Die Bahn fährt auf Ver­schleiß

Bun­des­rech­nungs­hof rügt Fi­nanz­po­li­tik – Ti­ckets im Fern­ver­kehr wer­den 1,9 Pro­zent teu­rer

Peiner Allgemeine Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON FRANK-THO­MAS WENZEL

FRANK­FURT. Die Bahn baut zum Fahr­plan­wech­sel am Sonn­tag ihr An­ge­bot aus. Doch zu­gleich wird die Kri­tik am Staats­kon­zern und am zu­stän­di­gen Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um mas­si­ver. Es geht nicht nur um Ti­cket­prei­se, son­dern um Grund­sätz­li­ches.

Po­si­tiv für die Fahr­gäs­te sind zu­nächst ein­mal die Än­de­run­gen auf der neu­en ICEStre­cke von Ber­lin nach Mün­chen. Dort sol­len künf­tig in je­de Rich­tung täg­lich fünf statt bis­her drei Sprin­ter­zü­ge un­ter­wegs sein. Die Ver­bin­dung zwi­schen den bei­den Me­tro­po­len ist ei­ne Er­folgs­ge­schich­te ge­wor­den: Mit 4,4 Mil­lio­nen Fahr­gäs­ten seit der Er­öff­nung vor knapp ei­nem Jahr sind deut­lich mehr Pas­sa­gie­re ein­ge­stie­gen als er­war­tet. Auch der Frank­fur­ter Flug­ha­fen wird mit dem Fahr­plan­wech­sel häu­fi­ger an­ge­fah­ren, näm­lich täg­lich von 14 statt elf Zü­gen in bei­de Rich­tun­gen.

Hin­zu kommt ei­ne Aus­wei­tung des An­ge­bots für ei­ne gan­ze Rei­he der lang­sa­me­ren In­ter­ci­ty-Ver­bin­dun­gen – et­wa von NRW in Rich­tung Os­ten. Im Re­gio­nal­ver­kehr in meh­re­ren Me­tro­pol­re­gio­nen fah­ren S-Bah­nen sehr bald in ei­ner hö­he­ren Fre­quenz.

Die Bahn re­agiert mit all dem auf stei­gen­de Fahr­gast­zah­len. An Nach­fra­ge nach Be­för­de­rung auf der Schie­ne ha­pert es al­so of­fen­bar nicht. Je­den­falls scheut sich der Staats­kon­zern auch nicht, hö­he­re Prei­se von sei­nen Kun­den zu ver­lan­gen. Im Fern­ver­kehr wer­den die re­gu­lä­ren Ti­ckets im Durch­schnitt 1,9 Pro­zent teu­rer, wie die Bahn mit­teilt. We­gen Son­der­an­ge­bo­ten und Ra­bat­ten ge­be es aber nur ei­nen Auf­schlag von 0,9 Pro­zent. Im Re­gio­nal­ver­kehr wer­den 1,5 Pro­zent auf­ge­schla­gen – das gilt für Fahr­ten über die Ver­kehrs­ver­bün­de hin­weg. Viel­fah­rer wer­den deut­lich stär­ker zur Kas­se ge­be­ten. Die Bahn­card 100 ver­teu­ert sich um fast 3 Pro­zent. Die Prei­se für Platz­re­ser­vie­run­gen so­wie für die Bahn­card 25 und Bahn­card 50 ver­än­dern sich nicht. Wer aber sein Ti­ckets im Zug kauft, muss künf­tig 19 statt 12,50 Eu­ro zah­len.

Dass da was grund­sätz­lich faul ist, ist Be­ob­ach­tern seit Län­ge­rem klar. Der Bun­des­rech­nungs­hof hat da­für nun vie­le Ar­gu­men­te ge­lie­fert. Ob­wohl der Bund seit 2009 rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro zur Ver­bes­se­rung der Bahn-In­fra­struk­tur zur Ver­fü­gung ge­stellt ha­be, sei das „kras­se Ge­gen­teil“ein­ge­tre­ten, so Kay Schel­ler, Prä­si­dent des Bun­des­rech­nungs­hofs. Das Sys­tem der Fi­nan­zie­rung durch den Staat sei ge­schei­tert. Es wer­de auf Ver­schleiß ge­fah­ren.

Ein gra­vie­ren­des Bei­spiel für Miss­ma­nage­ment sei die Un­ter­schei­dung in In­stand­hal­tungs­in­ves­ti­tio­nen, die die Bahn mit ei­ge­nem Geld be­zah­le, und in Er­satz­in­ves­ti­tio­nen, die der Staat über­nimmt. Das be­deu­te nichts an­de­res als die Auf­for­de­rung, die In­stand­hal­tung von Glei­sen und Brü­cken hin­aus­zu­zö­gern, bis sie er­setzt wer­den müs­sen. Denn da­mit spart die Bahn viel Geld.

FO­TO: CHRIS­TOPH SO­EDER/DPA

Bei der Bahn stei­gen die Fahr­gast­zah­len – und die Prei­se.

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