Er­neut Pan­ne am Haupt­bahn­hof: Al­les steht still

Nach ei­nem Scha­den im Stell­werk geht am Sonn­tag drei St­un­den lang nichts

Peiner Allgemeine Zeitung - - HANNOVER - VON TOBIAS MORCH­NER, UWE JANS­SEN UND PATRICIA OS­WALD-KIP­PER

HAN­NO­VER. Zum zwei­ten Mal in­ner­halb von sechs Wo­chen hat ges­tern Nach­mit­tag ein Stell­werks­scha­den den Zug­ver­kehr rund um Han­no­ver lahm­ge­legt. Tau­sen­de Rei­sen­de sa­ßen st­un­den­lang in Zü­gen und auf Bahn­stei­gen fest, wäh­rend rund drei St­un­den lang kein Zug den Haupt­bahn­hof der Lan­des­haupt­stadt an­fah­ren konn­te. Statt­des­sen steu­er­ten Fern­zü­ge al­ter­na­tiv die Bahn­hö­fe in Laat­zen, Lehr­te oder Wun­storf an. Bahn­hö­fe wie Stadtha­gen im Land­kreis Schaum­burg wur­den zum ICE-Halt, da­mit sich Fahr­gäs­te die Bei­ne ver­tre­ten konn­ten. Der S-Bahn-Ver­kehr kam völ­lig zum Er­lie­gen. Nach gut drei St­un­den be­gan­nen ge­gen 19 Uhr die ers­ten Zü­ge wie­der vom und zum Haupt­bahn­hof zu fah­ren.

Der Zwi­schen­fall er­in­nert an den Stell­werks­scha­den vom 2. De­zem­ber des Vor­jah­res. Da­mals hat­te ein Ka­bel- brand da­zu ge­führt, dass der han­no­ver­sche Haupt­bahn­hof eben­falls st­un­den­lang nicht an­ge­fah­ren wer­den konn­te. Wäh­rend da­mals das Stell­werk in der Lin­de­mann­al­lee Auf der Bult be­trof­fen war, er­eig­ne­te sich der De­fekt die­ses Mal in ei­nem so­ge­nann­ten Un­ter­stell­werk am Haupt­bahn­hof.

Wie da­mals klag­ten auch jetzt wie­der vie­le Fahr­gäs­te über die man­gel­haf­te In­for­ma­ti­ons­po­li­tik der Bahn. An­de­re är­ger­ten sich, dass Rat­schlä­ge von Bahn­mit­ar­bei­tern sie in

Die Bahn muss all­ge­mein wie­der mehr in die Ro­bust­heit ih­rer Sys­te­me in­ves­tie­ren. Björn Gry­sch­ka, Lan­des­vor­sit­zen­der von

Pro Bahn Nie­der­sach­sen

Sack­gas­sen führ­ten. Zahl­rei­che Fern­rei­sen­de et­wa folg­ten dem Tipp, vom Haupt­bahn­hof mit der Stadtbahn zum Mes­se­bahn­hof Laat­zen zu fah­ren – nur, um dann dort fest­zu­sit­zen. Ku­ri­os: Ein voll be­setz­ter ICE konn­te dort lan­ge Zeit nicht ab­fah­ren, weil kein Lok­füh­rer zur Stel­le war. Auch in Lehr­te kam es zu Un­mut un­ter den Fahr­gäs­ten.

Vie­le Rei­sen­de stie­gen auf Ta­xis, Miet­wa­gen oder Fern­bus­se um. Die Üs­tra ließ Bahn­Kun­den un­ent­gelt­lich ih­re Stadt­bah­nen be­nut­zen. Au­ßer­dem rich­te­te die Bahn nach gut zwei St­un­den ei­nen Er­satz­bus-Ser­vice am Zen­tra­len Om­ni­bus­bahn­hof (ZOB) ein.

Die In­ter­es­sen­ver­tre­tung Pro Bahn for­der­te ges­tern Kon­se­quen­zen aus dem neu­er­li­chen Stör­fall. Der nie­der- säch­si­sche Lan­des­vor­sit­zen­de Björn Gry­sch­ka sieht ein Pro­blem in der Zen­tra­li­sie­rung der Stell­wer­ke. Han­no­ver sei ei­ner der fünf wich­tigs­ten Kno­ten­punk­te in Deutschland, sagt Gry­sch­ka. Al­ler­dings sei­en die elek­tro­ni­schen Stell­wer­ke da­mit im­mer häu­fi­ger über­for­dert. „Die Bahn muss all­ge­mein wie­der mehr in die Ro­bust­heit ih­rer Sys­te­me in­ves­tie­ren“, sag­te Gry­sch­ka. Au­ßer­dem for­dert er für Han­no­ver ein neu­es Kon­zept für Not­fäl­le wie den gest­ri­gen. Die Aus­weich­bahn­hö­fe lä­gen ein­fach zu weit aus­ein­an­der – und teils zu weit vom Haupt­bahn­hof ent­fernt.

FO­TOS: PE­TER STEF­FEN/DPA (2)

Rei­sen­de müs­sen st­un­den­lang im Haupt­bahn­hof in Han­no­ver aus­har­ren.

An den Bahn­stei­gen herrscht Still­stand.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.