Er­folg­reich fe­mi­nis­tisch

Drei Il­lus­tra­to­rin­nen, de­ren Frau­en­bil­der welt­weit ge­fragt sind

PAGE - - Inhalt -

● Ihr Stil und ihr An­satz sind ganz un­ter­schied­lich, aber trotz­dem gibt es Ge­mein­sam­kei­ten zwi­schen die­sen Il­lus­tra­to­rin­nen aus New York, Pa­ris und Lon­don: Sie al­le stel­len Kli­schees ra­di­kal in­fra­ge.

Am­ber Vit­to­ria. Trotz ih­rer jun­gen Jah­re hat die Zeich­ne­rin, de­ren Bil­der wir am An­fang die­ses Ar­ti­kels zei­gen, schon vie­le wich­ti­ge Prei­se ab­ge­räumt und be­geis­tert hoch­ka­rä­ti­ge Kun­den bis hin zu Guc­ci oder adi­das. Ty­pisch für ih­ren un­ge­wöhn­li­chen vi­su­el­len Um­gang mit der Weib­lich­keit sind win­zi­ge Köp­fe, über­lan­ge Glied­ma­ßen und vor al­lem su­per­run­de For­men. Fröh­li­che, ein­la­den­de Far­ben sol­len es den Be­trach­tern ein­fa­cher ma­chen, sich mit The­men aus­ein­an­der­zu­set­zen, die vie­len viel­leicht un­an­ge­nehm sind, so die New Yor­ker Il­lus­tra­to­rin. Das Bild im Auf­ma­cher auf Sei­te 19 ist üb­ri­gens ein Still aus dem Kurz­film »A Prick­ly Sub­ject« von He­len Plumb, in dem es um das stach­li­ge The­ma weib­li­che Kör­per­be­haa­rung geht. ↗ www.am­ber­vit­to­ria.com 1 Pol­ly Nor. Die Lon­do­ner Künst­le­rin und Il­lus­tra­to­rin setzt oft auf Schock­ef­fek­te – ei­ne Mil­li­on Fol­lo­wer auf Ins­ta­gram lie­ben das. Sie selbst sagt, dass sie am liebs­ten »Frau­en und ih­re Dä­mo­nen« zeich­net, und tat­säch­lich ist auf ih­ren Bil­dern häu­fig ei­ne weib­li­che Teu­fels­ge­stalt zu se­hen – als Me­ta­pher fürs Rin­gen um die ei­ge­ne Iden­ti­tät. In die­se Ker­be schla­gen auch die lee­ren Kör­per­hül­len, die eben­falls oft als Mo­ti­ve wie­der­keh­ren – und die sie zu­dem als ech­te Ob­jek­te auf ih­ren Aus­stel­lun­gen zeigt. Pro­vo­ka­ti­ve Bil­der wie das rechts oben ver­kauft sie in ih­rem On­li­ne­shop als Prints. ↗ www.pol­ly­nor.com

2 Cé­ci­le Dor­meau. Mit hu­mor­vol­len Il­lus­tra­tio­nen und GIFS geht die Fran­zö­sin durch­aus erns­te The­men an. Es wun­dert nicht, dass auch ihr Ins­ta­gram-ac­count @ce­ci­le.dor­meau ent­spre­chend be­liebt ist. Doch auch bö­se Kom­men­ta­re be­kam sie schon we­gen ih­rer vie­len fül­li­gen Cha­rak­te­re. In ih­rem Ein­satz ge­gen Fat Sha­ming und all die an­de­ren stän­di­gen An­sprü­che ans weib­li­che Aus­se­hen hat sie das bloß be­stärkt, zu­mal sie wie so vie­le Mäd­chen als Te­enager mit ih­rem Selbst­bild schwer zu kämp­fen hat­te. In­zwi­schen wird Cé­ci­le Dor­meau von der re­nom­mier­ten Lon­do­ner Agen­tur Blink Art ver­tre­ten. cg ↗ http://ce­ci­le-dor­meau.tum­blr.com

Char­lot­te Wa­les. Zu­dem ent­hält der Band In­ter­views mit Fo­to­gra­fen, Sty­lis­ten, Set­de­si­gnern und den Auf­trag­ge­bern von Mo­de­fo­tos.

