­ent­wick­lun­gen der bei­den Stu­die­ren­den sind Teil des Ado­be-projekts »Hid­den Tre­a­su­res – Bau­haus Des­sau«. An­fang des Jah­res war das Un­ter­neh­men auf Lu­ca Pel­le­gri­ni, Ty­pe-de­si­gnMas­ter-stu­dent an der ECAL in der Schwei­zer Stadt Re­nens, auf­merk­sam ge­wor­den, der als Se­mes­ter­ar­beit ein Al­pha­bet des Bau­haus- Gestal­ters Xan­ti Scha­wins­ky di­gi­ta­li­sier­te – so ent­stand die Idee, vier wei­te­re Bau­haus-ent­wür­fe von jun­gen Ty­pe-de­si­gnern zu ei­ner fer­ti­gen Schrift aus­bau­en zu las­sen.

Als Lei­ter des Projekts hol­te man die Ty­po­gra­fen und De­si­gner so­wie Au­to­ren Erik Spie­ker­mann und Fer­di­nand Ul­rich ins Boot, die sich un­ver­züg­lich an Hoch­schu­len mit Ty­pe-de­sign-mas­ter-pro­gram­men wand­ten: an Alex­an­der Tochil­ovs­ky von der Co­oper Uni­on in New York, an Ger­ry Leo­ni­das von der Uni­ver­si­ty of Rea­ding, an Erik van Blo­k­land und Paul van der La­an von der KABK Den Haag so­wie an Ste­phan Mül­ler von der HGB Leip­zig. Sie al­le er­hiel­ten die vier aus­ge­wähl­ten Bau­haus-schrift­ent­wür­fe mit der Bit­te, ei­nen da­von aus­zu­su­chen und ei­nen ge­eig­ne­ten Stu­die­ren­den zu fin­den. »Sie ha­ben uns sehr ta­len­tier­te jun­ge Ty­pede­si­gner emp­foh­len – und wie durch ein Wun­der kam es zu kei­ner Über­schnei­dung, als gä­be es für je­den ge­nau das Bau­haus-pro­jekt, das zu ihm oder ihr passt«, er­zählt Fer­di­nand Ul­rich.

Die fünf Au­ser­wähl­ten – ne­ben Cé­li­ne Hur­ka, Elia Preuss und Lu­ca Pel­le­gri­ni wa­ren das Fla­via Zim­bar­di (The Co­oper Uni­on) und Hi­de­ta­ka Ya­ma­sa­ki (Uni­ver­si­ty of Rea­ding) – be­ka­men reich­lich di­gi­ta­li­sier­tes Aus­gangs­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung ge­stellt, so­dass sie di­rekt los­le­gen konn­ten. An­fang Mai gab es ei­nen Lo­kal­ter­min in der Stif­tung Bau­haus in Des­sau, um sich der ein­fluss­rei­chen Gestal­tungs­schu­le auch at­mo­sphä­risch zu nä­hern und die Vor­la­gen im Ori­gi­nal zu se­hen. »Al­le wa­ren über­rascht, wie groß sie wa­ren«, be­rich­tet Pro­jekt­lei­ter Fer­di­nand Ul­rich. »Wenn man am Bild­schirm ar­bei­tet, sieht man ja im­mer nur des­sen For­mat, und grö­ßer als A3 druckt man in der Re­gel auch nichts aus. Vie­le der ur­sprüng­li­chen Ent­wür­fe wa­ren aber deut­lich grö­ßer.«

Mal schmal, mal breit

Cé­li­ne Hur­ka, Gra­fik­de­sign-stu­den­tin an der KABK in Den Haag, be­kam als Vor­la­ge ein ty­po­gra­fi­sches Wer­be­pla­kat von Al­f­red Arndt aus dem Jahr 1923. Arndt hat­te in den Jah­ren 1921 bis 1926 erst am Bau­haus in Wei­mar und nach des­sen Um­zug in Des­sau stu­diert und von 1929 bis 1931 die Ab­tei­lung Wand­ma­le­rei so­wie die Me­tall- und Mö­bel­werk­statt ge­lei­tet. Die 23-Jäh­ri­ge be­gann da­mit, die Schrift­zü­ge auf dem Pla­kat ge­nau zu ana­ly­sie­ren. Ihr fiel auf, dass ei­ni­ge der Buch­sta­ben, die mehr­fach auf­tauch­ten, un­ter­schied­lich breit wa­ren und auch die Weiß­räu­me zwi­schen den ho­ri­zon­ta­len Li­ni­en va­ri­ier­ten. Da­mit stand für sie fest, dass ih­re di­gi­ta­le Wei­ter­ent­wick­lung die Idee der di­ver­sen Brei­ten auf­grei­fen wür­de.

