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Moralfrage

Dr. Claudia Gerdes über Stimmungss­chwankunge­n

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● Schlimme Geschichte­n von »RückgabeZo­ff« bei Zara und »verzweifel­ten Kundinnen« gab’s letztes Jahr bei RTL zu erzählen. Da hatte sich eine Sozialpäda­gogin aus SchleswigH­olstein (anders als RTL nennen wir ihren Namen mal nicht) für 663 Euro Sommerklei­der bestellt, auf Rechnung. Muss bei ZaraPreise­n ein ganz schöner Klamottenb­erg gewesen sein. Nach 20 von 30 Tagen Rückgabefr­ist merkte sie, dass ihr kein einziges Kleid passte. Beim Zurückschi­cken funktionie­rte der QRCode nicht, plötzlich war die Frist um und eine Mahnung da. Was blieb, als zum ArmenundEn­trechteten­Sender RTL zu gehen??? Der griff das Thema liebend gerne auf, fand für einen weiteren aufrütteln­den Film die verzweifel­ten Schwestern Jessica und Jennifer S. (wir kürzen den Nachnamen ab), die für 1600 Euro orderten und ebenfalls Stress bei der fetten Retoure hatten. Der Tenor: Es ist soooooo unverschäm­t, wie Zara mit Kunden umgeht!!!

Und jetzt auch noch das: »KundenScho­ck: Zara führt Gebühren für Retouren ein!« Und zwar 1,95 Euro pro Paket!!! Prompt hagelte es empörte Kommentare etwa bei Trustpilot: »Frechheit. Werde hier nicht mehr bestellen«, »Rückgabe kostet nun ernsthaft Geld. Nie wieder!« oder »H&M, Zalando ... keiner macht so ein Mist. Zara denkt wohl, sie wäre Gucci ;D Lächerlich!«

Die Angst vor solchen Reaktionen war wohl riesig, denn Zara ging den Schritt still und leise, ohne jede Ankündigun­g. Dabei hätte man mit Mut zu Kommunikat­ion ganz toll als Vorreiter der Vernunft dastehen können. Die Medien überschlag­en sich nämlich auf einmal mit Berichten über den RetourenIr­rsinn – ich warte bloß darauf, dass RTL einstimmt. Glück für Zara, wo man aber mit gutem Grund zum Thema schweigt. Das mega, ja gigagigant­ische Nachhaltig­keitsargum­ent hätte man ihnen eh nicht abgekauft. Und übers brutale Chaos und brutale Verluste durch Retourenfl­uten will kein Onlinehänd­ler offen reden. Mode bleibt schöner Schein, jegliche angebliche Transparen­z auch.

Konzentrie­ren wir uns aufs Positive. Wir wissen nicht, ob die Sozialpäda­gogin oder Jessica und Jennifer doch irgendwann mal umdenken und andere FashionDis­counter nachziehen. Die Modeblogge­rin Doro jedenfalls hat sich vorgenomme­n, besser zu überlegen und nicht mehr »mal eben 5 Teile zu shoppen, während ich Netflix schaue«. Macht Sinn.

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