KI und Au­to­ma­ti­sie­rung im De­sign

Künst­li­che In­tel­li­genz durch­dringt längst die Ar­beits­welt von Krea­ti­ven. Doch wo er­leich­tern in­tel­li­gen­te Tools tat­säch­lich das Ge­stal­ten, und wo neh­men sie uns viel­leicht zu viel ab? Und wie ver­än­dert sich da­durch die Rol­le von De­si­gnern?

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In wel­chen Fäl­len er­leich­tern Ki-ba­sier­te Tools das Ge­stal­ten, und ab wann neh­men sie uns zu viel ab?

● Im Ok­to­ber 2018 stell­te Ado­be auf der Ad­o­beMax-kon­fe­renz in Los An­ge­les ei­ne Soft­ware vor, bei der es wohl so man­chem Schrift­ge­stal­ter kalt den Rü­cken her­un­ter­lau­fen dürf­te. Font­pho­ria ge­ne­riert kom­plet­te Zei­chen­sät­ze aus ei­nem ein­zi­gen Buch­sta­ben, so­gar aus dem Fo­to ei­nes Schrift­zugs. Au­ßer­dem er­laubt es das Tool, sich den Font per Aug­men­ted Rea­li­ty auf rea­len Ob­jek­ten an­zei­gen zu las­sen. Noch gibt es Font­pho­ria nicht. Denn was der Soft­ware­ent­wick­ler Pra­veen Ku­mar Dha­nu­ka an die­sem Abend bei den MAX Sneaks prä­sen­tiert, be­fin­det sich mo­men­tan noch in der Ex­pe­ri­men­tier­pha­se ( https://is.gd/font­pho­ria ). Den­noch: Font­pho­ria de­mons­triert, was mit neu­en Tech­no­lo­gi­en wie Ad­o­bes künst­li­cher In­tel­li­genz Sens­ei be­reits mög­lich ist – und lässt er­ah­nen, was auf uns zu­kommt.

Ado­be-ver­tre­ter wur­den wäh­rend der drei Kon­fe­renz­ta­ge nicht mü­de zu be­to­nen, dass KI nichts Be­droh­li­ches sei, son­dern et­was Nütz­li­ches. »Sie er­laubt es uns, Werk­zeu­ge zu ent­wi­ckeln, die Gestal­tern ba­na­le und re­pe­ti­ti­ve Tä­tig­kei­ten ab­neh­men – da­mit sie ih­re Zeit und Ener­gie in ih­re krea­ti­ve Ar­beit ste­cken kön­nen«, so et­wa Scott Bels­ky, Chief Pro­duct Of­cer für die Ado­be Crea­ti­ve Cloud. »Ich ken­ne kei­nen, der drei St­un­den für et­was auf­wen­den möch­te, das in drei Mi­nu­ten fer­tig sein könn­te.« Das klingt erst mal ziem­lich gut. Vor al­lem, wenn man be­denkt, dass ein Groß­teil der täg­li­chen Ar­beit von Krea­ti­ven in eben die­sen läs­ti­gen Auf­ga­ben be­steht – Bil­der su­chen, frei­stel­len, stem­peln, Schrift set­zen et ce­te­ra. Aber na­tür­lich hat die Au­to­ma­ti­sie­rung auch Kon­se­quen­zen für die Rol­le von De­si­gnern und wie sie sich in Zu­kunft auf­stel­len soll­ten.

We­ni­ger ma­nu­el­le Ar­beit

Dass sich der De­si­gn­be­ruf durch die Ent­wick­lung der Tech­nik per­ma­nent und zum Teil tief­grei­fend ver­än­dert, ist ja nichts Neu­es. Der letz­te gro­ße Um­bruch kam mit der Um­stel­lung der Druck­vor­stu­fe auf das Desk­top-pu­blis­hing in den 1980er Jah­ren – ei­ne äu­ßerst auf­re­gen­de Zeit für da­ma­li­ge De­si­gner, aber un­leug­bar ei­ne gro­ße Ar­beits­er­leich­te­rung. Neu sind die Wucht und das Tem­po, mit de­nen Tech­no­lo­gi­en heu­te auf den Markt drän­gen. Plug-ins für In­de­sign, Ac­tions in Pho­to­shop, Tem­pla­tes im Web­de­sign – De­si­gner nut­zen schon seit Län­ge­rem Werk­zeu­ge, die be­stimm­te Ar­beits­schrit­te au­to­ma­ti­sie­ren. Mit der ra­sant zu­neh­men­den Qua­li­tät und Prä­zi­si­on von Bild-, Sprach-, und Tex­ter­ken­nung durch künst­li­che In­tel­li­genz wer­den die­se Tools im­mer smar­ter und neh­men dem Gestal­ter um­so mehr ab. Das Ziel von Ado­be ist letzt­lich ein Ki-as­sistent, dem Krea­ti­ve nur noch sa­gen müs­sen, was sie ha­ben wol­len – und das Pro­gramm setzt es dann ei­gen­stän­dig um.

