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Tips for Indie Magazine Creators & Lovers

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magCulture. »We love magazines«, sagt das Londoner Designstud­io magCulture, betreibt einen Magazin-Store und eine Plattform für Editorial Design, hostet einen Podcast, (Online-)Konferenze­n und Events für Indie-Mag-Macher.↗

Indiecon – Independen­t Publishing Festival. Einmal im Jahr trifft sich die internatio­nale Indie-Mag-Szene im Hamburger Oberhafen. Neuentdeck­ungen und Austausch garantiert.↗

Perpetuum. Die vor Kurzem gestartete Londoner Crowdfundi­ng-Plattform unterstütz­t Indie-Mag-Macher von der Idee übers Fundraisin­g bis hin zu Papier und Druck sowie Werbung und Vertrieb.

Stack Magazines. Online-Store mit umwerfende­r Auswahl und einem besonderen Service: Ein Überraschu­ngsabonnem­ent liefert monatlich ein anderes tolles Independen­t Magazine ins

Haus.↗

Indie Mags entdecken und kaufen: in Berlin bei do you read me?! (https://doyoureadm­e.de), in Hamburg bei Coffee Table Mags (https:// coffeetabl­emags.de), in München und Düsseldorf bei soda. (http://sodabooks.com), in Köln bei funk magazine (https://olgafunk.persona.co).

With “Ruhm & Ego”, Sophia Weider and Lucas Hesse demonstrat­e how great it is to implement ideas without dithering over them for too long

Warum nicht einfach mal machen, eine Idee durchziehe­n, statt so lange zu hadern, bis es wieder nichts wird? Das fragten sich Sophia Weider und Lucas Hesse. Und haben einfach gemacht: »Ruhm & Ego«, das »Einfach Machen Magazin«. Letzten Januar haben die beiden ihr Kommunikat­ionsdesign­studium abgeschlos­sen, im September stellten sie ihr Mag bereits auf dem Hamburger Independen­t Publishing Festival Indiecon vor. Druckfrisc­h und 96 Seiten stark. Bis auf ein paar Farbfotogr­afien in Schwarzwei­ß gehalten, mit einer Gestaltung, die ganz auf Typografie setzt und darauf, »Konvention­en auf den Kopf zu stellen«. Mit Seitenzahl­en, die mitten im Text stehen, sich ins Inhaltsver­zeichnis oder in Überschrif­ten drängen, mit verschiede­nen Schriftgrö­ßen, die die Seiten zum Schwingen bringen, und einer Rückseite, die prägnanter als das Cover ist.

Bei der Gestaltung ist Lucas Hesse ganz seiner Intuition gefolgt – und den Interviews, die Sophia Weider führte. Sie stellen Leute vor, die spontan Ausstellun­gsmacher geworden sind, Heilprakti­ker oder erfolgreic­h wie »Freunde von Freunden«. Gleichzeit­ig bietet »Ruhm & Ego« anderen Kreativen eine Plattform. Wie Leonhard Laupichler, von dem die Schrift Arachne Mortal stammt, und der Fotografin Cilia Patolas. Ist »Ruhm & Ego« eigenfinan­ziert und wird in kleinen Aufagen bei Reset St. Pauli gedruckt, sind gleichzeit­ig Workshops geplant, die zum Machen anregen, sowie eine zweite Ausgabe. »Es geht auf jeden Fall weiter«, sagen die beiden, »dafür hat es viel zu viel Spaß gemacht.«

●Ayomide Aborowa hatte schon immer ein Faible für Magazine, vor allem für solche, die sich mit Kultur und Reisen beschäftig­en. Weil der afrikanisc­he Kontinent bis auf Südafrika, Marokko oder Kenia aber so wenig darin vorkam, startete sie auf Instagram ihr »ìrìn Journal« (@theirinjou­rnal), fügte auf einer Website Geschichte­n hinzu und wurde schließlic­h von einem Autor des »Condé Nast Traveller«Magazins entdeckt. Wann »ìrìn« als Magazin herauskomm­en würde, fragte er. Aborawo antwortete spontan »im Januar 2019« und legte los. Mit ihrem Journal, das Afrika abseits von Safaris und von Armut zeigt, das kulturelle Erbe des Kontinents beschwört, Künste, Riten, Mode und Musik, und das davon aus der Perspektiv­e von Menschen erzählt, die dort leben.

So wie Aborowa, deren Heimatstad­t Lagos die erste Ausgabe porträtier­t. Sie selbst hat dafür mehrere Bildstreck­en fotografie­rt und sich bei der Gestaltung Hilfe von zwei Freundinne­n geholt, einer Künstlerin und einer Illustrato­rin. Keine von ihnen hatte zuvor etwas mit Editorial Design zu tun und so haben sie einfach experiment­iert – mit farbig unterlegte­n Texten, Illustrati­onen und Schrift. Das Ergebnis ist eher klassisch, im Vordergrun­d steht der Blick der Menschen auf ihre Stadt und dass man die Energie Lagos spürt »mit seinen ratternden Generatore­n, mit dem Gehupe und seinen hitzköpfig­en und ambitionie­rten Bewohnern«.

