Kat­ze in Pei­ne: Mit Hu­mor über De­pres­sio­nen

Au­tor nimmt Pei­ner mit auf emo­tio­na­le Ach­ter­bahn­fahrt – Ver­an­stal­tung im Rah­men der Wo­chen der see­li­schen Ge­sund­heit

Peiner Allgemeine Zeitung - - PEINE -

PEI­NE. Je­der Be­trof­fe­ne hat sei­ne Art, mit De­pres­sio­nen um­zu­ge­hen. Tobi Kat­ze ver­packt das The­ma in ei­ner gro­ßen Tü­te vol­ler Hu­mor und Ernst­haf­tig­keit. Ei­ne Kost­pro­be bot der Au­tor am Don­ners­tag­abend im Pei­ner Fo­rum. Der Auf­tritt fand im Rah­men der Wo­chen der see­li­schen Ge­sund­heit statt.

Tobi Kat­ze ist 37 Jah­re alt und hat De­pres­sio­nen. Seit 2014 spricht er of­fen und un­ver­blümt über das The­ma. Vor­her hat er sich selbst nicht ein­ge­ste­hen wol­len, dass er psy­chisch er­krankt ist. In­zwi­schen hat er ge­lernt, da­mit um­zu­ge­hen und be­schreibt mit viel Wort­witz und schwar­zem Hu­mor den Ver­lauf sei­ner De­pres­si­on. Das da­zu­ge­hö­ri­ge Büh­nen­pro­gramm gleicht ei­ner emo­tio­na­len Ach­ter­bahn­fahrt mit ra­san­ten Wen­dun­gen und gro­ßen Hö­hen­un­ter­schie­den. Na­he­zu je­dem emo­tio­na­len Mo­ment folgt ein ur­ko­mi­schen Ver­gleich, der die Stim­mung des Pu­bli­kums wie­der auf­lo­ckert – ein schwie­ri­ger Ba­lan­ce-Akt, der Tobi Kat­ze aber ge­lang.

Der Au­tor be­schreibt De­pres­sio­nen als ei­ne gro­ße, un­über­brück­ba­re Lee­re. „Stel­len Sie sich vor, Sie schau­en drei Mo­na­te auf ei­ne Rau­fa­ser­ta­pe­te und trin­ken da­bei die gan­ze Zeit Bier. Dann wis­sen Sie, wie ich mich ge­fühlt ha­be“, sagt er. Er hat­te das Glück, di­rekt ei­ne gu­te Psy­cho­the­ra­peu­tin ge­fun­den zu ha­ben, die ihn mit ge­ziel­ten Fra­gen aus der Re­ser­ve lock­te. So konn­te er nach und nach an sich ar­bei­ten, um wie­der ein „nor­ma­les Le­ben“füh­ren zu kön­nen – eben so, wie es al­le an­de­ren auch tun.

„Man will ei­gent­lich nicht im Bett lie­gen und stun­den­lang grund­los an die De­cke star­ren“, sagt der Au­tor und fügt hin­zu: „Man kann aber auch nicht sei­nen Wil­len über­zeu­gen, end­lich auf- zu­ste­hen.“

Nach dem Pro­gramm rief der 37-Jäh­ri­ge die Pei­ner da­zu auf, ihm Fra­gen über sei­ne Krank­heit zu stel­len. Zu Be­ginn mel­de­te sich ein äl­te­rer Herr, der De­pres­sio­nen als ei­ne Pseu­do-Krank­heit ab­stem­pel­te. Tobi Kat­ze er­klär­te ihm er­neut, dass De­pres­si­on kei­ne „Wald-und-Wie­sen-Er­kran­kung“sei. Das Pu­bli­kum klatsch­te Bei­fall – und die an­schlie­ßen­de Fra­ge­run­de wur­de zum Er­folg. Im An­schluss blieb Tobi Kat­ze noch ei­ni­ge Mi­nu­ten län­ger im Fo­rum, um pri­vat mit Pei­nern über De­pres­sio­nen re­den zu kön­nen.

Man will ei­gent­lich nicht im Bett lie­gen und stun­den­lang grund­los an die De­cke star­ren.

Tobi Kat­ze

Au­tor

FO­TOS: MICHAE­LA GE­BAU­ER

Tobi Kat­ze trat im Pei­ner Fo­rum auf.

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