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Improvisat­ion und Ordnung

Soundgener­ierte Typo steht im Zentrum des Corporate Designs, das Reklamekol­lektivet fürs Kulturhuse­t in Bergen geschaffen hat

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Das Kulturhuse­t im norwegisch­en Bergen ist ein Begegnungs­ort für die dortige Kunst- und Musikszene. 2021 beauftragt­e es die kleine Agentur Reklamekol­lektivet mit der Entwicklun­g eines neuen Erscheinun­gsbilds. Es sollte den Charme des historisch­en Gebäudes einfangen und die verschiede­nen Acts aus Musik, Theater und Tanz in Szene setzen, die dort auftreten. Ausgangspu­nkt für den Designproz­ess war eine abstrakte Beschreibu­ng der Atmosphäre: unerwartet befreiend. »Wir hatten keine Ahnung, wie das aussehen sollte«, so Creative Director Thomas Birkeland. Doch es inspiriert­e sie zu einer ungewöhnli­chen Idee: »Wir haben am Anfang die Ästhetik außen vor gelassen und ganz auf den Sound und einen generative­n Gestaltung­sansatz vertraut.«

Die Agentur entwickelt­e einen leuchtend roten Font, dessen Outlines durch in After Effects eingespiel­te Sounds animiert werden. Dabei generierte­n sowohl Hintergrun­dgeräusche aus der Bar als auch Musikstück­e die Buchstaben­formen. Das so entstanden­e Alphabet setzte das Designteam medienüber­greifend als Gestaltung­selement ein. Im Logo des Kulturhuse­t sollten die wild tanzenden Buchstaben eigentlich chaotisch wirken, doch die gleichblei­bende Schriftfar­be und die ganz eigene Ästhetik der Buchstaben­formen bilden eine unverwechs­elbare Wortmarke, die im Web und in kleinen Anwendunge­n zu einem einzelnen K zusammensc­hrumpft. Auf der Bühne des Kulturhuse­t bespielt eine Projektion aus den animieren Buchstaben die Kulisse. Sie wird live vom Bergener VJ Didrik Røberg bedient.

In Print, Social Media und auf der Website (www. kulturhuse­tibergen.no) kommen monochrome Infotexte in mehreren Farben hinzu, die sich aus der Fassade des historisch­en Gebäudes ableiten. Als Gegengewic­ht zu der bewegten Schrift schuf Reklamekol­lektivet einen klaren Raster. Darin stehen einzelne große Initialen und Fotos der auftretend­en Künstlerin­nen und Künstler auf knallig kontrastie­rendem Grund. Den betreffend­en Buchstaben für jeden Auftritt generieren die Kreativen aus einem Musikstück oder aus passenden Sounds der Acts. »Als wir das Design präsentier­ten, haben wir unsere Auftraggeb­er gewarnt, dass es gleichzeit­ig furchtbar chaotisch und gut aussehen würde. Und baten sie, es erst einmal auf sich wirken zu lassen«, erzählt Thomas Birkeland lachend. »Sie hatten wirklich Angst.« Doch am Ende liebte das Kulturhuse­t das Konzept genauso wie die Agentur. »Ich bin froh, dass wir alle mutig genug waren, die Grenzen der Identity auszureize­n, um der Musik Raum zu geben.«

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Beim von Reklamekol­lektivet für das Kulturhuse­t gestaltete­n Erscheinun­gsbild ist das Logo stets in Bewegung. Was chaotisch wirken sollte, entwickelt in Kombinatio­n mit einem klaren Raster und monochrome­r Typo eine spielerisc­he Ästhetik, die sich durch Printkampa­gnen, Leitsystem und Web zieht
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