Ei­ne Pro­duk­ti­on, vie­le For­ma­te

Was es bei ei­ner One-pro­duc­tion für di­gi­ta­le Ka­nä­le zu be­ach­ten gibt, ha­ben Lau­ra Wil­ke­ning und Hen­ning So­bo­ta von der Di­gi­ta­l­agen­tur BOOM zu­sam­men­ge­fasst

PAGE - - Signale - Lau­ra Wil­ke­ning, Hen­ning So­bo­ta

● Im Vor­feld der Pro­duk­ti­on ste­hen ne­ben der Ent­wick­lung von Mood- und Sto­ry­boards auch die Brie­fings für Sty­list, Ma­ke-up Ar­tist, Mo­ti­on De­si­gner, 3DAr­tist und Sound-ex­per­ten für Mu­sik oder Voice­o­ver an. Beim Shoo­ting liegt das Au­gen­merk pri­mär auf den Me­dia­for­ma­ten wie in die­sem Fall dem On­li­ne-tv- Clip, der Ca­rou­sel Ad for Ins­ta­gram Sto­ries so­wie den Ad­ver­tori­als. Sind die­se im Kas­ten und ist noch Zeit, kann man mit den vor­han­de­nen As­sets ganz frei neue For­ma­te für die or­ga­ni­schen Ka­nä­le wie die Web­site, die Face­book- oder Ins­ta­gram-sei­te des Kun­den ent­wi­ckeln.

1Kon­zep­ti­on. Aus­ge­hend von der Co­re Crea­ti­ve Idea (CCI) prio­ri­siert das Kam­pa­gnen­kon­zept die Kern­aus­sa­ge der Mar­ke und die Haupt­be­ne­fits des Pro­dukts. Dann ent­schei­det man, auf wel­chen Platt­for­men man das Ma­te­ri­al ein­set­zen und wel­che Bot­schaft man auf wel­che Art und Wei­se und mit wel­cher Prio­ri­tät kom­mu­ni­zie­ren will. Ein 20-Se­kun­denS­pot kann selbst­ver­ständ­lich viel mehr er­zäh­len als ei­ne 6-se­kün­di­ge Bum­per Ad.

2Sto­ry­board. Der Clip soll­te in den ers­ten 3 bis 5 Se­kun­den die wich­tigs­te Bot­schaft kom­mu­ni­zie­ren – beim Launch ei­nes Pro­dukts wä­ren das der Na­me und die wich­tigs­te Ei­gen­schaft. Da­nach sinkt die Auf­merk­sam­keit ra­pi­de, au­ßer­dem bre­chen User Skipp­able Ads nach die­ser Zeit am häu­figs­ten ab. So­bald das Sto­ry­board steht, emp­fiehlt es sich, die Sze­nen­fol­ge pro­be­hal­ber grob zu ani­mie­ren und das Voice­o­ver bei­spiel­haft ein­zu­spre­chen. Das ver­mit­telt be­reits ein Ge­fühl für das Ti­ming und den Ge­samt­ein­druck.

3Shoo­ting. Falls man kei­ne ex­ter­ne Pro­duk­ti­ons­fir­ma mit dem Dreh be­auf­tragt, soll­te man sich recht­zei­tig um die The­men Ma­te­ri­al­ver­si­che­rung und Pro­duk­ti­ons­haft­pflicht küm­mern, da­mit al­le am Shoo­ting be­tei­lig­ten Per­so­nen, das ge­sam­te Ma­te­ri­al wie auch Equip­ment ge­gen Schä­den ver­si­chert sind. Wäh­rend des Drehs soll­te man über ei­nen se­pa­ra­ten Mo­ni­tor die Sicht auf das Ka­me­ra­bild er­mög­li­chen, so­dass al­le be­tei­lig­ten Per­so­nen – nicht nur der Fo­to­graf oder Ka­me­ra­mann – das ge­schos­se­ne Ma­te­ri­al live mit-

ver­fol­gen kön­nen. Um schon am Set ei­nen Ein­druck vom spä­te­ren Look zu er­hal­ten, soll­te be­reits ein PreGra­ding der Auf­nah­men ein­ge­bun­den sein.

4Ma­xi­ma­le Bild­qua­li­tät. Ganz wich­tig ist, die Bil­der im Raw-for­mat auf­zu­neh­men, um spä­ter mög­lichst viel aus dem Ma­te­ri­al her­aus­ho­len zu kön­nen. Da­her emp­fiehlt sich ei­ne Auf­lö­sung von min­des­tens 4K – je hö­her, des­to bes­ser. Ein sol­ches Da­ten­vo­lu­men er­for­dert na­tür­lich viel Spei­cher­platz und schnel­le Ssd-fest­plat­ten. So kann man das Ma­te­ri­al rasch ver­ar­bei­ten und hat wäh­rend der Pro­duk­ti­on aus­rei­chend Ka­pa­zi­tät für meh­re­re Back-ups.

