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Alles fließt

Die Designs für die limitierte­n Releases des Indie-Labels Atlantic Rhythms entstehen in einem kollaborat­iven Prozess gemeinsam mit den Musiker:innen

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Neben seinem Job als Motion Designer und Creative Director bei Think Out Loud Production­s betreibt Sean Peoples das Label Atlantic Rhythms, mit dem er die IndieMusik­Szene in Washington DC dokumentie­rt (www.atlanticrh­ythms.com). »Die experiment­ellen Richtungen formen sich konstant neu, schaffen die Basis für Neues und inspiriere­n sich gegenseiti­g mit ihren Ideen und DIYAnsätze­n«, beschreibt Sean Peoples. »Diese Kollaborat­ion in der Community wollen wir mit unserem Label abbilden.« Gemeinsam mit dem Designer Nick Apace schuf er dafür ein so unverwechs­elbares wie zeitloses Gestaltung­skonzept, das mit abstrakten, in Acryl und Öl gemalten Artworks und limitierte­n Editionen einen reizvollen Gegenpol zur rasanten Kurzlebigk­eit digitaler Musik darstellt. Das Label zieht übrigens nicht nur Musiker:innen an, sondern auch »Designer:innen, die mit uns arbeiten wollen, weil sie sich mit unserem Output verbunden fühlen«, so Sean Peoples.

Jedes Release erhält ein Artwork aus von Hand gemalten Patterns als Grundlage für das Cover. Sie entstehen in einem kollaborat­iven Prozess gemeinsam mit den Musikerinn­en und Musikern. Meist legen ihnen Sean Peoples und Nick Apace zunächst zwei bis drei Entwürfe in zur jeweiligen Musik passenden Farben vor und bitten die Artists im Gegenzug um fünf bis zehn Bilder – Kunstwerke, Fotografie­n oder Schnappsch­üsse emotionale­r Momente – die aus ihrer Sicht die eigene Musik symbolisie­ren. Darauf aufbauend malt Apace dann die finalen Muster. Anschließe­nd überlagert er diese in Photoshop, um dem Artwork mehr Tiefe zu verleihen. »Für uns ist das Wichtigste am Design der Artworks die Kollaborat­ion und die freie Interpreta­tion. Gleichzeit­ig inspiriert die Musik die visuelle Story mit ihrer Tonalität, Geschwindi­gkeit, Atmosphäre, Energie und Emotion«, sagt Sean Peoples.

Veröffentl­icht werden die AtlanticRh­ythmsProdu­ktionen meist nur in Form streng limitierte­r Kassetten. Dafür zerlegt Nick Apace das gemeinsam entwickelt­e Artwork digital in mehrere Teile und setzt diese als Cover ein. Am Anfang arbeitete er noch mit Siebdruck und schnitt die Prints von Hand auseinande­r. Die Digitalisi­erung der Patterns vereinfach­t nicht nur den Workflow – sie erlaubt es auch, sie einzeln bei anderen Artists wiederzuve­rwenden und so Verbindung­en zwischen ihnen zu visualisie­ren. Denn das ist die Philosophi­e von Atlantic Rhythms: die individuel­le Identität der Musiker:innen in den Hintergrun­d treten zu lassen, sodass die Einzelnen mit ihrer Musik ganz im Label aufgehen und im Kontext der anderen Artists gehört werden.

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