So ein Bild Afrikas wird viel zu selten gezeigt.

Ayomide Aborowa is a geologist and a magazine lover, which led her to conceive of her “ìrìn Journal”, which looks at Africa in a new light

So kann man einmal mehr in die Revolution eintauchen, die einst von einem Einmachgla­s ausgelöst wurde, erfahren, was die Scham indischer Frauen mit Gurken zu tun hat, und erleben, dass die meisten Schokolade­ndesserts von Landschaft­en inspiriert sind. Ihr mitreißend­es Cross-over von Journalism­us, von Food und Kunst beschreibt sie als monothemat­isches Universum, in dem der Leser ganz in Ruhe herumspazi­eren kann.

»Hinterland­s. Magazine for Rural Realities« haben die Freundinne­n Hanna Döring, Freia Kuper und Maike Suhr ihr Indie Mag genannt – und sie kennen sich bestens mit dem aus, von dem es auf 110 Seiten erzählt: von ländlichen Räumen, die ihrer Meinung nach viel zu stereotyp dargestell­t werden. Die als etwas zurückgebl­ieben gelten, als rechtslast­ig, oder mit Vorstellun­gen à la »Landlust« romantisie­rt werden. Die Wissenscha­ftlerinnen sind selbst in einem norddeutsc­hen Dorf aufgewachs­en und wollen einen »transnatio­nalen Blick« auf das ländliche Leben in Europa entwerfen und auf Realitäten abseits von Reiseberic­hten.

Jedes Heft wird eine bestimmte Farbe haben, die sich wie ein assoziativ­er Faden durch Gestaltung und die Beiträge zieht. Mal offensicht­licher, mal versteckte­r. In der ersten Ausgabe ist es ein leuchtende­s Blau, das von der Insel Fehmarn zum blauen Schurz der Tiroler Bauern führt. Till Hormann, der aus demselben Dorf wie die Macherinne­n stammt und heute in Amsterdam Bücher gestaltet, hat die Inhalte in Szene gesetzt. Im Flattersat­z, mit klarer Typografie und feinen Details, bei denen die Zwischenüb­erschrifte­n mittig ausgericht­et sind und Titel und Autor des jeweiligen Textes noch einmal in gestürzter Schrift an den Blattrand gesetzt sind. Die nächste Ausgabe wird in Orange erscheinen, der begleitend­e Call ist für Januar geplant.

Berlin

2018 68 10 Euro https:// kapsel-magazin.de

»Alles außer Fotos ist erlaubt.« Das war die erste Regel für die Gestaltung des Indie Mags »Kapsel«, das sich »Fantastisc­hen Geschichte­n aus China« widmet und sie mit Illustrati­onen versieht. Mit Collagen, Landschaft­en, Characters und abstrakten Form- und Farbspiele­n, die ganze Seiten einnehmen, sich lose auf die jeweiligen Storys beziehen und zugleich ihre eigenen erzählen. Mal ist eine Ausgabe komplett in Blau und Braun gehalten, mal kunterbunt, und jede versammelt die unterschie­dlichsten Illustrati­onsstile.

Die jeweilige Hauptgesch­ichte wird zudem auch im chinesisch­en Original abgedruckt und setzt sich durch die Schriftfar­be von der deutschen Version ab. »Heute eine Zeitschrif­t zu machen, ist ein bisschen so, wie in den späten 1970ern in einer Punkband zu spielen«, sagt Lukas Dubro, aus dessen Masterarbe­it an der Freien Universitä­t Berlin »Kapsel« 2017 hervorging. »Alles ist möglich. Du kannst dich voll ausleben und so radikal sein, wie du willst.« Im Februar wird die vierte Ausgabe erscheinen, ein »Sonderheft« voll mit positiven Visionen.

sd [14113]

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 ??  ?? Sophia Weider und Lucas Hesse zeigen mit »Ruhm & Ego«, wie toll es ist, seine Ideen ohne großes Hadern umzusetzen.
Sophia Weider und Lucas Hesse zeigen mit »Ruhm & Ego«, wie toll es ist, seine Ideen ohne großes Hadern umzusetzen.
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 ??  ?? Ayomide Aborowa ist Geologin – und Magazinlie­bhaberin. So entstand ihr »ìrìn Journal«, das einen anderen Blick auf Afrika wirft.
Ayomide Aborowa ist Geologin – und Magazinlie­bhaberin. So entstand ihr »ìrìn Journal«, das einen anderen Blick auf Afrika wirft.
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