De­sign für ’nen Fün­ferr?

Der Fre­e­lan­cer-markt­platz Fi­verr kommt nach Deutsch­land. Gu­te oder schlech­te Nach­richt für Krea­ti­ve?

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● Über 130 000 deut­sche Re­gis­trie­run­gen ver­zeich­ne­te die is­rae­li­sche Platt­form schon, be­vor sie ihr neu­es Ber­li­ner Bü­ro er­öff­ne­te – beim blo­ßen Vor­bei­schau­en auf der Web­site wird man aber auch gleich so ef­fek­tiv »über­re­det«, sich fix an­zu­mel­den, dass das wo­mög­lich nicht viel zu sa­gen hat. Nun will Fi­verr sys­te­ma­tisch den deut­schen Markt er­obern, denn in der so­ge­nann­ten Gig­eco­no­my steckt Geld. Seit der Grün­dung 2009 wur­den schon über 40 Mil­lio­nen Auf­trä­ge ab­ge­wi­ ckelt. An­geb­lich steht wie bei Kon­kur­rent Up­work bald der Bör­sen­gang an.

Al­ler­dings haf­tet Fi­verr nach wie vor der Ruf des Bil­lig­hei­mers an – ob­wohl der Mit­grün­der Micha Kauf­man kürz­lich ge­gen­über dem »Han­dels­blatt« be­haup­te­te, der Na­me ste­he für die fünf Mi­nu­ten, in de­nen man bei ih­nen für je­den Job den rich­ti­gen Frei­be­ruf­ler fin­det. Über­zeugt nicht ganz, denn im­mer noch bie­ten Gestal­ter aus al­len Tei­len der Welt Lo­gos für knapp fünf Eu­ro an, was um­ge­rech­net ge­nau den fünf Us­dol­lar ent­spricht, die dort seit je­her ein »Gig« min­des­tens kos­tet. Au­ßer­dem sind 85 Pro­zent der Kun­den von Fi­verr klei­ne­re und mitt­le­re Un­ter­neh­men mit mehr oder min­der be­grenz­ten Bud­gets.

Reich wer­den mit Mi­kro­jobs?

An­de­rer­seits gibt es in­zwi­schen Fi­verr Pro, die Pre­mi­um­ab­tei­lung mit »aus­ge­such­ten Top­de­si­gnern, de­nen welt­weit füh­ren­de Mar­ken ver­trau­en«, wie es of­fi­zi­ell heißt. Da be­gin­nen die Ho­

nora­re für ein Lo­go bei et­wa 500 Eu­ro. Auch Rob Ja­n­off, Gestal­ter des App­leSi­g­nets, ist ver­tre­ten und ver­spricht ein »Welt­klas­se­lo­go « ab 9000 Eu­ro. Er ist das Aus­hän­ge­schild der Fir­ma und spielt in ih­rer PR im­mer ei­ne Rol­le. Über­haupt scheint die Pres­se­ar­beit der Platt­form bes­tens zu funk­tio­nie­ren, denn re­gel­mä­ßig ist auch bei se­riö­sen Ma­ga­zi­nen zu le­sen, wie Fi­verr­krea­ti­ve in­ner­halb kur­zer Zeit Hun­dert­tau­sen­de Dol­lar ver­dient ha­ben. Die lu­kra­tivs­ten Be­rei­che sei­en Web­site­de­sign und ­De­ve­lop­ment, Gra­fik­de­sign (auch die Gestal­tung von Prä­sen­ta­tio­nen), Ap­pEnt­wick­lung und Chat­bo­ter­stel­lung, vor al­lem aber die Pro­duk­ti­on von Vi­de­os, ob nun Pro­dukt­prä­sen­ta­tio­nen, klei­ne So­ci­al­me­dia­clips oder ani­mier­te Er­klär­fil­me.

Vie­les bleibt un­durch­sich­tig

Wen die Auf­trag­ge­ber sich da­für ein­kau­fen, wis­sen sie al­ler­dings nicht ge­nau. Da­mit Fi­verr garantiert im­mer ih­re 20 Pro­zent Pro­vi­si­on er­hält, sol­len bei­de Sei­ten we­der E­mail­adres­sen noch Te­le­fon­num­mern aus­tau­schen, son­dern nur über die Platt­form kom­mu­ni­zie­ren. Und im Un­ter­schied zu Up­work muss man hier auch kei­ner­lei Nach­wei­se über ei­ne Aus­bil­dung er­brin­gen. Per­fekt, um sich neue Iden­ti­tä­ten zu­zu­le­gen. So kann man sei­ne Di­ens­te zum Bei­spiel gleich un­ter ei­nem Dut­zend ver­schie­de­ner Na­men an­bie­ten, um so die Tref­fer­quo­te zu er­hö­hen. Man­cher Kun­de soll auch schon Pro­fil­bil­der von Möch­te­gernPro­fi­ge­stal­tern als Stock­fo­to wie­der­er­kannt ha­ben.

An­ders krea­tiv, als wir das ge­mein­hin ver­ste­hen, wa­ren auch die über tau­send An­bie­ter, die sich bei Fi­verr als Tex­ter ge­fälsch­ter Pro­dukt­be­wer­tun­gen für den On­line­han­del feil­bo­ten und ge­gen die Ama­zon 2015 ge­richt­lich vor­ging. Na­tür­lich sind ih­re Ge­schäfts­be­din­gun­gen so, dass die Platt­form selbst da­für nicht ju­ris­tisch zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den konn­te. Sie war trotz­dem schlau ge­nug, die Pro­fi­le vor­sorg­lich zu lö­schen.

Wird auf Dau­er die De­si­gn­bran­che al­so auch Teil ei­ner Welt, die von in­ter­na­tio­nal agie­ren­den, mit Bör­sen­gel­dern fi­nan­zier­ten In­ter­net­markt­plät­zen be­herrscht wird? Gestal­ter aus Schwel­len­län­dern se­hen dar­in ei­ne rie­si­ge Chan­ce. Ma­lay­sia und Ni­ge­ria ha­ben mitt­ler­wei­le so­gar schon mit Aus­bil­dungs­pro­gram­men für On­li­neMi­kro­jobs be­gon­nen. Zahl­rei­che Gra­fik­de­si­gner bei Fi­verr kom­men aus In­di­en, Al­ba­ni­en oder Me­xi­ko. Kei­ne Fra­ge, fai­re Chan­cen für je­den wür­den zu ei­ner Welt füh­ren, in der wir al­le bes­ser le­ben. Platt­for­men, die kei­ne Ver­ant­wor­tung für das über­neh­men, was sie ver­brei­ten, son­dern nur Mil­lio­nen schef­feln wol­len, sind da­für nicht das rich­ti­ge Me­di­um. cg

Mit ei­ner gro­ßen Kam­pa­gne in­klu­si­ve Me­ga­pos­tern wie die­sem wur­de Fi­verr vor zwei Jah­ren in den USA rich­tig be­kannt

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