Bun­des­tag strei­tet über 30-Mil­li­ar­den-Ren­ten­pa­ket

Mit den schwarz-ro­ten Re­form­plä­nen soll das Si­che­rungs­ni­veau bis 2025 fest­ge­schrie­ben werden

Peiner Allgemeine Zeitung - - POLITIK - VON RAS­MUS BUCH­STEI­NER

BER­LIN. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on will die Ren­ten sta­bi­li­sie­ren. So­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) ver­tei­dig­te da­zu am Frei­tag im Bun­des­tag sein mil­li­ar­den­schwe­res Ren­ten­pa­ket ge­gen hef­ti­ge Kri­tik der Op­po­si­ti­on. „In Zei­ten ra­san­ter Ve­rän­de­run­gen ist es wich­tig, dass wir den Men­schen Si­cher­heit und Ori­en­tie­rung ge­ben“, sag­te Heil. Die Op­po­si­ti­on ließ kein gu­tes Haar an den Plä­nen. Die Lin­ke warf der Re­gie­rung vor, an­ge­sichts dro­hen­der Al­ters­ar­mut zu we­nig Geld für die Ren­te zu mo­bi­li­sie­ren. Die Grü­nen hiel­ten ins­be­son­de­re der CSU vor, bei der Ren­te „auf Mond­fahrt“zu ge­hen. Hin­ter­grund ist die mil­li­ar­den­schwe­re Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te.

Än­de­run­gen sind in vier gro­ßen Be­rei­chen ge­plant. Die zu­sätz­li­chen Kos­ten des Ren­ten­pa­kets werden sich bis 2025 auf rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro be­lau­fen.

❱ Was ist ge­nau ge­plant?

Das Pa­ket sieht ei­ne „dop­pel­te Hal­t­el­i­nie“vor: So wird das ge­setz­li­che Ren­ten­ni­veau – das Ver­hält­nis ei­ner Stan­dard­ren­te nach 45 Bei­trags­jah­ren zum Brut­to­lohn – bis 2025 ein­ge­fro­ren, bei 48 Pro­zent. Zugleich wird für den Bei­trags­satz zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ei­ne Ober­gren­ze von 20 Pro­zent ein­ge­führt. Der­zeit liegt die­ser bei 18,6 Pro­zent.

❱ Än­dert sich die Müt­ter­ren­te? Für El­tern­tei­le, die vor 1992 ge­bo­re­ne Kin­der er­zo­gen ha­ben, gibt es mehr Ren­te. Sie er­hal­ten ab 2019 bei der Ren­te künf­tig ein hal­bes Er­zie­hungs­jahr pro Kind zu­sätz­lich an­ge­rech­net. Pro Kind wä­re das ei­ne Ren­ten­er­hö­hung um ak­tu­ell et­wa 16,02 Eu­ro im Wes­ten und rund 15,35 Eu­ro im Os­ten. Wer ab Ja­nu­ar 2019 in Ren­te geht, er­hält so­fort mehr Geld, wer be­reits Ren­te be­zieht, erst ab Ju­li. Für die ers­te Jah­res­hälf­te gibt es dann aber ei­ne Nach­zah­lung.

❱ Was än­dert sich bei der werbs­min­de­rungs­ren­te? Krank­heits­be­ding­te Früh­rent­ner pro­fi­tie­ren auch von den Plä­nen – al­ler­dings nur je­ne,

Er- die ab kom­men­dem Jahr neu in Ren­te ge­hen. Da­für wird die so­ge­nann­te Zu­rech­nungs­zeit ana­log zur stei­gen­den Re­gel­al­ters­gren­ze ver­län­gert. Ih­re Be­zü­ge werden künf­tig so be­rech­net, als hät­ten sie bis zum ak­tu­el­len Ren­ten­al­ter wei­ter­ge­ar­bei­tet. Die­je­ni­gen, die be­reits jetzt ei­ne Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­zie­hen, je­doch leer aus. ge­hen

❱ Pro­fi­tie­ren Ge­ring­ver­die­ner? Wer nur ein ge­rin­ges Ein­kom­men hat, muss künf­tig we­ni­ger So­zi­al­ab­ga­ben zah­len. Dies gilt bis zu ei­ner Gren­ze von 1300 Eu­ro brut­to im Mo­nat. Ein Ar­beit­neh­mer mit 850 Eu­ro mo­nat­lich hat künf­tig pro Jahr 270 Eu­ro mehr im Porte­mon­naie.

❱ Wie teu­er ist das Pa­ket?

Laut Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um sum­mie­ren sich die zu­sätz­li­chen Kos­ten auf rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro bis 2025. Die Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te sorgt für jähr­li­che Mehr­aus­ga­ben der Ren­ten­ver­si­che­rung von cir­ca 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Zu­nächst wird da­für die Rück­la­ge der Ren­ten­kas­se Schritt für Schritt ab­ge­schmol­zen. Künf­tig soll aber deut­lich mehr Geld aus Steu­er­mit­teln für die Al­ters­si­che­rung aus­ge­ge­ben werden – et­wa über ei­nen Fonds, der ab 2021 jähr­lich mit 2 Mil­li­ar­den Eu­ro aus dem Bun­des­etat be­stückt werden soll.

FO­TO: WOLF­GANG KUMM/DPA

„Es ist wich­tig, dass wir den Men­schen Si­cher­heit und Ori­en­tie­rung ge­ben“: So­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD).

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