Für man­che ver­schwin­den da­mit läs­ti­ge Auf­ga­ben, für an­de­re die Exis­tenz­grund­la­ge. Rein­zeich­ner,

Di­gi­ta­ler Nar­ziss – KI im Spie­gel

Künst­li­che In­tel­li­genz kann Bil­der er­ken­nen und be­schrei­ben. Aber er­kennt sie auch sich selbst? Gibt es ein di­gi­ta­les Selbst­be­wusst­sein? Die­ser Fra­ge geht das Ber­li­ner Stu­dio Waltz Bi­nai­re in ei­ner ex­pe­ri­men­tel­len In­stal­la­ti­on nach (http://waltz­bi­nai­re. com/work/narc/). Dar­in be­trach­tet sich ein Com­pu­ter oh­ne Hül­le in ei­nem Spie­gel und be­schreibt, was er sieht. Sein an­spie­lungs­rei­cher Na­me: Nar­ciss. Die In­ter­pre­ta­tio­nen des ei­ge­nen Spie­gel­bilds rei­chen von »ein To­as­ter« über »ei­ne Stadt bei Nacht« bis hin zu »ei­ne Per­son, die ein Fo­to von ih­rem Spie­gel­bild macht«. »Das bin ich« ist nicht da­bei. Und das be­ru­higt den mensch­li­chen Be­trach­ter, denn es er­klärt ei­ne der letz­ten Bas­tio­nen des Mensch­seins – die Selbst­er­kennt­nis – für si­cher. Den­noch bleibt die mul­mi­ge Fra­ge: Wie lan­ge noch? Li­tho­gra­fen, Me­di­en­ge­stal­ter, die auf rei­ne Aus­füh­rungs­ar­bei­ten spe­zia­li­siert sind, wer­den über kurz oder lang nicht mehr ge­braucht. Richard Jung, Pro­fes­sor für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign an der Hoch­schu­le Nie­der­rhein, zeich­net hier ei­ne Par­al­le­le zum Ver­schwin­den von Be­ru­fen durch die In­dus­tria­li­sie­rung: »Der Gra­fik­de­si­gner, der in Se­rie Din­ge für den all­täg­li­chen Ge­brauch ge­stal­tet, ist der In­dus­trie­ar­bei­ter des 21. Jahr­hun­derts.« Be­denk­lich fin­det er das al­ler­dings nicht: »Wenn stu­dier­te und gut aus­ge­bil­de­te De­si­gner ei­nen Groß­teil ih­rer Zeit mit Rein­zeich­nung, Schrift­satz oder Li­tho­gra­fie ver­brin­gen,

»Ich ha­be kei­ne Angst vor KI, denn den krea­ti­ven Pro­zess an sich wird sie nicht be­ein­träch­ti­gen« Alex­an­d­ros Mich­a­la­ko­pou­los, Mit­grün­der von Mor­pho­ria De­sign Collec­tive in Düs­sel­dorf

ist das doch Ver­schwen­dung. Lasst das Ma­schi­nen ma­chen!« Bleibt je­doch die Fra­ge: Was tun De­si­gner mit der ge­won­ne­nen Zeit?

Mehr den­ken

De­sign ist kei­ne blo­ße Ober­flä­chen­ge­stal­tung – oder soll­te es nicht sein. Mit dem Kun­den zu kom­mu­ni­zie­ren, sein Pro­blem zu ver­ste­hen und ei­ne gu­te Lö­sung für ihn zu er­ar­bei­ten, geht über Gestal­tung im en­ge­ren Sin­ne hin­aus – mehr noch: Es ist die Ba­sis für je­de gu­te Ar­beit. »Wir müs­sen uns wie­der dar­auf be­sin­nen, was der ei­gent­li­che Kern un­se­res Tuns als De­si­gner ist: Pro­ble­me krea­tiv zu lö­sen«, so Jung.