5Ka­nal­for­ma­te und -spe­zi­fi­ka. Je­de Platt­form ver­langt ei­ne an­de­re Auf­lö­sung und ein ent­spre­chen­des Sei­ten­ver­hält­nis, was der Shoo­ting­plan be­rück­sich­ti­gen muss. Bei Youtu­be ist es der­zeit das 16 : 9-For­mat, für die Ca­rou­sel Ads for Ins­ta­gram Sto­ries ist das 9 :1 6-For­mat op­ti­mal. Face­book-ti­tel­bil­der er­for­dern ei­ne Grö­ße von 828 mal 315 Pi­xeln, Face­book-video-ads 1200 mal 675 Pi­xel. Soll auch Ma­te­ri­al für die Web­site (He­a­der-/ka­chel­bil­der, GIFS, Pro­dukt­ab­bil­dun­gen et ce­te­ra) pro­du­ziert wer­den, gibt es eben­falls For­ma­te zu be­ach­ten, die even­tu­ell ge­son­dert ge­schos­sen wer­den müs­sen, falls sie sich nicht aus den an­de­ren Auf­nah­men ad­ap­tie­ren las­sen. Auch die ver­lang­te Fra­me­zahl ist zu be­ach­ten. So spielt Face­book Clips mit ma­xi­mal 30 fps (Bil­der pro Se­kun­de) aus.

Youtu­be und Face­book wen­den beim Video-upload Kom­pres­so­ren an, wo­durch die Clips beim Ab­spie­len zwar schnel­ler la­den, aber auch stark an Qua­li­tät ver­lie­ren. De­tails kön­nen un­scharf und schwam­mig er­schei­nen. Dies muss man bei der Krea­ti­on und Pro­duk­ti­on be­rück­sich­ti­gen und dar­auf ach­ten, dass al­les Wich­ti­ge groß ge­nug dar­ge­stellt wird und gut er­kenn­bar ist.

6Post­pro­duk­ti­on. Im Ide­al­fall be­ginnt die Post­pro­duk­ti­on di­rekt nach der Pro­duk­ti­on. Da­für soll­te man im Vor­feld klä­ren, in wel­chem Da­tei­for­mat und mit wel­chem tech­ni­schen Equip­ment man auf­zeich­net, da­mit sich die Da­ten spä­ter oh­ne Pro­ble­me wei­ter­ver­ar­bei­ten las­sen.

7Me­me-bal­ken. Falls sich der Con­tent da­für eig­net und es zum Ge­samt­the­ma so­wie zu der Ziel­grup­pe passt, kann man auch den Ein­satz von Me­me-bal­ken ober- und un­ter­halb des Vi­de­os in Be­tracht zie­hen. Sol­che He­ad­lines mit Auf­for­de­rungs­cha­rak­ter sor­gen in den meis­ten Fäl­len da­für, dass die­se Clips bes­ser per­for­men, wie Per­for­mance-tests aus an­de­ren Kam­pa­gnen ge­zeigt ha­ben.

8Ton. Nicht al­le So­ci­al-me­dia-ka­nä­le spie­len au­to­ma­tisch Ton ab, vie­le User wol­len dies auch gar nicht. Das fer­ti­ge End­pro­dukt muss al­so auch stumm ge­schal­tet funk­tio­nie­ren. Vi­el­leicht ist da­für der Ein­satz von Un­ter­ti­teln nö­tig, die man aber un­be­dingt auf al­len End­ge­rä­ten tes­ten muss. Al­ter­na­tiv könn­te man ei­nen »Sound on«-but­ton in das Video ein­bau­en, um den User zur Ak­ti­vie­rung des Tons zu be­we­gen. Nicht ver­ges­sen, die So­und­stan­dards der Chan­nels zu be­ach­ten!

9Tes­ten. Das Ma­te­ri­al soll­te man nicht nur am Desk­top-pc oder Note­book prü­fen, son­dern auch auf mo­bi­len Ge­rä­ten. So stellt man si­cher, dass al­le wich­ti­gen De­tails er­kenn­bar sind und ver­hin­dert, dass bei­spiels­wei­se die Ty­po­gra­fie nicht les­bar ist.

10Do­ku­men­ta­ti­on. In den meis­ten Fäl­len lohnt es sich, ei­nen zwei­ten Fo­to­gra­fen zu be­auf­tra­gen, der die Pro­duk­ti­on do­ku­men­tiert (so wie wir :-). Denn das hat vie­le Vor­tei­le: Man kann die Fo­tos nicht nur für Pro­jekt­prä­sen­ta­tio­nen, Pr-zwe­cke oder Re­fe­ren­zen nut­zen, son­dern auch das Licht- und Ka­me­ra-set-up für Fol­ge­pro­duk­tio­nen fest­hal­ten. Wir hof­fen, die 10-Punk­te-lis­te be­wahrt euch vor den gröbs­ten Schnit­zern. Viel Spaß! Art­di­rek­to­rin Lau­ra Wil­ke­ning und Ac­count Di­rec­tor Hen­ning So­bo­ta von der Ham­bur­ger Di­gi­ta­l­agen­tur BOOM freu­ten sich ge­mein­sam mit dem Team dar­auf, die fer­ti­gen As­sets nach drei Wo­chen Pro­duk­ti­ons­zeit live zu se­hen und da­nach auch mal wie­der et­was durch­schnau­fen zu kön­nen.

Ein sol­ches Flow­chart, das al­le zu er­stel­len­den For­ma­te um­fasst, ver­ein­facht die Pro­duk­ti­on und gibt ei­nen Über­blick über die Must-ha­ves und Nice-to-ha­ves wie Boo­me­rangs (Mi­ni­vi­de­os, die in End­los­schlei­fe vor­wärts und rück­wärts ab­ge­spielt wer­den) oder wei­te­re Ver­sio­nen der Wer­be­mit­tel für so­ge­nann­te Se­quen­cing Flights

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