Vom Trend zur Grö­ße

Peiner Allgemeine Zeitung - - HANNOVER - VON MEI­KE HA­KE­MEY­ER

▶ Park­lü­cken sind in der Süd­stadt be­kann­ter­ma­ßen rar. So war ich froh, di­rekt vor dem tür­ki­schen Restaurant, in dem ich ver­ab­re­det war, noch ei­ne freie zu fin­den. Oh­ne Pro­ble­me zir­kel­te ich mei­nen Klein­wa­gen rück­wärts mit­tig zwi­schen die bei­den wei­ßen Be­gren­zungs­stri­che. Ans Aus­stei­gen war je­doch lei­der nicht zu den­ken. Denn links ne­ben mir stand ein SUV der al­le­r­obers­ten Grö­ßen­ka­te­go­rie, des­sen Brei­te die der her­kömm­li­chen Park­lü­cke deut­lich über- und so­mit in mei­nen Stell­platz hin­ein­rag­te. Ich schau­te nach rechts und leg­te mei­nen Kopf er­neut in den Na­cken. Denn auch dort stand ein SUV, al­ler­dings ein nicht ganz so mäch­ti­ges Ex­em­plar, das ein we­nig mehr Raum zu mei­nem Wa­gen ge­währ­te.

Schrift­stel­ler Erich Käst­ner sag­te einst: „Die Grö­ße ei­nes Men­schen hängt nicht von der Grö­ße sei­nes Wir­kungs­fel­des ab.“Klu­ge Wor­te, die sich heut­zu­ta­ge nur we­ni­ge zu Her­zen neh­men. Ob nun der Lat­te mac­chia­to, die Tü­te mit Tief­kühl­pom­mes oder der Scho­ko­rie­gel – al­les muss XXL sein. Nicht zu­letzt wer­den Wohn­zim­mer in Neu­bau­ten so ge­plant, dass ei­ne üp­pi­ge Wohn­land­schaft dar­in Platz fin­det. Drei­er­so­fas sind pas­sé. Selbst die frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren in mei­nem Hei­mat­ort Sprin­ge ha­ben sich vom Trend zur Me­ga­lo­ma­nie an­ste­cken las­sen. Nach und nach for­der­ten sie von der Stadt­ver­wal­tung neue Feu­er­wehr­fahr­zeu­ge ein, und die muss­ten na­tür­lich im­mer deut­lich grö­ßer als das Vor­gän­ger­mo­dell sein. Da­nach stell­ten sie dann über­rascht fest, dass die Au­tos nicht mehr in ih­re Feu­er­wehr­ge­rä­te­häu­ser pas­sen. Die müs­sen nun auch al­le für gro­ßes Geld neu ge­baut wer­den.

Ich blieb üb­ri­gens stur auf dem Park­platz ste­hen, klet­ter­te auf mei­nen Bei­fah­rer­sitz, stieg aus, klapp­te vor­sichts­hal­ber mei­ne Spie­gel ein und ver­brach­te ei­nen ver­gnüg­li­chen

Abend mit Freun­den. Als ich spä­ter zu mei­nem Wa­gen zu­rück­kehr­te, wa­ren die Plät­ze zu bei­den Sei­ten frei. Ging wohl ir­gend­wie.

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