Wenn Gestal­ter we­ni­ger Zeit für die Aus­ar­bei­tung ih­rer Ide­en be­nö­ti­gen, kön­nen sie mehr Zeit in die Stra­te­gie ste­cken. Und das ist et­was, das ih­nen kei­ne Ma­schi­ne ab­neh­men kann. »Ein De­si­gner ge­stal­tet nicht nur, son­dern löst ein Pro­blem für ei­nen Kun­den. Er muss sich in des­sen La­ge ver­set­zen, um ei­ne Idee zu ent­wi­ckeln. Die­ser Schritt ist not­wen­dig und kann mei­ner Mei­nung nach nicht au­to­ma­ti­siert wer­den«, ist Bir­git Pal­ma über­zeugt, die als Il­lus­tra­to­rin in Bar­ce­lo­na ar­bei­tet. Denn da­zu braucht es Em­pa­thie, so­zia­le Kom­pe­tenz und die Fä­hig­keit, auch mal quer zu den­ken. Die­se Skills sind es, die gu­tes statt be­lie­bi­ges De­sign her­vor­brin­gen. »Stan­dard­de­signs wer­den wohl künf­tig mehr von Bil­lig­an­bie­tern und Ma­schi­nen rea­li­siert wer­den. Aber für fun­dier­te De­si­gn­leis­tun­gen, die auf Be­ra­tung und Fach­ex­per­ti­se be­ru­hen, wer­den wei­ter­hin gu­te De­si­gner be­nö­tigt«, meint Frank Wa­che, Ge­schäfts­füh­rer der Bran­ding- und De­si­gnagen­tur Ju­no. »KI zwingt uns da­zu, noch mehr zu Be­ra­tern zu wer­den.« Des­halb setzt Ju­no auf den »mit­den­ken­den De­si­gner, der nicht nur Aus­füh­ren­der, son­dern auch Kon­zep­ter ist«.

Da­für braucht es ei­ne ganz­heit­li­che Her­an­ge­hens­wei­se und mög­lichst gro­ßes All­ge­mein­wis­sen, so Stefan Wöl­wer, Pro­fes­sor für In­ter­ac­tion De­sign an der HAWK Hoch­schu­le Hil­des­heim/holz­min­den/ Göt­tin­gen: »Wir müs­sen brei­ter und fun­dier­ter den- ken und dür­fen uns nicht auf das dif­fu­se Kon­strukt Krea­ti­vi­tät ver­las­sen. Weg von der eher künst­le­ri­schen hin zu mehr sys­te­mi­scher Gestal­tung.« Das ist zwar kein neu­er An­satz, aber die wach­sen­de Au­to­ma­ti­sie­rung der hand­werk­li­chen Ar­beits­schrit­te macht die Umori­en­tie­rung weit­aus zwin­gen­der. Ent­spre­chend ge­win­nen Dis­zi­pli­nen wie User Ex­pe­ri­ence, In­ter­ac­tion und Ser­vice De­sign im­mer mehr an Be­deu­tung, da sie stra­te­gi­sche so­wie ver­hal­tens­ver­än­dern­de Aspek­te von De­sign in den Fo­kus rü­cken. Na­tür­lich gibt der Krea­ti­ve die Gestal­tung nicht kom­plett aus der Hand, aber die Her­an­ge­hens­wei­se än­dert sich grund­le­gend.

Mehr ku­ra­tie­ren

Beim ge­ne­ra­ti­ven De­sign er­zeugt der Com­pu­ter auf der Ba­sis be­stimm­ter Pa­ra­me­ter ei­ne Viel­zahl Ent­wür­fe, aus de­nen der Gestal­ter aus­wählt. Mit selbst­ler­nen­den Pro­gram­men (Stich­wort: Ma­chi­ne Le­arning) las­sen sich im­mer ge­ziel­ter De­signs ma­schi­nell er­stel­len. Die Auf­ga­be des Gestal­ters ver­la­gert sich da­hin, die neu­ro­na­len Netz­wer­ke zu trai­nie­ren, ih­nen die rich­ti­gen Da­ten zu ge­ben und die bes­ten Lö­sun­gen aus­zu­wäh­len und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. An­lei­ten und ku­ra­tie­ren statt selbst zu ge­stal­ten – da­hin könn­te die Rei­se für vie­le De­si­gner ge­hen.

