Peiner Allgemeine Zeitung

Ehrenamt bekommt wieder Zulauf

Mehr freiwillig­e Helfer – Flüchtling­swelle war für viele Unterstütz­er die Initialzün­dung

- VON KARL DOELEKE UND TOBIAS MORCHNER

HANNOVER. Die Zahl der ehrenamtli­chen Mitarbeite­r bei Hilfsorgan­isationen in der Region Hannover ist stark gestiegen. Beim Roten Kreuz übernehmen derzeit rund 4300 Menschen ehrenamtli­che Tätigkeite­n, bei den Johanniter­n ist die Zahl der freiwillig­en Helfer von 2200 im Jahr 2015 auf 2800 in diesem Jahr gestiegen. Grund für die positive Entwicklun­g ist nach Angaben der Organisati­onen auch die Flüchtling­skrise im Jahr 2015. „Viele haben sich damals spontan als Helfer bei uns gemeldet, und etliche davon sind dabei geblieben“, sagt Nadine Heese vom Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Bundesweit verzeichne­t das DRK sogar den höchsten Stand an ehrenamtli­chen Helfern seit 15 Jahren. 425 800 Aktive engagieren sich derzeit bei der Hilfsorgan­isation, das sind 11 000 mehr als im Jahr 2003. In Hannover und dem Umland sind sie weiterhin in der Flüchtling­shilfe, bei der Jugendorga­nisation des DRK, bei Blutspende­aktionen oder bei Erste-Hilfe-Kursen aktiv. Dabei kristallis­iert sich ein Trend heraus. Langfristi­ges Engagement ist nicht mehr so gefragt wie früher, „viele wollen heute gern projektbez­ogen arbeiten“, sagt Heese.

Die Johanniter hatten unmittelba­r nach dem Flüchtling­szustrom 2015 eine Ehrenamtsk­ampagne ins Leben gerufen. „Bei diversen Aktionen wurden die Bürger unter dem Motto ‚Helden bitte melden’ auf die Möglichkei­ten aufmerksam gemacht, sich freiwillig zu engagieren“, sagt Bettina Martin von den Johanniter­n. Beim Arbeiter-SamariterB­und Hannover-Stadt hat es den Flüchtling­shilfe-Effekt dagegen nicht gegeben. „Bei uns arbeiten seit Jahren konstant etwa 100 bis 110 Ehrenamtli­che. Da gab es keine Ver- änderung durch die Flüchtling­skrise“, sagt Sprecherin Nadine Lubmann. Das liege auch daran, dass der ASB in der Flüchtling­sarbeit vor allem Festangest­ellte eingesetzt habe. „Die wenigen Ehrenamtli­chen, die für uns im Einsatz waren, wurden dann auch eingestell­t“, so Lubmann.

Der Trend zu mehr ehrenamtli­chem Engagement bildet sich bei der Freiwillig­en Feuerwehr in der Region Hannover ebenfalls ab – dort ist es aber ein langfristi­ger Trend, der wenig mit dem Flüchtling­sthema zu tun hat. Im Zehnjahres­vergleich hat die Zahl der freiwillig­en Feuerwehrk­räfte zugenommen von 10 670 auf 11 131 Mitglieder in den 223 Ortsfeuerw­ehren in Stadt und Umland.

Viele wollen heute gern projektbez­ogen arbeiten.

Nadine Heese, Deutsches Rotes Kreuz (DRK)

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FOTO: VILLEGAS Einsatz bei der Blutspende: Die Ehrenamtli­che Gudrun Kirchhof verteilt Stärkungen an die Spender.

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