IHK-Nie­der­sach­sen sieht Kon­junk­tur „leicht pes­si­mis­tisch“

VW-Ab­satz­schwä­che zieht Wirt­schafts­wachs­tum run­ter – Vie­le Fir­men bie­ten freie Jobs

Peiner Allgemeine Zeitung - - NIEDERSACHSEN - VON DIRK STELZL

HAN­NO­VER. Die Schwie­rig­kei­ten der Au­to­in­dus­trie bei der Um­stel­lung auf das Ab­gasP­rüf­ver­fah­ren WLTP und da­mit ver­bun­de­ne Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le be­son­ders bei VW be­las­ten die nie­der­säch­si­sche Wirt­schaft mas­siv. Das Wirt­schafts­wachs­tum ist nach An­ga­ben der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Nie­der­sach­sen (IHKN) im drit­ten Quar­tal zum Still­stand ge­kom­men. Die Auf­trags­ein­gän­ge der In­dus­trie hät­ten sich deut­lich ab­ge­schwächt. Da­mit zeigt sich er­neut, wie stark das Bun­des­land von der Au­to­bran­che und dem Wolfs­bur­ger Kon­zern ab­hängt.

„Wir hof­fen, dass der Ein­bruch der Au­to­in­dus­trie nur tem­po­rär ist“, sag­te IHKNHaupt­ge­schäfts­füh­rer Horst Schra­ge am Frei­tag in Han­no­ver. An­de­re Bran­chen leg­ten wei­ter zu, wie die jüngs­te Kon­junk­tur­um­fra­ge der IHKN un­ter rund 2000 Un­ter­neh­men er­ge­ben hat. Schra­ge rech­net für das Ge­samt­jahr nun mit ei­nem Wachs­tum der hie­si­gen Wirt­schaft um et­wa 1,7 Pro­zent. An­fang des Jah­res hat­te er ein Plus zwi­schen 1,7 und 1,9 Pro­zent vor­her­ge­sagt. Wie das Er­geb­nis aus­fällt, hängt auch da­von ab, ob es Volks­wa­gen ge­lingt, die Ab­satz­ein­bu­ßen in den kom­men­den Mo­na­ten wett­zu­ma­chen.

Nie­der­sach­sens Wirt­schafts­mi­nis­ter Bernd Al­t­hus­mann (CDU) wies dar­auf hin, dass die Au­to­bau­er in der EU mit Hoch­druck dar­an ar­bei­te­ten, die Zu­las­sungs­ver­fah­ren nach dem neu­en Stan­dard ab­zu­schlie­ßen. Da­her sei er op­ti­mis­tisch, dass es sich bei der Ab­satz­schwä­che nur um ei­ne „vor­über­ge­hen­de Ent­wick­lung“han­de­le.

Der von der IHK Nie­der­sach­sen er­mit­tel­te Kon­junk­tur­kli­ma­in­di­ka­tor ist im ver­gan­ge­nen Quar­tal zum drit­ten Mal in Fol­ge ge­fal­len – um wei­te­re vier auf 116 Punk­te. Er liegt aber nach wie vor deut­lich über dem lang­fris­ti­gen Durch­schnitt. Die Auf­trags­be­stän­de der Fir­men sei­en im­mer noch „kom­for­ta­bel“, be­ton­te Schra­ge. „Zur Pa­nik­ma­che be­steht kein An­lass.“Die In­lands­nach­fra­ge et­wa sei „ro­bust“. Die Ge­schäf­te der In­dus­trie lau­fen laut Kam­mer­um­fra­ge in vie­len Be­rei­chen fast un­ver­än­dert gut. Die Ex­porter­war­tun­gen der Un­ter­neh­men hät­ten sich seit dem Som­mer wie­der ver­bes­sert, da sich die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Ka­na­da und Me­xi­ko auf ein neu­es Han­dels­ab­kom­men ge­ei­nigt und sich da­mit Dro­hun­gen von US-Prä­si­dent Do­nald Trump nicht be­wahr­hei­tet hät­ten, hieß es. Der Bau­wirt­schaft ge­he es wei­ter „aus­ge­zeich­net“– Auf­trags­ein­gän­ge leg­ten zu, Prei­se stie­gen.

Vie­le Fir­men in­ves­tier­ten und bau­ten Ka­pa­zi­tä­ten aus. Als drän­gend emp­fin­det die Wirt­schaft den Man­gel an Fach­kräf­ten. „Je­des zwei­te Un­ter­neh­men mel­det der­zeit of­fe­ne Stel­len“, er­klär­te die IHK Nie­der­sach­sen. Haupt­pro­blem sei bei 60 Pro­zent der Be­wer­ber ei­ne zu ge­rin­ge oder nicht pas­sen­de Qua­li­fi­ka­ti­on. Zu­neh­mend zu schaf­fen mach­ten der Wirt­schaft auch stei­gen­de Ener­gie- und Roh­stoff­kos­ten. Schra­ges Kon­junk­tur­pro­gno­se für 2019 fällt zu­rück­hal­tend aus: „Leich­ter Pes­si­mis­mus“sei an­ge­bracht.

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