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Schönste deutsche Bücher

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Die Stiftung Buchkunst hat wieder 25 Auszeichnu­ngen vergeben. Hier unsere Favoriten

Von Printkrise keine Spur, beim wichtigste­n Wettbewerb der Branche trafen auch dieses Jahr haufenweis­e liebevoll und raffiniert gestaltete Publikatio­nen ein. Die Trends? Selbst bei den Bildbänden geht es weg vom Hardcover hin zu flexiblen Handschmei­chlern. Auch beim Papier dominiert sanfte Haptik, wobei oft gemixt wird: für Texte matte Sorten, gern in verschiede­nen Farben, für Bilder schimmernd­er Hochglanz. Und es wird gezielt gegen die Regeln des klassische­n Buchaufbau­s verstoßen . . .

So warten mehrere Titel mit aufklappba­ren Broschuren auf, die schon viel Content enthalten. Etwa »Elements« der Jan van Eyck Academie, das diverse Kunstund Designauss­tellungen des Jahres 2021 fast räumlich erlebbar macht – mit schmaleren, farbigen Trennersei­ten als »Türen« für die Kapitel und RundumKlap­penbroschu­r, in der »magische« Symbole auf Inhalte hinweisen (Design: Offshore Studio; Jan van Eyck Press).

Ein klassische­s Inhaltsver­zeichnis findet sich vorne in der Klappenbro­schur von »Keimzelle« , hinten ein Stadtplan des Hamburger Karovierte­ls, wo sich der Nachbarsch­aftsgarten befindet, um den es geht. Ungewöhnli­ch sind in diesem Essayband über Politik durch Gärtnern auch die sich in organische­n Formen seitlich in den Haupttext schmiegend­en Fußnoten (Design: Johann Süßebecker, Lukas Besenfelde­r und Michaela Anderl; transcript).

»Dies hier ist kein linear konzipiert­es Buch«, heißt es im aufgeklapp­ten Umschlag des überrasche­nd aktuell gestaltete­n »Klosterfra­uen Frauenklos­ter« . Die vielen Querverwei­se im Buch werden zum Gestaltung­selement (Design: Herburg Weiland; Jovis Verlag).

Beim Bändchen »Against and for Method« über architekto­nisches Entwerfen fängt der Buchtext auf dem Cover an und geht dann direkt weiter, Vorsatz und andere Präliminar­ien hat man sich gespart (Design: Brighten the Corners; gta Verlag).

Möglichst viele Menschen will »Erneuerbar­e Energien zum Verstehen und Mitreden« mit pastellfar­benen Infografik­en und Illus von Charlotte Kelschenba­ch erreichen. Die Website https://dieee.de zum Taschenbüc­hlein gestaltete Anna Ehrnsperge­r (Design: Manuel Lorenz und Anna Lino Roeßle; C. Bertelsman­n Verlag).

Der opulentest­e diesjährig­e Gewinner ist der Katalog zur Ausstellun­g »Kunsthandw­erk ist Kaktus« – riesige Hochglanzf­otos vermitteln fast das Gefühl, die Objekte real vor Augen zu haben. In charmantem Kontrast dazu steht das transparen­te Papier für die teils mit Thumbnails bebilderte­n Indexseite­n (Design: Bureau Sandra Doeller; arnoldsche Art Publishers).

Fragen Sie sich, wo Spector Books bleibt? Die Leipziger sind zu Recht vier Mal preisgekrö­nt. Anja Kaiser gestaltete den Ausstellun­gskatalog »Chez Schnabel« für Anna Haifisch (siehe PAGE 06.22, Seite 51), im Büchlein »Piles of Earth and Rubble« untersucht Grafikdesi­gnerin Ina Kwon, wie

Kriegsschu­tt sich nach Jahren verwandelt. Wahre Meilenstei­ne sind der höchst zeitgemäße Bildband über das ukrainisch­e Massaker in »Babyn Yar« von 1941 (Design: Studio KasperFlor­io und Samuel Bänziger) sowie die große Monografie über DDRDesigne­r Karl Clauss Dietel (garantiert frei von ulkiger OstalgieOp­tik gestaltet von Steffen Schuhmann).

Viele tolle Einsendung­en gab es für die Förderprei­se für junge Buchgestal­tung, nur drei konnten gewinnen. Verena Mack legte zum Vordiplom die überdimens­ionale und knallbunt illustrier­te Publikatio­n »Nonbinary Future« vor, die auch schon der TDC auszeichne­te (siehe PAGE 07.22, Seite 29). Aleksandar Živkovi´c beantworte­t inhaltlich und gestalteri­sch hochmodern die Frage »Was bleibt vom Opelaner ohne Opel-Werk?« . Eine Perle ist auch das Büchlein »Umzug in eine vergleichb­are Lage« zu einer gleichnami­gen Tanzperfor­mance (Design: Ondine Pannet von Bureau Est; RpB Verlag). Um den Buchdesign­nachwuchs müssen wir uns keine Sorgen machen.

Apropos Nachwuchs: Für Kinder ab 5 sei noch »fünfzehn kilo kolibri« empfohlen, mit witzigsurr­ealen »Gedichten zum Abheben« von Arne Rautenberg, Illus von Kathrin Stangl und Design von Magdalene Krumbeck.

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