»An­spruchs­vol­le Mar­ken be­zah­len nicht für et­was, das sie auf Knopf­druck be­kom­men, son­dern für in­di­vi­du­el­le Be­ra­tung und maß­ge­schnei­der­te Lö­sun­gen« Frank Wa­che, Ge­schäfts­füh­rer der Bran­din­gund De­si­gnagen­tur Ju­no in Ham­burg

Die­se Ku­ra­to­ren­rol­le ent­spricht im Grun­de der des Krea­tiv­di­rek­tors – mit dem Un­ter­schied, dass die Va­ri­an­ten nicht mehr von Ju­nior­de­si­gnern und Prak­ti­kan­ten kom­men, son­dern ver­mehrt von Ma­schi­nen. Da­für braucht es nach wie vor ein trai­nier­tes Au­ge. »Die Grund­la­gen gu­ten De­signs muss man ken­nen – aber man muss zu­künf­tig nicht mehr wis­sen, wie man es im De­tail in Pho­to­shop um­setzt«, sagt Pro­fes­sor Richard Jung. Er ist über­zeugt, dass Grund­wis­sen in De­sign- und Kunst­ge­schich­te so­wie die Ent­ste­hung tra­di­tio­nel­ler Gestal­tungs­re­geln auch wei­ter­hin Fun­da­ment der De­si­gnaus­bil­dung blei­ben wer­den. Nur so kön­ne man be­ur­tei­len, wel­che Ent­wür­fe funk­tio­nie­ren – und wel­che nicht.

Letzt­lich ent­steht auch bei der au­to­ma­ti­sier­ten Pro­duk­ti­on nur gu­tes De­sign, wenn Mensch und Ma­schi­ne zu­sam­men­ar­bei­ten. Vor al­lem für neu­ar­ti­ge, in­no­va­ti­ve Lö­sun­gen ist der mensch­li­che Gestal­ter zu­stän­dig. »KI schöpft im Mo­ment im­mer aus dem Vor­han­de­nen, sie kre­iert nichts wirk­lich Neu­es. Und das ist es doch, wo­für Krea­ti­ve ste­hen! Neue Ide­en las­sen sich nicht au­to­ma­ti­sie­ren – zu­min­dest noch nicht«, sagt Pa­trik Sün­woldt, In­ha­ber und Per­so­nal­be­ra­ter bei De­si­gner­dock Wien. Er sieht da­her nicht schwarz für den Ar­beits­markt: »Im Ge­gen­teil: Es ent­ste­hen qua­si täg­lich neue Be­rufs­bil­der. Das er­for­dert na­tür­lich Fle­xi­bi­li­tät auf­sei­ten der Gestal­ter.« Auch für Richard Jung liegt die Zu­kunft in der Zu­sam­men­ar­beit von mensch­li­cher und künst­li­cher In­tel­li­genz: »Ma­schi­nen sind gna­den­los lo­gisch, wo­hin­ge­gen der Mensch gna­den­los ir­ra­tio­nal und emo­tio­nal ist. Doch ge­ra­de in der Kom­bi­na­ti­on bei­der steckt viel Po­ten­zi­al – wie bei Mr. Spock und Cap­tain Kirk!« Da­bei soll­ten Gestal­ter aber die Ba­lan­ce im Au­ge be­hal­ten: »Es ist wich­tig, den Com­pu­ter als hel­fen­des In­stru­ment an­zu­se­hen, ihn aber nicht den Krea­tiv­pro­zess über­neh­men zu las­sen«, warnt Bir­git Pal­ma.

Mehr dif­fe­ren­zie­ren

Bei al­ler Ar­beits­er­leich­te­rung wird die Au­to­ma­ti­sie­rung al­ler­dings auch be­denk­li­che Ne­ben­wir­kun­gen ha­ben. So kann die da­mit ein­her­ge­hen­de Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung nach hin­ten los­ge­hen, wenn sie De­si­gner da­zu drängt, im­mer schnel­ler im­mer mehr Pro­jek­te um­zu­set­zen, statt die ge­won­ne­ne Zeit in die Kon­zep­ti­on zu ste­cken. Gleich­zei­tig füh­ren ein­fa­cher zu be­die­nen­de Pro­gram­me da­zu, dass auch Lai­en ei­ni­ger­ma­ßen gu­te Gestal­tung pro­du­zie­ren kön­nen. Ado­be nennt das »die De­mo­kra­ti­sie­rung von De­sign« und nimmt ne­ben pro­fes­sio­nel­len Krea­ti­ven be­wusst die Ziel­grup­pe der so­ge­nann­ten »Ca­su­al Crea­ti­ves« ins Vi­sier. Vie­le De­si­gner be­fürch­ten da­durch ei­nen Wert­ver­lust ih­rer Ar­beit, wie ei­ne Stu­die im Auf­trag von Ado­be her­aus­ge­fun­den hat (sie­he Kas­ten rechts).

