Moral­fra­ge

Dr. Clau­dia Ger­des er­klärt, war­um Dee­pfakes ein Traum fürs Mar­ke­ting sind

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● Fa­kes wa­ren ges­tern, die Mensch­heit hat sich in­zwi­schen auf Dee­pfakes ge­stei­gert. Al­les fing be­kannt­lich vor ei­nem Jahr an, als auf Red­dit ein User na­mens dee­pfakes Por­no­clips zu pos­ten be­gann, de­ren Darstel­ler er mit Ge­sich­tern von Pro­mi­nen­ten ver­sah. Ha­ha, na und? Nö, die Sa­che ist ernst, denn da­hin­ter ste­cken mäch­ti­ge neu­ro­na­le Net­ze, die – von Da­ten ge­füt­tert – au­to­ma­tisch un­heim­lich echt wir­ken­de Vi­de­os fäl­schen kön­nen. Zwar ist die bald dar­auf er­schie­ne­ne Fa­ke­app wie­der ver­schwun­den, mit der sich fast je­der re­la­tiv ein­fach sei­ne ei­ge­ne Rea­li­tät bas­teln konn­te. Aber das Know-how liegt auf Git­hub be­reit und die im Netz so zahl­reich ver­tre­te­nen Scherz­kek­se zeig­ten gleich, was sonst noch al­les mög­lich ist. Zum Bei­spiel lie­ßen sie Do­nald Trump mit per­fek­ten Mund­be­we­gun­gen Chi­ne­sisch spre­chen. So über­zeu­gend könn­te man ihn theo­re­tisch auch Kim Jong Un den Krieg er­klä­ren las­sen.

Seit­her greift Pa­nik um sich. Tech­no­lo­gie­ex­per­ten war­nen be­reits vor ei­ner »In­fo­ka­lyp­se«, in der kein Mensch mehr weiß, was er glau­ben soll. USSe­na­to­ren bei­der Par­tei­en sor­gen sich, dass Dee­pfakes die Prä­si­den­ten­wahl von 2020 end­gül­tig ins Cha­os stür­zen wer­den. Die For­schungs­ab­tei­lung des Us-mi­li­tärs steckt Mil­lio­nen Dol­lar in die Ent­wick­lung von Me­tho­den, die Fäl­schun­gen au­to­ma­tisch ent­lar­ven. Was sich als äu­ßerst tri­cky er­weist.

Krea­ti­ve da­ge­gen könn(t)en sich freu­en. Nicht nur ei­ne neue Wel­le lus­ti­ger vi­ra­ler Fa­ke-vi­de­os könn­te an­rol­len, denn mit KI geht die Pro­duk­ti­on flott von der Hand. Bei Kd­nug­gets, ei­ner füh­ren­den Platt­form von Da­ta- und Ma­chi­ne-le­arning-spe­zia­lis­ten, malt man sich schon Agen­tu­ren aus, die Li­zen­zen fürs Map­ping der Ge­sich­ter von Ce­le­bri­tys oder In­flu­en­cern an­bie­ten. Da­mit könn­ten bei­spiels­wei­se die glei­chen Wer­be­fil­me in ver­schie­de­nen Län­dern mit ver­schie­de­nen Pro­mis lau­fen.

Auch der Be­griff »per­so­na­li­sier­te Wer­bung« er­hält viel­leicht ei­ne bis­lang un­ge­ahn­te Be­deu­tung. Es ist durch­aus mög­lich, dass wir ei­nes Ta­ges im Web per­ma­nent über Spots stol­pern, in de­nen wir selbst, Freun­de oder die Fa­mi­lie die Haupt­rol­le spie­len. Hof­fent­lich wird bis da­hin auch die Wer­bung coo­ler! Ich stel­le mir mal lie­ber nicht vor, das däm­li­che Paar im Cos­mos­di­rekt-spot, der mir zur­zeit so häu­fig be­geg­net, wä­ren ich und mein Part­ner.

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