»Nach ei­ner ers­ten, lo­cke­ren Pha­se der Di­gi­ta­li­sie­rung der vor­han­de­nen Zei­chen, oh­ne da­bei schon zu viel über ein Sys­tem nach­zu­den­ken, nahm ich mir das Wort ›Ge­nos­sen­schaft‹ vor, zeich­ne­te Li­ni­en hin­ein und tes­te­te so die ver­schie­de­nen Sti­le, die sich auf dem Pla­kat fin­den«, er­zählt Cé­li­ne Hur­ka. Zu­nächst ent­warf sie vie­le ver­schie­de­ne Brei­ten. Ei­ni­ge schie­nen ihr je­doch nicht ex­trem ge­nug, so­dass sie sie

nicht wei­ter­ver­folg­te. Auch nicht al­le Buch­sta­ben­va­ri­an­ten durf­ten blei­ben. »Ge­ra­de bei den Zei­chen, die es auf dem Ori­gi­nal­pla­kat nicht gab, stell­te ich manch­mal fest, dass mei­ne Kon­struk­ti­on bei ge­naue­rer Un­ter­su­chung doch nicht zu der Zeit pass­te, in der Arndt ge­lebt und ge­ar­bei­tet hat.«

Kei­ne spit­zen Win­kel

So ent­stand das Ver­sal­al­pha­bet Al­farn in den drei Brei­ten Re­gu­lar, Con­den­s­ed, Ex­pan­ded so­wie mit Small Caps. Die Brei­te Re­gu­lar gibt es zu­sätz­lich in ei­ner un­ter­stri­che­nen Va­ri­an­te, die an das Ori­gi­nal­pla­kat er­in­nert. In der Brei­te Ex­ten­ded fällt vor al­lem das O auf, das zwi­schen den brei­ten Buch­sta­ben sehr schmal wirkt. Cé­li­ne Hur­ka war sehr vor­sich­tig mit dem op­ti­schen Aus­gleich und kor­ri­gier­te nur mi­ni­mal. Als die Schrift ei­gent­lich fer­tig war, nahm sie sie sich noch ein­mal vor. »Ich ha­be al­le Ecken und spit­zen Win­kel ab­ge­run­det, um den Cha­rak­ter des Ori­gi­nals auf­zu­grei­fen. Da Al­f­red Arndt das Pla­kat mit dem Pin­sel schrieb, gibt es näm­lich kei­ne ex­ak­ten Spit­zen.«

Blieb noch die Fra­ge der Um­lau­te. Das Ä im Ori­gi­nal hat recht selt­sa­me, keil­för­mi­ge dia­kri­ti­sche Zei­chen. Ent­spre­chend ent­warf Cé­li­ne Hur­ka ei­nen Satz mit keil­för­mig an den Ecken sit­zen­den Um­lau­ten, da­zu aber auch noch run­de, die über dem Buch­sta­ben an­ge­ord­net sind. »Cé­li­ne hat mit dem, was das Pla­kat her­gibt, wun­der­bar ge­spielt«, so Fer­di­nand Ul­rich. »Auf den ers­ten Blick wirkt die Al­farn als rei­nes Ver­sa­la­pha­bet ja schon fast et­was ba­nal. Durch die ver­schie­de­nen Buch­sta­ben­brei­ten und klei­ne Ex­tra­va­gan­zen wie die Um­lau­te be­kommt sie aber ei­nen ganz ei­ge­nen Aus­druck, der zu­dem sehr schön die Äs­t­he­tik der Vor­la­ge wi­der­spie­gelt.«

Qua­drat oder Recht­eck

So ge­ring das Aus­gangs­ma­te­ri­al bei Cé­li­ne Hur­ka, so viel war es dann bei Elia Preuss: ein Al­pha­bet, kom­plett mit Groß- und Klein­buch­sta­ben, Letz­te­re so­gar in zwei Va­ri­an­ten, ein­mal mit mehr, ein­mal mit we­ni­ger x-hö­he. Der Gestal­ter, Rein­hold Ros­sig, war Schü­ler Joost Schmidts, Leh­rer für Schrift und Lei­ter der Werk­statt für Re­kla­me, Ty­po­gra­fie und Dru­cke­rei am Bau­haus. Des­sen Ein­fluss sieht man Ros­sigs ma­the­ma­tisch an­ge­leg­ten Ty­pede­signs

Bei der Ar­beit mit dem Wort »Ge­nos­sen­schaft« ent­stand die Idee, die ver­schie­de­nen Buch­sta­ben­brei­ten des Ori­gi­nal-pla­kats auf­zu­neh­men und die Schrift in drei Brei­ten zu gestal­ten

Für je­den Buch­sta­ben zeich­ne­te Cé­li­ne Hur­ka ver­schie­de­ne Va­ri­an­ten und stell­te fest, dass man­che ih­rer Kon­struk­tio­nen bei ge­naue­rer Un­ter­su­chung nicht zur Zeit Al­f­red Arndts pass­ten. Ge­blie­ben sind die Zei­chen links – wir trau­ern ein biss­chen um das schö­ne K aus der Vor­la­ge . . .

Die Gestal­te­rin ex­pe­ri­men­tier­te auch mit Klein­buch­sta­ben, die bis­lang aber nicht rea­li­siert wur­den. Scha­de, sie sind so knuffig, dass sie hof­fent­lich ir­gend­wann ih­ren Weg in die Schrift fin­den

Zu­nächst scann­te Cé­li­ne Hur­ka Tei­le des Pla­kats und ana­ly­sier­te die Zei­chen. Bei die­ser ers­ten, lo­cke­ren Di­gi­ta­li­sie­rung dach­te sie noch nicht all­zu viel über ein Sys­tem für ih­re Schrift nach

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