Aber wie schon die »Tem­pla­ti­sie­rung« des Web­de­signs zeigt: Au­to­ma­ti­sie­rung führt oft zu Ho­mo­ge­ni­sie­rung. Dar­aus er­wächst wie­der­um der Wunsch, sich ab­zu­he­ben – und die Mög­lich­keit für Pro­fis, für die­se Di­fe­ren­zie­rung zu sor­gen. »Wenn Kun­den das reicht, was ei­ne Ma­schi­ne ge­ne­riert, sind das nicht die Kun­den, für die ich ar­bei­ten will. Das ist auch im­mer ei­ne Fra­ge des An­spruchs an sich selbst«, sagt Alex­an­d­ros Mich­a­la­ko­pou­los, Mit­grün­der von Mor­pho­ria De­sign Collec­tive in Düs­sel­dorf. Auch Frank Wa­che macht sich kei­ne Sor­gen: »Top­mar­ken kön­nen es sich nicht leis­ten, mit 08/15-De­signs auf­zu­t­re-

»Für wirk­lich gu­te Lay­outs gibt es kei­ne For­mel. Man kann sich viel­leicht am Gol­de­nen Schnitt ori­en­tie­ren, doch In­tui­ti­on und Bauch­ge­fühl kann bis jetzt kei­ne KI er­set­zen« Pa­trik Sün­woldt, In­ha­ber und Per­so­nal­be­ra­ter Krea­ti­on bei De­si­gner­dock Wien

ten. Sie wer­den wei­ter­hin in in­di­vi­du­el­les De­sign in­ves­tie­ren, um sich von der Mas­se ab­zu­he­ben.«

De­si­gner und Agen­tu­ren, die ei­nen Groß­teil ih­rer Ein­nah­men mit Um­set­zungs­sar­bei­ten ver­die­nen, müs­sen um­den­ken. Denn je leich­ter und schnel­ler die­se Auf­ga­ben er­le­digt wer­den kön­nen, des­to we­ni­ger wer­den Auf­trag­ge­ber da­für zah­len – oder sie so­gar in­hou­se er­le­di­gen las­sen. »Man­che be­prei­sen ih­re Zeit, an­de­re die krea­ti­ve Leis­tung an sich so­wie ih­re Er­fah­rung«, sagt Ru­fus Deuch­ler, Crea­ti­ve Cloud Evan­ge­list bei Ado­be Sys­tems. »Es geht nicht nur dar­um, dass et­was gut aus­sieht, son­dern auch dar­um, dass es sich gut im­ple­men­tie­ren und pro­du­zie­ren lässt. Hier kom­men Fach­kennt­nis und Er­fah­rung ins Spiel – und das mer­ken die Kun­den.«

Mehr Zu­kunft

Ins­ge­samt müs­sen De­si­gner sich al­so brei­ter auf­stel­len und stra­te­gisch den­ken – was nicht be­deu­tet, dass künst­le­ri­sches und hand­werk­li­ches Ta­lent an Wert ver­lie­ren. Ni­schen wird es auch in Zu­kunft ge­ben, schon al­lein auf­grund der Fas­zi­na­ti­on, die tra­dier­te Hand­werks­kunst heu­te aus­übt. So bil­de­te sich auf der Aus­stel­lungs­flä­che der Ado­be MAX in Los An­ge­les ei­ne der längs­ten Schlan­gen am Stand von Erik Spie­ker­manns Old­school-dru­cke­rei p98a, wo die Be­su­cher an ei­ner al­ten Dru­cker­pres­se ei­gen­hän­dig Ty­po­pos­ter pro­du­zie­ren konn­ten.

Doch mit sol­chen Lieb­ha­ber­pro­jek­ten wer­den sich die we­nigs­ten De­si­gner lang­fris­tig über Was­ser hal­ten kön­nen. Des­halb ist es auch für pro­fes­sio­nel­le Gestal­ter wich­tig, sich von den neu­en tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten nicht ein­schüch­tern zu las­sen, son­dern sie als Chan­ce zu be­grei­fen – und sich gleich­zei­tig be­wusst ge­gen mög­li­che Fehl­ent­wick­lun­gen zu stem­men. »Auch wenn ei­nem bei so man­cher Soft­ware durch­aus mul­mig wird, krea­tiv im ei­gent­li­chen Sin­ne sind die­se Tools nicht«, sagt De­si­gner Alex­an­d­ros Mich­a­la­ko­pou­los und blickt op­ti­mis­tisch – aber vor­sich­tig – in die Zu­kunft. nik [7381]

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