Statt von Mo­dels ist da­bei oft von sit­ters, al­so Por­trä­tier­ten die Re­de. »Die­se Fo­to­gra­fen be­trach­ten die sit­ters als gleich­wer­ti­ge Part­ner im Krea­ti­ons­pro­zess«, er­klärt Mit­her­aus­ge­be­rin Hol­ly Hay, die ak­tu­ell als Fo­to­che­fin von »Wall­pa­per« und frü­her bei Ma­ga­zi­nen wie »Ga­ra­ge« oder »Ano­ther« schon mit den meis­ten der Fo­to­gra­fen im Buch ge­ar­bei­tet hat. Was Mo­de für den Kör­per be­deu­tet und um­ge­kehrt, wer­de in die­sen Fo­tos neu de­fi­niert – oft mit wit­zi­gen, skur­ri­len Ins­ze­nie­run­gen.

Was ma­chen die Sto­ckagen­tu­ren?

Vie­le Me­di­en- und Wer­be­fo­tos wer­den al­ler­dings nicht ei­gens an­ge­fer­tigt, son­dern kom­men aus Bild­ar­chi­ven – und gal­ten lan­ge als schreck­lich kli­schee­haft. Dar­an hat sich zum Glück vie­les ge­än­dert. Ein ein­fa­cher Test zeigt, wo die Agen­tu­ren je­weils beim The­ma Ge­schlech­ter­rol­len ste­hen: Man ge­be schlicht den Such­be­griff »Frau« ein und prü­fe die Er­geb­nis­se.

Pro­gres­si­ver Vor­rei­ter ist zwei­fels­oh­ne Get­ty Images, wie sich da­bei zeigt. Die Agen­tur hat im­mer viel Geld und Mü­he in Trend­for­schung ge­steckt und brach­te schon vor Jah­ren mit Lea­nin.org – der welt­weit ak­ti­ven Platt­form für be­rufs­tä­ti­ge Frau­en – die »Le­an In Collec­tion« auf den Markt. Auch ei­ni­ge tren­di­ge klei­ne­re Agen­tu­ren bie­ten schö­ne Fo­tos an. So et­wa plain­pic­tu­re, was vor al­lem dar­an liegt, dass die Ham­bur­ger von An­fang an auf Au­then­ti­zi­tät setz­ten.

Tat­säch­lich ist Letz­te­res der Schlüs­sel für zeit­ge­mä­ße Frau­en­bil­der, wie Bren­da Mi­lis er­klärt. Nach der Über­nah­me von Fo­to­lia durch Ado­be Stock lei­tet sie dort den Be­reich Crea­ti­ve Ser­vices and Vi­su­al Trends. »Fo­tos von Frau­en re­prä­sen­tie­ren heu­te ei­ne rie­si­ge Band­brei­te ver­schie­dens­ter Iden­ti­tä­ten, Kul­tu­ren und Er­fah­run­gen. Wir kom­mu­ni­zie­ren eng mit un­se­ren Kont­ri­bu­to­ren, da­mit sie Frau­en bei mög­lichst viel­fäl­ti­gen Be­rufs- und Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten ab­bil­den«, be­rich­tet Mi­lis. »Mo­dels wer­den we­ni­ger ge­schminkt, statt Po­sen ist na­tür­li­ches Ver­hal­ten ge­fragt. Auch bei Cas­ting, Sty­ling, Licht und Lo­ca­ti­ons soll­te sich al­les mög­lichst rea­lis­tisch an­füh­len: Ge­gen­über Stu­dio­bil­dern be­vor­zu­gen wir Shoo­tings vor Ort, Klei­dung und Ma­ke-up soll­ten in der ab­ge­bil­de­ten Si­tua­ti­on glaub­wür­dig wir­ken.«

Ver­kau­fen sich die­se Fo­tos auch? »Der Be­darf an Bil­dern ver­schie­dens­ter Frau­en­ty­pen in ver­schie­dens­ten Si­tua­tio­nen ist rie­sig und wächst stän­dig«, so Bren­da Mi­lis. »Kein Wun­der! Mar­ken und Un­ter­neh­men wol­len ja für die­se im­mer wich­ti­ge­re Ziel­grup­pe at­trak­tiv wer­den.« Von Ste­reo­ty­pen ab­zu­rü­cken, macht al­so auch wirt­schaft­lich Sinn – viel­leicht wird es auf Dau­er so­gar zur Über­le­bens­fra­ge für vie­le Mar­ken. cg [7490]

1

2

Die Ham­bur­ger Bild­agen­tur plain­pic­tu­re hat schon lan­ge au­then­ti­sche Frau­en­bil­der im An­ge­bot – häu­fig von weib­li­chen Fo­to­gra­fin­nen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.