„Gorch Fock“: Prüf­be­richt bringt Ma­ri­ne in Be­dräng­nis

Bun­des­rech­nungs­hof wirft Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um Ver­säum­nis­se bei Sa­nie­rung vor

Peiner Allgemeine Zeitung - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - VON SIL­KE KATENKAMP UND CARS­TEN HOFFMANN

BER­LIN. Für die Kos­ten­ex­plo­si­on im Fall des Ma­ri­ne-Se­gel­schul­schif­fes „Gorch Fock“macht der Bun­des­rech­nungs­hof ei­nem Me­dien­be­richt zu­fol­ge schwe­re Ver­säum­nis­se bei Bun­des­wehr und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ver­ant­wort­lich. In ei­nem ver­trau­li­chen Be­richt von An­fang Ja­nu­ar rügt die Be­hör­de, dass die In­stand­set­zung des Schiffs von Be­ginn an nicht rich­tig ge­plant wor­den sei, weil die Schä­den am Rumpf nie kor­rekt und um­fäng­lich un­ter­sucht und be­wer­tet wur­den, wie der „Spie­gel“be­rich­tet. So sei­en über Jah­re zu nied­ri­ge Schät­zun­gen über die Kos­ten der Re­pa­ra­tur ent­stan­den. Ein Spre­cher des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums be­stä­tig­te die Exis­tenz des Rech­nungs­hof­be­richts am Sonn­tag.

Die Prü­fer kri­ti­sie­ren in dem 39-sei­ti­gen Do­ku­ment dem „Spie­gel“zu­fol­ge, die zu­stän­di­gen Stel­len hät­ten „aus den vor­lie­gen­den In­for­ma­tio­nen nicht die not­wen­di­gen Kon­se­quen- zen ge­zo­gen“. Zu­dem ha­be die Bun­des­wehr „vor Be­ginn der In­stand­hal­tungs­maß­nah­me kei­ne Wirt­schaft­lich­keits­un­ter­su­chung“durch­ge­führt. Es sei nie ernst­haft aus­ge­lo­tet wor­den, ob der Bau ei­nes neu­en Schiffs güns­ti­ger als die Re­pa­ra­tur ge­we­sen wä­re. Die Ma­ri­ne ha­be das Schiff of­fen­bar trotz der star­ken Schä­den ret­ten wol­len. Die Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge der Ma­ri­ne bei in­ter­nen Be­spre­chun­gen deu­te­ten „ent­we­der auf ei­ne völ­li­ge Ver­ken­nung der Sach­la­ge oder den un­be­ding­ten Wil­len zum Wei­ter­be­trieb der ‚Gorch Fock‘ hin“, heißt es laut „Spie­gel“in dem Prüf­be­richt.

Der 1958 ge­bau­te Drei­mas­ter wird seit 2016 über­holt. Den Auf­trag für die In­stand­set­zung hat­te die Els­fle­ther Werft in Nie­der­sach­sen er­hal­ten, die ein Dock in Bre­mer­ha­ven nutzt. Ur­sprüng­lich wa­ren die Kos­ten mit 10 Mil­lio­nen Eu­ro ver­an­schlagt wor­den, in­zwi­schen ist von 135 Mil­lio­nen Eu­ro die Re­de. Der Bun­des­rech­nungs­hof hat­te im Ju­ni 2018 ein Prüf­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.

Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te- ri­um ar­bei­te nach Aus­kunft ei­nes Spre­chers an ei­ner Stel­lung­nah­me, für die der Rech­nungs­hof Zeit bis April ge­ge­ben ha­be. Die Un­ter­su­chung der Prü­fer be­trach­tet nach In­for­ma­tio­nen der Deut­schen Pres­se-Agen­tur ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum der In­stand­set­zungs­ar­bei­ten an dem Schiff in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren. Sie stellt um­fas­send dar, auf wel­cher Ebe­ne in dem Zei­t­raum wel­che Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wur­den. Dem Prüf­be­richt zu­fol­ge war Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) über das wahre Aus­maß der Schä­den und der Kos­ten im Un­kla­ren ge­las­sen wor­den. Zwei Lei­tungs­vor­la­gen, mit de­nen die Mi­nis­te­rin An­fang 2017 und im März 2018 die Fort­set­zung der Ar­bei­ten ge­neh­migt hat­te, hät­ten „fal­sche Zahlen und zu op­ti­mis­ti­sche Ri­si­ko­ein­schät­zun­gen“ent­hal­ten, schreibt der „Spie­gel“.

An­ge­sichts der Kos­ten­ex­plo­si­on und ei­nes Kor­rup­ti­ons­ver­dachts hat­te das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um im De­zem­ber die Re­pa­ra­tu­ren ge­stoppt. Ein Mit­ar­bei­ter des Ma­ri­ne­ar­se­nals in Wil­helms­ha­ven soll von min­des­tens ei­nem Auf­trag­neh­mer ein ver­güns­tig­tes Dar­le­hen er­hal­ten ha­ben. Bis­lang gab es kei­ne Hin­wei­se, dass dies mit den Kos­ten­stei­ge­run­gen zu­sam­men­hängt. Wie es mit der „Gorch Fock“wei­ter­geht, will das Mi­nis­te­ri­um nach wei­te­ren Un­ter­su­chun­gen ent­schei­den – auch ein Aus für das Schul­schiff ist denk­bar.

FO­TO: THO­MAS ZIM­MER­MANN/IM­A­GO

„Gorch Fock“: Völ­li­ge Ver­ken­nung der Sach­la­ge?

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