Bay­ern­wahl mit Spreng­kraft: Für Mer­kel be­ginnt hei­ßer Herbst

Der CSU droht am Sonn­tag ein De­sas­ter – dies ge­fähr­det auch die Gro­ße Ko­ali­ti­on in Ber­lin

Peiner Allgemeine Zeitung - - ERSTE SEITE - VON JÖRG BLANK UND GE­ORG IS­MAR

MÜN­CHEN/BER­LIN. Für An­ge­la Mer­kel und ih­re vier­te Re­gie­rung ist der Wahl­sonn­tag in Bay­ern der Ein­stieg in ei­nen hei­ßen Herbst, wie ihn die Kanz­le­rin noch nicht er­lebt hat. Stür­zen die Wäh­ler die CSU wie von vie­len Um­fra­gen vor­her­ge­sagt ins De­sas­ter, dürf­ten die Aus­wir­kun­gen nicht nur für die Christ­so­zia­len ver­hee­rend sein.

In der Uni­on fürch­ten sie, ei­ne tau­meln­de CSU könn­te nach zwei mit Ach und Krach über­stan­de­nen Re­gie­rungs­kri­sen er­neut auch die Sta­tik der Gro­ßen Ko­ali­ti­on in Ber­lin er­schüt­tern. Of­fen ist, ob ein stür­zen­der CSU-Chef Horst See­ho­fer so­gar sei­ne Dau­er­kon­tra­hen­tin Mer­kel mit­rei­ßen könn­te. Und un­klar ist auch, wie lan­ge es in der SPD um Par­tei­che­fin Andrea Nah­les ru­hig bleibt, falls die So­zi­al­de­mo­kra­ten in Bay­ern tat­säch­lich ein Er­geb­nis um die 10 Pro­zent weg­ste­cken müs­sen. Es könn­te aber auch ganz an­ders kom­men – mit ei­ner Gna­den­frist für al­le Sei­ten. Kei­ner weiß: Wie stim­men vor al­lem die un­ent­schlos­se­nen Wäh­ler am Sonn­tag tat­säch­lich ab?

Mer­kel selbst gibt sich am Frei­tag ge­wohnt zu­rück­hal­tend: Sie wün­sche sich na­tür­lich ein gu­tes Er­geb­nis für die CSU, sagt die Kanz­le­rin aus­wei­chend auf die Fra­ge, ob sie Kon­se­quen­zen aus Bay­ern für die Sta­bi­li­tät der Re­gie­rung in Ber­lin be­fürch­te. Und fügt tro­cken hin­zu: „Ich weiß, dass wir in nicht ganz ein­fa­chen Zei­ten le­ben. Und an­sons­ten war­te ich auf das Er­geb­nis.“

In der Bun­des-CDU heißt es seit Wo­chen so­wie­so, viel wich­ti­ger als der Wahl­aus­gang in Bay­ern sei es, ob CDU-Mi­nis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier in Hes­sen am 28. Ok­to­ber die Staats­kanz­lei ver­tei­di­gen kann. Für die­sen Fall gilt es als nicht un­wahr­schein­lich, dass Mer­kel wie an­ge­strebt auf dem CDUWahl­par­tei­tag An­fang De­zem­ber in Ham­burg tat­säch­lich noch ein­mal zur Vor­sit­zen­den wie­der­ge­wählt werden könn­te. Kommt es an­ders und Bouf­fier wür­de aus der Re­gie­rung ge­fegt, wird in der CDU nichts aus­ge­schlos­sen – auch ein Rück­zug der Kanz­le­rin nicht.

CDU-Ex­per­ten hal­ten ein CSU-Er­geb­nis von 31 Pro­zent ge­nau­so für mög­lich wie ei­nes von 38 oder 39 Pro­zent. Als ma­gisch gilt auch in der CSU die 35-Pro­zent-Mar­ke – stürzt die Par­tei nicht wei­ter ab, könn­ten sich Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der und Horst See­ho­fer wo­mög­lich bei­de hal­ten, heißt es. Ei­ne Re­vol­te in der CSU wer­de am Mon­tag nach der Wahl aus­blei­ben, hofft man in­stän­dig in der CDU. Denn ein „Ge­met­zel“mit Schuld­zu­wei­sun­gen zwi­schen Sö­der und See­ho­fer wür­de es den CDU-Wahl­kämp­fern in Hes­sen zu­sätz­lich schwer ma­chen.

Bei der SPD ahnt man schon, was kommt. Da­her gibt es auch kei­ne Wahl­par­ty im Wil­ly-Brandt-Haus, wie sonst üb­lich. Die wür­de meh­re­re Tau­send Eu­ro kos­ten, we­gen der schlech­ten Wah­l­er­geb­nis­se muss die Par­tei spa­ren. „Gut re­gie­ren“, lau­tet das Man­tra von Nah­les und Vi­ze­kanz­ler Olaf Scholz: Dann ver­trau­en die Men­schen wie­der der Par­tei und wäh­len sie.

Ich weiß, dass wir in nicht ganz ein­fa­chen Zei­ten le­ben. Und an­sons­ten war­te ich auf das Er­geb­nis.

An­ge­la Mer­kel, Bun­des­kanz­le­rin

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.