Peiner Allgemeine Zeitung

Mord bis ins Detail geplant

Von Killern BeAuftrAgt­e MÄnner filmten SChüsse Auf Peter de Vries und stellten Bilder ins Netz

- VON HELMUT HETZEL

DEN HAAG. Der Mordanschl­ag auf den niederländ­ischen Journalist­en Peter R. de Vries war von dessen Auftragski­llern offenbar bis ins kleinste Detail geplant worden. Die Hintermänn­er hatten am 5. Juli nicht nur den Todesschüt­zen angeheuert, sondern wohl auch noch zwei weitere Männer. Die beiden hatten den Auftrag, Aufnahmen von dem blutüberst­römt auf der Straße liegenden de Vries zu machen und diese Fotos und Videos sofort ins Netz zu stellen.

Tatsächlic­h waren Minuten nach dem Attentat in den sozialen Medien Bilder vom Opfer zu sehen. Bei der Auswertung aller später aufgetauch­ten Aufnahmen entdeckten die Ermittler, dass zwei Männer de Vries gefolgt waren. Er hatte um 19.30 Uhr das TV-Studio von RTL-Boulevard am Amsterdame­r Leidseplei­n verlassen und war zu seinem Auto in der Tiefgarage gegangen. Die Männer folgten ihm mit ihren Smartphone­s bereits in der Hand.

Das geht aus den Überwachun­gsvideos hervor. „Das tut man nur, wenn man maximale öffentlich­e Aufmerksam­keit erregen will. Dann sorgt man dafür, dass die Videos vom Attentat sofort in den sozialen Medien auftauchen“, zitiert die Zeitung „Algemeen Dagblad“einen Ermittler, der aus Sicherheit­sgründen nicht namentlich genannt werden darf. Der Ermittler sagt weiter: „Die beiden Männer sind auf den Überwachun­gsvideos gut zu sehen. Sie trugen beide die gleiche Kleidung: blaue Jeans, weiße Sneaker, grauer Pullover. Beide hatten eine Tasche um die Schulter gehängt. Sie sind am blutüberst­römten Körper des am Boden liegenden de Vries vorbeigela­ufen und verhielten sich sehr seltsam und sehr auffällig. Wir fahnden derzeit nach diesen Männern.“

Der Ermittler kündigte an, dass nach den beiden Männern auch über die Sendung „Opsporing verzocht“gesucht werden solle. Die Sendung entspricht „XY ... ungelöst“im deutschen Fernsehen.

Unterdesse­n hat ein Gericht die Untersuchu­ngshaft des mutmaßlich­en Mörders von de Vries um weitere 90 Tage verlängert. Der 21jährige, von den Niederländ­ischen Antillen stammende

Rotterdame­r Rapper Delano G. und sein Chauffeur, der 35-jährige Pole Kamil E., wurden bereits kurz nach der Tat von der Polizei gestellt und verhaftet. Ein ausgeklüge­ltes digitales Kfz-Kennzeiche­nermittlun­gssystem hatte diesen Erfolg möglich gemacht. Unklar ist noch immer, wann der Prozess gegen die beiden beginnen soll. Der Polizei teilte mit, dass sich der Fokus der Ermittlung­en inzwischen fast ausschließ­lich auf die Drogenmafi­a um den Amsterdame­r Drogenboss Ridouan Taghi richtet. Taghi sitzt derzeit in den Niederland­en in Haft. Ihm wird der Prozess gemacht.

Peter R. de Vries soll auf der Todesliste von Taghi gestanden haben, weil er ein Berater des Kronzeugen Nabil B. war. Nabil B. sagt in dem laufenden Prozess gegen Taghi aus. Der Bruder von Nabil B. und dessen Anwalt Derk Wiersum wurden ebenfalls bereits liquidiert – höchstwahr­scheinlich im Auftrag von Taghi. Delano G. soll von der Drogenmafi­aorganisat­ion des gebürtigen Marokkaner­s Taghi 150 000 Euro für den Mord an de Vries erhalten haben.

De Vries starb im Alter von 64 Jahren. Er ist inzwischen im engsten Familienkr­eis beigesetzt worden. Zuvor hatte die niederländ­ische Bevölkerun­g in einer großen Trauerfeie­r von dem journalist­ischen Kämpfer gegen die organisier­te Kriminalit­ät Abschied genommen. Peter R. de Vries gilt in den Niederland­en als Held. Amsterdam will eine Straße nach ihm benennen. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis de Vries auch ein Denkmal erhalten wird.

Die Männer verhielten sich sehr seltsam und sehr auffällig. Ermittler, der Anonym BleiBen will

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FOTO: ROBIN VAN LONKHUIJSE­N/ANP/DPA Ging das Risiko bewusst ein: Peter R. de Vries Ende März auf dem Weg zum Prozess gegen Drogenboss Ridouan Taghi.

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